Jerusalem/Genf

Nach Israel-kritischem Bericht: Netanjahu wirft UNHRC Antisemitismus vor

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2025

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Inhalt eines vom UNO-Menschenrechtsrat (UNHRC) in Auftrag gegebenen Berichtes mit scharfen Worten zurückgewiesen. Darin heißt es, Israel habe sexualisierte Gewalt gegen Palästinenser angewandt.

»Es wurde schon vor langer Zeit aufgedeckt, dass es sich bei dem antiisraelischen Zirkus, der sich ›Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen‹ nennt, um ein antisemitisches, verrottetes, den Terror unterstützendes und irrelevantes Organ handelt«, erklärte Netanjahu.

»Anstatt sich auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Kriegsverbrechen zu konzentrieren, die die Hamas mit dem schlimmsten Massaker gegen das jüdische Volk seit dem Holocaust begangen hat, greift die UN erneut den Staat Israel mit haltlosen Anschuldigungen an, darunter unbegründete Vorwürfe sexueller Gewalt«, so der Ministerpräsident.

Niedrigere Standards

Eine vom UNHCR beauftragte Expertenkommission wirft Israel in dem Bericht »schwere Menschenrechtsverletzungen mit sexuellen Übergriffen als Mittel zur Unterdrückung und Kontrolle der palästinensischen Bevölkerung« vor. Bei der israelischen Botschaft in Genf hieß es dazu, die Kommission sei voreingenommen und wende bei Israel absichtlich niedrigere Standards an als bei anderen Akteuren.

In dem Bericht sollen Fälle von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung dokumentiert worden sein. Ebenso seien Menschen gezwungen worden, sich öffentlich zu entkleiden. Dies sei auch auf Befehl oder mit stillschweigender Duldung der militärischen oder zivilen Führung geschehen, heißt es darin.

Im Gazastreifen seien Gesundheitszentren systematisch zerstört und die Einfuhr von Medikamenten und Material zur Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen verhindert worden. Als Folge seien Kinder und Frauen an Komplikationen gestorben. Dies sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Geburten zu verhindern erfülle auch Tatbestände des Völkermordes, so die UNO-Expertenkommission.

Viele Resolutionen

»Man kann sich der Schlussfolgerung nicht entziehen, dass Israel sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Palästinenser angewendet hat, um sie zu terrorisieren und um ein System der Unterdrückung aufrechtzuerhalten, das ihr Recht auf Selbstbestimmung untergräbt«, teilte Navi Pillay, die Vorsitzende der Kommission, in Genf mit.

Lesen Sie auch

Pillay ist seit Jahren für antiisraelische Positionen bekannt. Schon während der Kriege im Jahr 2008 und 2014, die ebenfalls von der palästinensischen Terrororganisation Hamas begonnen worden waren, hatte sie Israel vorgeworfen, absichtlich Zivilisten, einschließlich Kinder, ins Visier zu nehmen. Dem widersprachen sowohl Israel als auch westliche Militärexperten.

Der UNO-Menschenrechtsrat selbst, dem einige der schlimmsten Diktaturen der Welt angehören, wendet sich ebenfalls regelmäßig gegen Israel. Das Gremium hat mehr Resolutionen gegen den einzigen jüdischen Staat verabschiedet, als gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen.

Gaza und Westjordanland

Die Kommission gab derweil an, bei den angeblichen Vergehen gehe es um Vorgänge während der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland und Ostjerusalem seit dem 7. Oktober 2023.

Bereits vor dem 7. Oktober 2023, als palästinensische Terroristen 1200 Menschen in Israel ermordeten, 251 verschleppten und die Taten verübten, die Israel in dem Bericht vorgeworfen werden, wurde der jüdische Staat regelmäßig der Gewalt gegen Palästinenser und des Völkermords bezichtigt.

Seitdem sich Israel erneut gegen die Hamas wehren und seine Bevölkerung vor ihr schützen muss, wurden entsprechende Vorhaltungen noch öfter erhoben – von Seiten der Hamas, von UNO-Unterorganisationen wie dem UNHRC und der UNRWA sowie von Israelhassern bei Demonstrationen in Europa und Nordamerika. (mit dpa)

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 30.08.2026

Jerusalem

Netanjahu verurteilt Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland

In Kusra belagern radikale Siedler seit drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Einwohner. Erstmals hat sich nun der Ministerpräsident dazu geäußert

 30.08.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026