Technik

Mission im Orbit

Israel hat inzwischen mehrere Satelliten im All und ist an Forschungsprogrammen beteiligt. Foto: Getty Images/ iStockphotos

Eine ganze Reihe von Satelliten, zwei Astronauten, eine Mondlandung, die Unterzeichnung der Artemis-Abkommen und natürlich die Kichererbsen im All: Der jüdische Staat verfolgt mit seinem Weltraumprogramm hochfliegende Ambitionen. Dabei ist Israel die kleinste Nation der Welt mit einheimischen Startkapazitäten und einem nationalen Raumfahrtprogramm, das 1983 mit der Israel Space Agency (ISA) ins Leben gerufen wurde.

Die ISA gehört zum Ministerium für Wissenschaft und Technologie, das alle nationalen Weltraumforschungsprogramme mit wissenschaftlichen und kommerziellen Zielen koordiniert.

Es gibt lediglich sieben Länder weltweit, die sowohl ihre eigenen Satelliten bauen als auch ihre eigenen Trägerraketen starten – und Israel gehört dazu. ISA ist mittlerweile bekannt für ihre erfolgreichen Satellitenprogramme, sowohl für Aufklärungs- als auch für kommerzielle Zwecke. Der erste Satellit Ofeq-1 wurde 1988 von der Palmachim Airbase gestartet. Seitdem sind viele hinzugekommen, darunter die Amos-Serie von Kommunikationssatelliten und Techsat, ein von der Hochschule Technion gestarteter Forschungssatellit.

Ziele Zu den Zielen des israelischen Programms gehören die Festlegung einer nationalen Raumfahrtpolitik und die Entwicklung von Kooperationen mit anderen Agenturen. Nach eigenen Angaben fördert ISA »wissenschaftliche Forschungsaktivitäten und Initiativen zur Erforschung des Weltraums, an denen israelische akademische Institutionen und Industrien beteiligt sind«. In den fast vier Jahrzehnten erreichte Israel durch sein engagiertes Streben im All mehr Meilensteine als die meisten Nationen.

Der Generaldirektor der ISA, Uri Oron, ist stolz. »Heute enthüllt der Weltraum erneut sein enormes Potenzial und seine endlosen Möglichkeiten für Israel und die ganze Welt in den Bereichen Innovation, Technologie und Diplomatie«, sagte er bei der Unterzeichnung des Artemis-Programms im Januar. Damit schloss sich Jerusalem mehr als ein Dutzend Ländern an und bekräftigte sein Bekenntnis zu den Prinzipien, die die Zusammenarbeit zwischen den an der Weltraumforschung des 21. Jahrhunderts beteiligten Nationen leiten sollen.

Israel unterschrieb das Artemis-Programm zur Zusammenarbeit im Weltraum im Januar.

»Ich bin überzeugt, dass dieses Programm die Menschheit nicht nur im Weltraum, sondern auch hier auf der Erde einen Schritt weiter voranbringen wird«, betont Oron. »Die Israel Space Agency wird weiterhin die Zusammenarbeit in Forschung, Wissenschaft, Innovation und Wirtschaft im Rahmen des Artemis-Abkommens zwischen israelischen Organisationen und unseren internationalen Partnern fördern.«

astronauten Wenige Wochen später endete am Abend des 25. April die Mission des zweiten israelischen Astronauten mit einem großen Platsch erfolgreich vor der Küste Floridas. Der Geschäftsmann und einstige Kampfpilot Eytan Stibbe war einer von vier Astronauten, die Anfang April auf der ersten rein privaten Mission zur Raumstation ISS gestartet waren. Der 64-Jährige war ein enger Freund von Israels erstem Astronauten Ilan Ramon, der 2003 getötet wurde, als das Space-Shuttle Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zerbarst und alle sieben Besatzungsmitglieder starben.

Das Team der Mission von 2022 hätte ursprünglich nur acht Tage auf der Raumstation verbringen sollen, schlechtes Wetter jedoch verzögerte wiederholt den Abflug. Insgesamt war die Besatzung 17 Tage im Orbit, davon 15 auf der ISS. Das Raumschiff, das sie zur Erde zurückbrachte, wurde scherzhaft als »gerösteter Marshmallow« bezeichnet, weil sein Hitzeschild Brandspuren aufwies, die entstanden waren, als es in die Atmosphäre eintrat.

Nach seiner Rückkehr in der SpaceX Dragon-Kapsel Endeavour wurde Stibbe von Präsident Isaac Herzog auf Twitter beglückwünscht: »Willkommen zurück auf der Erde, israelischer Astronaut Eytan Stibbe! Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für den Staat Israel und die Weltraummission der Menschheit.« Als Teil der Rakia-Mission führte Stibbe 35 wissenschaftliche Experimente – unter anderem in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Landwirtschaft – durch.

STRAHLUNG Eines davon stand im Auftrag der Tel Aviver Universität, denn die hatte im Januar den Satelliten »TauSat-3« zur ISS geschossen, der eine neue Technologie zur Minimierung der Schäden durch kosmische Strahlung an elektronischen Systemen im All mitbrachte. TauSat-3 enthält die sogenannte COTS-Kapsel, ein Gehäuse, das es ermöglicht, Systeme zu verwenden, während kosmische Strahlung erkannt und die Komponenten vor der Strahlung abgeschirmt werden.

»Die Integration der COTS-Kapsel-Mission in die Rakia-Mission ist eine seltene Gelegenheit, die Bausteine dieser Technologie im Weltraum zu untersuchen«, freuten sich die Professoren Erez Etzion und Ofer Amrani vom Forschungsteam vor Stibbes Abflug.

Weltweit wird die Raumfahrt zusehends privatisiert. Auch in Israel. So brachte im Februar der Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation SpaceIL, Yonatan Winetraub, gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Israel und von der Stanford University ein versiegeltes Miniaturgewächshaus an Bord einer NASA-Frachtfähre zur ISS. Das Gewächshaus war mit 28 Kichererbsen-Samen aus Israel bestückt, anhand derer die Entwicklung von Samen in der Schwerelosigkeit untersucht werden soll.

Die Sonde »Beresheet« sicherte 2019 den Titel »Israels erste Mondlandung«.

SpaceIL war es auch, das vor drei Jahren mit einer Mondlandung Schlagzeilen machte. Zwar endete das Projekt des kleinen Roboters »Beresheet« als Bruchlandung – doch er kam auf unserem Trabanten an und sicherte so den Titel »Israels erste Mondlandung«.

SELFIES Der Bau der Sonde kostete rund 84 Millionen Euro, die vor allem von privaten Spendern stammten. Die Initiatoren wollten mit ihrer Mondmission ganz besonders die Jugend für die Raumfahrt begeistern. Das taten sie vor allem mit der spektakulären Aktion des »Selfies« in luftigen Höhen.

Auf dem Foto ist die israelische Flagge in Blau-Weiß rund 37.600 Kilometer über der Erde zu sehen. Eine an der Außenseite der Mondsonde angebrachte Tafel zeigt daneben die Schriftzüge »Am Israel Chai« und »Kleines Land, große Träume«. Das Bild wurde während einer langsamen Drehung der Sonde aufgenommen. Im Hintergrund ist die Erde zu sehen – perfekter könnte ein Selfie kaum sein.

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