Justiz

Netanjahu bittet um Ermittlungen gegen sich selbst

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: Copyright (c) Flash 90 2024

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara gebeten, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn selbst und seinen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen des Krieges gegen die Hamas in Gaza zu eröffnen. Das berichtete Channel 12 am Mittwochabend.

Zuvor hatte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, das Gericht angerufen, um dringendst internationale Haftbefehle gegen die beiden auszustellen.

Ebenfalls nannte Khan den Chef der Terrororganisation im Gazastreifen, Yahya Sinwar, und Militärchef Mohammed Deif, gegen die er Haftbefehle beantragt habe. Nach der Tötung des politischen Hamas-Anführers Ismail Haniyeh in Teheran wurde er von der Liste genommen. Ob Deif einen Militärangriff der IDF in Gaza überlebt hat oder dabei umgekommen ist, ist noch unklar. Wenn es Beweise gebe, werde man die Liste entsprechend anpassen, so Khan.

Generalstaatsanwältin lehnt ab

Den Hamas-Anführern wirft der Ankläger unter anderem »Ausrottung«, Mord, Geiselnahme, Vergewaltigungen und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Netanjahu und Galant sollen angeblich für das Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung sowie für willkürliche Tötungen und zielgerichtete Angriffe auf Zivilisten verantwortlich sein.

Der Bericht in Channel 12 behauptete, der Ministerpräsident wolle, dass eine Untersuchung darüber eingeleitet wird, wie der Gaza-Krieg geführt wird. Diese solle dann jedoch wieder eingestellt werden. Allerdings habe die Generalstaatsanwältin das Ansinnen des Regierungschefs abgelehnt. Sie begründete es damit, dass es den IStGH nicht zufriedenstellen würde und darüber hinaus eine »dreiste Masche« sei.

»Das Zeitfenster für die Einrichtung einer Kommission vor dem Eingreifen internationaler Organisationen schließt sich.«

Baharav-Miara hatte bereits mehrfach erklärt, dass ausschließlich eine staatliche Untersuchungskommission zu den von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober und dem darauffolgenden Krieg in Gaza ausreichen würde, um eventuelle Haftbefehle abzuwenden. Alles andere könne dem internationalen Ansehen Israels mehr schaden als nützen. In einem Brief habe sie gewarnt, dass sich das »Zeitfenster für die Einrichtung einer Kommission vor dem Eingreifen internationaler Organisationen schließt«.

Lesen Sie auch

Khan hatte bereits im Mai beantragt, Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten und Verteidigungsminister sowie mehrere hochrangige Hamas-Anführer »mit äußerster Dringlichkeit« auszustellen. In dem »Eilantrag« von Montag verwies Khan auf die seiner Meinung nach sich verschlechternde humanitäre Lage in Gaza und anhaltende Beweise für Verbrechen an der Zivilbevölkerung. In diesem Zusammenhang hob er auch die anhaltende Gefangenschaft israelischer Geiseln durch die Hamas und das ihnen zugefügte Leid hervor.

Damals hatte Netanjahu die Entscheidung aus Den Haag als »skandalös« bezeichnet. »Dies wird weder mich noch uns aufhalten«, gegen die Hamas vorzugehen, so Israels Premier.

Juristin: »Haftbefehle sind absurde moralische Gleichstellung«

Juristisch würde ein Haftbefehl des IStGH gegen Netanjahu und andere israelische Bürger bedeuten, dass Staaten, die das sogenannte Römische Statut des IStGH unterzeichnet haben, verpflichtet wären, diese Personen festzunehmen und an den Gerichtshof zu überstellen - sofern diese sich auf das Hoheitsgebiet dieser Staaten begeben. Dazu gehört auch Deutschland. Die USA, Russland, China und auch Israel selbst haben nicht unterzeichnet.  

Die israelisch-amerikanische Juristin Anne Herzberg, die unter anderem internationales Menschenrecht, Gesetze bewaffneter Konflikte, Weltgerichtsbarkeit und die Vereinten Nationen erforscht, nannte die Beantragung der Haftbefehle gegen Israelis eine »absurde moralische Gleichstellung«, hinter der ein politisches Motiv stecken würde.

»Die eine Seite ist eine Terrororganisation, die andere eine demokratisch gewählte Regierung, die versucht, wenn wahrscheinlich auch nicht perfekt, im Rahmen von Kriegsgesetzen zu handeln. Ihrer Meinung nach werde Kahns Ankündigung Terrorgruppen auf der ganzen Welt und dem Regime in Teheran in die Hände spielen.

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  17.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

Herzliya

Studie: Mit diesen Methoden mehr Erfolg auf Dating-Apps

Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung: Es kommt weniger darauf an, was man über sich preisgibt, als wie man es tut

 17.04.2026

Umfrage

Waffenruhen mit Iran und Hisbollah: Israelis pessimistisch

Weniger als 40 Prozent sagen, sie hätten die erfolgten Militäreinsätze unterstützt, wenn ihnen die Entwicklungen im Voraus bekannt gewesen wären

 17.04.2026

Studie aus Israel

KI treibt Arbeitslosigkeit bei Programmierern und Verkäufern nach oben

Bei Programmierern gehen zwischen 12 und 20 Prozent des jüngsten Anstiegs der Erwerbslosigkeit auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück

 17.04.2026

Bildung im Krieg

Israel lockert Abiturprüfungen wegen Kriegslage – Sonderregeln für den Norden

Die Maßnahmen schließen eine »flexiblere Berechnung« von schulischen Leistungen mit ein

 17.04.2026

Nahost

Details zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon veröffentlicht

Ein Sechs-Punkte-Plan soll zunächst zehn Tage lang für Ruhe sorgen. Die Einzelheiten

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Nahost

Trump verkündet zehntätige Waffenruhe im Libanon

Zuvor habe es Gespräche mit Israels Premier Netanjahu und Libanons Präsidenten Aoun gegeben

 16.04.2026 Aktualisiert