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Erste auf 10.000 Meter: Lonah C. Salpeter Foto: imago/Andreas Gora

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Gold, Demo, Proteine

von Ingo Way  14.08.2018 11:08 Uhr

Gold
Goldmedaille für Israel. Die Läuferin Lonah Chemtai Salpeter gewann bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin am Mittwochabend vergangener Woche das 10.000-Meter-Finale in 31:43,29 Minuten. Sie war damit neun Sekunden schneller als die Zweitplatzierte, die Niederländerin Susan Krumins. Am Sonntag, beim Finale über 5000 Meter, blieb die 29-Jährige jedoch versehentlich eine Runde zu früh stehen und freute sich über eine vermeintliche Silbermedaille. Sie startete noch einmal durch, erreichte aber nur als Vierte das Ziel. Als Kindermädchen für die Familie des kenianischen Botschafters kam Salpeter 2008 nach Israel. Dort lernte die gebürtige Kenianerin einen einheimischen Trainer kennen, den sie 2014 heiratete. Zwei Jahre später bekam sie die israelische Staatsbürgerschaft. Lonah Chemtai Salpeter ist die erste Frau, die für Israel das EM-Gold gewinnt. Schon beim Europacup in London im Mai war sie die Schnellste gewesen. Auf unterschiedlichen Strecken hält sie insgesamt zehn nationale Rekorde.

Demo
Nach der großen Demonstration von Drusen gegen das neue Nationalstaatsgesetz eine Woche zuvor gab es am vergangenen Wochenende wieder eine Kundgebung in Tel Aviv. Zehntausende versammelten sich auf dem Rabin-Platz unter der Parole »Schafft das Nationalstaatsgesetz ab – Ja zur Gleichheit«. Anders als beim Protest der Drusen, die den jüdischen Charakter des Staates Israels grundsätzlich bejahen, waren diesmal ganz andere Töne zu hören. Auf mehreren Schildern stand »Nationalstaat ist Apartheid«, einige Teilnehmer skandierten: »Mit Blut werden wir dich befreien, Palästina!«, und neben vereinzelten israelischen wurde ein Meer von palästinensischen Flaggen geschwenkt. Einer der wenigen jüdischen Redner, »Haaretz«-Herausgeber Amos Schocken, rief dazu auf, das Gesetz abzuschaffen. Zahlreiche Oppositionspolitiker, die den Drusen-Protest unterstützt hatten, blieben der jüngsten Kundgebung fern, darunter Oppositionsführerin Zipi Livni, weil sie nicht gemeinsam mit Vertretern der Vereinigten Arabischen Liste demonstrieren wollte, die den jüdischen Staat ablehnen. Der Premierminister kommentierte den Protestmarsch auf Twitter so: »Nichts zeigt so deutlich, warum das Nationalstaatsgesetz notwendig ist.«

Proteine
Zwei Start-ups haben den Foodtech-Wettbewerb der Wirtschaftszeitung »Calcalist« und des Lebensmittelherstellers Tnuva gewonnen. Beide haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Proteinversorgung der Menschheit sicherzustellen. Innovopro aus dem Moschav Rishpon bei Herzlija stellt ein 70-prozentiges Proteinkonzentrat aus Kichererbsen her, das als vollwertiger Fleischersatz für Vegetarier und Veganer gilt. Und die erst 2017 gegründete Firma Hargol Foodtech betreibt in Eliphelet nördlich des Kinneret eine Heuschrecken-Farm und stellt aus den Insekten ebenfalls ein hochkonzentriertes Proteinextrakt her. »Man kann nicht ignorieren, dass die meisten Menschen zögern würden, Heuschrecken zu essen, aber Millennials sind offen für umweltfreundliche Nahrungsmittel«, sagt Hargol-Geschäftsführer Dror Tamir. »Aber in den meisten Produkten sind die Heuschrecken gar nicht als solche sichtbar.« Der Grund für Firmen wie Tnuva, größter Lebensmittelkonzern Israels, in alternative Proteinquellen zu investieren, sind die zunehmenden ethischen und ökologischen Probleme der Fleischproduktion.

Koma
Der umstrittene Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery liegt noch immer im Koma, nachdem er Anfang des Monats einen Schlaganfall erlitten hatte. Geboren 1923 in Beckum bei Münster als Helmut Ostermann, ging er in Hannover mit dem späteren »Spiegel«-Herausgeber Rudolf Augstein zur Schule. 1933 floh seine Familie ins Mandatsgebiet Palästina. Dort kämpfte er zunächst in der Irgun, später, im Unabhängigkeitskrieg, in der Hagana. Von 1950 bis 1990 gab er die Zeitschrift »Haolam Hazeh« heraus, saß für verschiedene linke Kleinparteien in der Knesset und war 1993 Mitbegründer der Friedensinitiative Gusch Schalom. Mit den Jahren wurde seine Kritik an der israelischen Politik immer radikaler; er traf sich mit Arafat, äußerte Verständnis für palästinensische Attentate und verglich Anti-Terror-Aktionen der israelischen Armee mit dem Vorgehen der Nazis. Von deutschen Medien, vor allem von Rudolf Augsteins »Spiegel«, wurde er immer gern angefragt, wenn mal wieder eine »kritische Stimme« aus Israel benötigt wurde. Am 10. September wird Uri Avnery 95 Jahre alt.

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