Nach einem Einsatz im Westjordanland hat die israelische Armeeführung ein ganzes Bataillon vorläufig aus dem operativen Dienst genommen. Hintergrund ist ein Vorfall, bei dem Soldaten ein Team des in Atlanta beheimateten amerikanischen Senders Cable News Network (CNN) festgesetzt und mutmaßlich körperlich angegangen haben. Auch israelische Medien berichteten.
Generalstabschef Eyal Zamir sprach von einem »schwerwiegenden ethischen Vorfall«, der nicht mit den Werten der Armee vereinbar sei. »Waffen dürfen ausschließlich zur Erfüllung des Auftrags eingesetzt werden und niemals aus Rache«, erklärte er. Solches Verhalten werde innerhalb der Streitkräfte nicht toleriert.
Das betroffene Reservebataillon, das überwiegend aus ehemaligen Soldaten einer ultraorthodoxen Einheit besteht, soll nun eine Phase durchlaufen, in der »die professionellen und ethischen Grundlagen gestärkt« werden. Erst danach könnte eine Rückkehr in den Einsatz erfolgen, abhängig von weiteren Entscheidungen der militärischen Führung.
Videoaufnahmen belasten Soldaten
Der Vorfall ereignete sich bei Dreharbeiten im Norden des Westjordanlands nahe einem umstrittenen Siedlungsposten. Auf von CNN veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie bewaffnete Soldaten auf das Reporterteam zugehen und dieses auffordern, sich auf den Boden zu legen.
Nach Darstellung des Senders wurde ein Kameramann zeitweise in den Würgegriff genommen. Zudem seien Ausrüstungsgegenstände beschädigt worden. Die Journalisten berichteten außerdem, sie seien über einen längeren Zeitraum festgehalten worden.
Die Streitkräfte (IDF) bestätigten, dass es bei dem Einsatz zu »mehreren Fehlverhalten« im Umgang mit den Reportern gekommen sei. Gleichzeitig betonte sie, die Soldaten hätten ursprünglich den Auftrag gehabt, die Lage rund um den Siedlungsposten zu sichern und Zusammenstöße zwischen Siedlern und Palästinensern zu verhindern.
Problematische Äußerungen
Besonders brisant sind Äußerungen einzelner Soldaten, die ebenfalls auf Video festgehalten wurden. Demnach erklärten sie gegenüber den Journalisten, das gesamte Westjordanland gehöre dem jüdischen Volk und dem Staat Israel. Einer der Beteiligten begründete sein Handeln mit persönlichen Motiven und fragte einen Reporter: »Wenn dein Bruder getötet worden wäre, was hättest du getan?«
Die Armeeführung distanzierte sich ausdrücklich von solchen Aussagen. Diese stünden weder im Einklang mit den Werten der IDF noch mit dem Auftrag der eingesetzten Einheiten.
Nach Angaben des Militärs wurden die Journalisten nach einer Sicherheitsüberprüfung wieder freigelassen. Die Vorwürfe, ein Soldat habe Gewalt angewendet, werden derzeit von der Militärpolizei untersucht. Zugleich weist die Armee Darstellungen zurück, wonach die Soldaten den Siedlungsposten unterstützt hätten. Vielmehr seien sie eingesetzt worden, um das Gebiet zu sichern, bis Polizeikräfte den Posten räumen.
Die Streitkräfte betonten, man respektiere die Pressefreiheit und bedaure den Vorfall. Es habe direkten Kontakt zu den betroffenen Journalisten gegeben, einschließlich einer persönlichen Entschuldigung, hieß es. im