Staatsbesuch

Mazze und Scharfschützen

Barack Obama 2008 bei seinem ersten Besuch an der Kotel Foto: Flash 90

Staatsbesuch

Mazze und Scharfschützen

Barack Obama kommt erstmals als US-Präsident nach Israel

von Sabine Brandes  11.03.2013 20:04 Uhr

Kein Platz für Fehler. Es soll nicht nur alles glatt laufen – es muss. Bereits seit Wochen wird die Ankunft des hohen Gastes am 20. März minutiös geplant. Vor Barack Obamas erstem Besuch in Israel als amerikanischer Präsident halten die Israelis den Atem an. Jeder, der auch nur im Geringsten damit zu tun hat, steht praktisch schon jetzt auf seinem Posten: vom Politiker über den Sicherheitsmann bis zum Fahrer und Koch.

Obama wird mit einer riesigen Entourage anreisen. Sämtliche 233 Zimmer im Jerusalemer King David Hotel, wo die Staatsmänner dieser Welt gewöhnlich absteigen, sind für die Amerikaner reserviert. Das Hotel selbst wird für den Besuch zum Hochsicherheitstrakt. Nichts darf die Türschwelle in dieser Zeit überschreiten, auch keine Lieferung. Also musste das Management spezielle Kühlwagen mieten, damit sämtliche Speisen und Getränke bereits auf dem Gelände gelagert werden können, die normalerweise frisch besorgt werden.

Pessach Doch so viele rote Teppiche für den lange überfälligen Besuch ausgelegt werden mögen – auch ein US-Präsident bekommt nicht alles, was er wünscht. Zum Beispiel keine frischen Brötchen. Denn das King David wird bereits vor Obamas Anreise koscher le Pessach gemacht. Das Fest beginnt nur wenige Tage nach seiner Abreise, und es wäre im Anschluss nicht genug Zeit für die Vorbereitungen für die Pessachgäste geblieben. Folglich wird sämtliches Chametz – also auch Pasta, Pizza, Kuchen, Brot und Brötchen – schon vorher aus dem Haus verbannt. Obama wird wohl mit Mazzen vorlieb nehmen müssen.

Außer dem Gesäuerten wird alles für das Wohlbefinden des Gastes getan: Der Empfang am Flughafen könnte nicht hochrangiger sein. Von Premierminister Benjamin Netanjahu über Präsident Schimon Peres, den Armeechef, die Oberrabbiner und Mitglieder des Kabinetts wird die versammelte Politelite Israels an der Landebahn »Schalom« sagen. Nach der Ankunft am von Hunderten Polizisten gesicherten Flughafen werden Obama und sein Team mit zwölf Black-Hawk-Helikoptern in die Hauptstadt geflogen.

Polizeichef Jochanan Danino machte seinen Sicherheitskräften in einer speziellen Sitzung klar, dass die Visite eine »Operation auf nationaler Ebene« sei. Auch der offizielle Titel des Besuches »Unbreakable Alliance« (unzerbrechliche Allianz) erinnert eher an eine durchgeplante Militäraktion. Vor allem die Bewohner Jerusalems seien durch die extremen Sicherheitsmaßnahmen betroffen, so Danino, doch man wolle die Belastungen durch exakte Vorbereitungen so gering wie möglich halten. Schließlich dauere der Besuch gerade einmal 48 Stunden ab der Minute, in der die Air Force One am kommenden Mittwoch am Ben-Gurion-Flughafen ankommt, bis zum Abflug am Freitag darauf.

Programm Das Programm sieht vor, dass Obama am Mittwoch eine Station des Raketenabwehrsystems »Eiserne Kuppel« besucht, einen formalen Empfang des Staatspräsidenten sowie eine Pressekonferenz und ein gemeinsames Dinner mit dem Premierminister abhält. Am Folgetag wird der US-Präsident dem Israel-Museum einen Besuch abstatten und sich die Ausstellung zu den Schriftrollen vom Toten Meer erklären lassen. Im Anschluss reist er nach Ramallah, wo er mit Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde zusammentrifft. Später hält Obama im International Convention Center von Jerusalem eine öffentliche Rede und speist mit Peres zu Abend.

Bevor er am letzten Tag seiner Reise zum Flughafen fährt, wird er Kränze auf den Gräbern von Theodor Herzl und dem ermordeten Premierminister Yitzhak Rabin niederlegen. Außerdem wird der US-Präsident die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen.

Der nationale Sicherheitsberater Jakov Amidror betonte, wie bedeutend es sei, dass der Besuch von Anfang bis Ende glatt laufe. »Es ist wichtig, dass der Präsident und unser Premier produktive Gespräche führen«, so Amidror, »denn das ist die Basis für die Arbeit in den nächsten vier Jahren.« Zudem wolle man Obama und seinen Begleitern die Chance geben, so viel wie möglich von den Schönheiten des Landes zu sehen – obwohl der Besuch zeitlich so begrenzt sei.

Sicherheit Wohin auch immer er reist, der Gast aus den USA ist von Sicherheitsvorkehrungen umzingelt. Sein Fahrzeugkorso besteht aus gepanzerten Limousinen, Motorrädern, mehreren Kranken- und Polizeiwagen. Jede Kreuzung wird gesperrt und mit Scharfschützen abgesichert, bevor Obama sie passiert.

Auch auf diplomatischer Ebene laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nachdem das Büro des Premierministers bereits vor Wochen auf Facebook über ein offizielles Logo hatte abstimmen lassen, wird jetzt eine App für Mobiltelefone herausgegeben, die Journalisten und interessierte Bürger auf Hebräisch, Englisch und Arabisch in Echtzeit auf dem Laufenden hält.

Obama wird die gesamte Zeit abgeschirmt werden. Dennoch verlost die amerikanische Botschaft 20 Plätze für die präsidiale Rede an normale Bürger. Wer den originellsten Eintrag hinterlässt, ist dabei. Hunderte schrieben sich schon in den ersten Stunden die Finger wund. Wer nicht schlagfertig genug ist, kann sich immer noch mit der Jerusalemer Ausstellung »Ice City« trösten. Da lächelt eine lebensgroße Obama-Skulptur den Gästen zwar mit etwas eingefrorenem, aber mindestens genauso charmantem Lächeln entgegen.

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