Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

Zu dritt: Eheliche Treue ist nicht einklagbar. Foto: imago

Verurteilt
Ein seit vielen Jahren als Ehegemeinschaft ohne Trauschein lebendes Paar ist in eine Krise geraten: Die Frau fand heraus, dass ihr Lebensgefährte sich eine jüngere Geliebte zugelegt hatte. Sie verzieh dem Treulosen, doch musste er sich schriftlich verpflichten, auf die Dienste der Nebenfrau unter der Zahlungsandrohung von 300.000 Schekel (rund 60.000 Euro) zu verzichten. Als sich herausstellte, dass der Hormongetriebene wieder persönlichen Nahverkehr mit der besagten Dame pflegte, wandte sich die Gehörnte an einen Schlichter, verlangte die Auszahlung der »Treuekaution« – und bekam sie auch. Die Entscheidung des Schlichters, eines Bezirksrichters a.D., löste in Juristenkreisen indessen auch Widerspruch aus. Eheliche Treue, so die Kritiker, sei nicht einklagbar. Deshalb könne Untreue keinen Entschädigungsanspruch begründen.

verschlampt
Der durch den verlotterten Zustand der Feuerwehr zu einer nationalen Katastrophe ausgeartete Carmel-Waldbrand ist nicht das einzige Beispiel für kurzsichtige Politik. In der vergangenen Woche tat die Regierung angesichts der sich verschärfenden Wasserkrise – trotz jahrelanger Warnungen – nahezu überrascht. Weil Experten ein siebtes Dürrejahr in Folge prognostizieren, fasste das Kabinett Notmaßnahmen ins Auge. Unter anderem sollen ab Januar die bestehenden Meerwasserentsalzungsanlagen rund um die Uhr betrieben werden. Das freilich wird ihre Störanfälligkeit erhöhen und das Wasserangebot nur um anderthalb Prozent steigern. Auch Grundwasser-Notbohrungen bringen nicht viel, richten aber ökologischen Schaden an. Daher werden wieder einmal ein totales Bewässerungsverbot für Gärten und teure Wassereinfuhr erwogen. Bis neue Entsalzungskapazitäten ans Netz gehen, schreibt man bestenfalls das Jahr 2012. Bis dahin aber, warnte Wasserkommissar Uri Schani, drohen die Wasserbestände des Landes irreparablen Schaden zu nehmen.

Verdient
Maßlose Managergehälter werden auch in Israel als ein Ärgernis empfunden. Jetzt hat eine Studie der Zentralbank die Gemüter noch weiter erhitzt. Anders als in früheren Jahren scheffeln die Geschäftsführer heute – so das Ergebnis der Untersuchung – auch dann fürstliche Bezüge, wenn sie die Unternehmen heruntergewirtschaftet haben. Die »Bestrafung« durch niedrigere Bezüge findet damit nicht mehr statt. Ein weiteres Phänomen: Geschäftsführer von an der Börse gehandelten Firmen neigen verstärkt dazu, bei steigendem Aktienkurs abzuspringen. Dann nämlich können sie sich ihrem nächsten Arbeitgeber als erfolgreiche Betriebslenker empfehlen.

Verboten
Bei Einstellungsgesprächen gelten in Israel neue Regeln. Künftig dürfen Personalchefs die Kandidaten nicht mehr nach der Anzahl der Kinder und der Zahl der jährlich geleisteten Wehrdiensttage fragen – beides Faktoren, die eine höhere Abwesenheitsquote vermuten lassen. Auch die Frage nach dem Wohnort ist verpönt, haftet doch manchen Städten ein negatives Image an. Schließlich soll auch die Religionszugehörigkeit geheim bleiben, und zwar nicht nur, um Diskriminierung gegen Nichtjuden, sondern auch um Nachteile für Juden zu vermeiden: Manche Arbeitgeber bevorzugen nichtjüdische Mitarbeiter, die – anders als Juden – problemlos zur Arbeit am Schabbat eingeteilt werden können. Wie sich die religiöse Anonymität wahren lässt, wenn jemand beispielsweise Chaim Cohen oder Abd-el Asis al Masri heißt, ist eine andere Frage.

Verunreinigt
Für Investoren ist ein unerwarteter Fund fossiler Energieträger ein Grund zum Jubel. Weniger erfreut waren zwei Polizisten im nordisraelischen Zefat, als sie in der Kochnische ihres Reviers den Wasserhahn aufdrehten, aus diesem aber und statt H2O eine scharf riechende, gelbliche Substanz floss. Eine anschließende Untersuchung ergab, dass der Fahrer eines Tanklastwagens irrtümlich 2.000 Liter Heizöl nicht in den dafür vorgesehenen Zentralheiztank, sondern ins Wassernetz eingefüllt hatte. In der Folge mussten 2.500 Einwohner von der Wasserversorgung abgeschnitten werden, damit das Öl abgepumpt und die Rohrleitungen gereinigt werden konnten.

Vernommen
Um fünf Uhr morgens sind die Bewohner eines Hauses in Holon aus dem frühmorgendlichen Schlummer gerissen worden. Und zwar durch das überaus laute Lustgestöhn eines Pärchens, das schon zu dieser frühen Stunde die Erfüllung eines biblischen Gebotes einübte. Den herbeigerufenen Polizisten trat die Dame des Hauses nur mit einem Kissen bedeckt gegenüber, zeigte sich aber durchaus kampflustig. Der Ordnungshüterin, die mit ihren männlichen Kollegen am Tatort erschien, stellte die lustbetonte Gespielin verächtlich die Frage, ob sie denn beim Koitus nicht genauso laut sei. Und da sich das Paar auch nicht ausweisen wollte, endete das Liebespiel mit einer Vernehmung auf dem Polizeirevier. Danach wurden die lautstarken Liebhaber wieder freigelassen. Wie sie den Rest des Tages verbrachten, ist nicht überliefert.

Vergolten
Dem 22-jährigen Mitarbeiter eines Restaurants war der Kunde, der eine telefonische Bestellung aufgab, bekannt vorgekommen: Es war sein ehemaliger Vorgesetzter in der Armee, der ihn seinerzeit wegen Disziplinarvergehen ins Militärgefängnis gesteckt hatte. Jetzt sann der Ex-Soldat auf Vergeltung, notierte sich die Kreditkartenangaben des Offiziers und tätigte damit eine Reihe von großzügigen Einkäufen, die er sich vom eigenen Gehalt nicht hätte leisten können. Es kam wie es kommen musste: Das Opfer meldete den Missbrauch; der Übeltäter wurde verhaftet. Jetzt hofft er auf die Barmherzigkeit des Gerichts.

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026

Diplomatie

CIA warnt Putin vor Angriffen auf Nato und drängt auf neue Iran-Politik

Geheimtreffen in Moskau: CIA-Chef Ratcliffe mahnt Russland wegen eines möglichen Angriffs auf die NATO und fordert im Iran-Krieg die Öffnung der Straße von Hormus

von Sabine Brandes  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Israel

Netanjahu-Rivale Eisenkot lehnt Zweistaatenlösung ab

Der ehemalige Armeechef hat sich erstmals zu einem möglichen Palästinenserstaat geäußert. Zugleich warnt er vor dem Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland und vor steigender Siedlergewalt

 27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung unter Strafe zu stellen

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026