Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

Duschzeit: Vier Minuten sollen reichen. Foto: Flash 90

Suff
Israelis trinken immer mehr. Wie aus einer internationalen Vergleichsstudie hervorgeht, hat der Alkoholverbrauch in Israel im vergangenen Jahr um 16 Prozent zugenommen und ist auf 2,9 Liter reinen Alkohols geklettert. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Israel mit diesem Niveau noch immer weit unter dem internationalen Durchschnitt von 6,1 Liter liegt und nicht mehr als 18 Prozent des in »führenden« Nationen üblichen Konsums erreicht. Der steigende Durst stellt eine ernste gesundheitliche Gefahr dar. Wenn es dennoch gute Nachrichten gibt, dann eher diejenige, dass die Zahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss abgenommen hat. Wie es scheint, begreifen Autofahrer nach und nach, dass man nach einigen Bierchen das Auto lieber stehen lässt.

Sparen
Die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth Middle East hat die Israelis aufgefordert, angesichts der Wasserknappheit schneller zu duschen. Nach Auffassung der Organisation reichen vier Minuten völlig aus, um den Körper von Schweiß und Schmutz zu befreien. Natürlich ist Baden in einer überlaufenden Badewanne erst recht verpönt. Nun haben die Umweltschützer in hygienischer Hinsicht zweifelsohne Recht, doch nehmen sie den Israelis eine der wenigen garantierten Freuden ihres Lebens: nach dem stressvollen Arbeitstag, dem anschließenden Verkehrsstau und den nicht minder nervtötenden Abendnachrichten im Fernsehen richtig lange in der Duschkabine zu stehen und sorglos zu träumen, man entspanne sich gerade in einem Ferienhotel.

Samen
Bei der künstlichen Befruchtung muss der Mann Samen im Labor abgeben. Für orthodoxe Juden ist das ein Problem, weil dieser Vorgang als eine verbotene Vergeudung des Samens gilt. Jetzt haben Experten für halachakonforme Medizin eine Lösung gefunden. Der Samen wird vom Ehemann beim normalen ehelichen Beisammensein in ein Präservativ ohne Spermizide abgesondert. Das Verbot der Vergeudung wird umgangen, indem die Hülle ein kleines Loch aufweist, durch das ein Teil des Erbgutes ins Körperinnere der Gemahlin gelangt, während der Rest für die außerhalb des Körpers vorzunehmende Befruchtung der Eizelle verwendet wird. Um sicherzustellen, dass alles seine halachische Richtigkeit hat, ist die Prozedur für das jeweilige Paar von einem Rabbiner zu genehmigen.

Stempel
Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust. Jahr für Jahr wagen viele israelische Enthusiasten der beingetriebenen Fortbewegung den Versuch, den »Trans-Israel-Wanderpfad« von Eilat bis in den äußersten Landesnorden beziehungsweise – je nach Jahreszeit – in um-gekehrter Richtung hinter sich zu bringen. Da der Pfad nicht schnurgerade verläuft, beträgt seine Gesamtlänge 940 Kilometer. Jetzt schafft die Naturschutzgesellschaft einen neuen Anreiz, das Abenteuer zu wagen: Die Wanderer erhalten einen Pass, in den jede der 22 entlang des Weges gelegenen Stationen einen Vermerk stempelt. Der Pass, den man sich nach Abstempeln stolz an die Wand hängen kann, ist für fünf Schekel zu kaufen. Das ist auf jeden Fall billiger als ein Paar neue Wanderschuhe.

Spende
Im Jahre 1857 ließ der britisch-jüdische Philanthrop Moses Montefiore in Mischkenot Schaananim, dem von ihm initiierten ersten Jerusalemer Wohnviertel außerhalb der Altstadtmauern, eine Windmühle bauen. Diese sollte Jerusalemer Bürgern die Beschaffung von Mehl erleichtern und obendrein Arbeitsplätze schaffen. Allerdings währte die Freude nicht lange. Nach nur drei Jahren musste die Mühle wegen wiederholter technischer Probleme stillgelegt werden. Jetzt jedoch soll sie als Teil eines Freilichtmuseums wieder in Betrieb genommen werden. Das Problem: Von den für die Instandsetzung der Mühle erforderlichen drei Millionen Schekel (600.000 Euro) fehlen noch zwei Millionen. So hoffen die Initiatoren auf Spenden. Merke: Ohne Philanthropen stehen in Jerusalem Windmühlen still – ob im 19. oder im 21. Jahrhundert.

Schock
Ein Einbrecher in Eilat führte ein wahrhaft geregeltes Leben. Nahezu jeden Tag begab er sich zu einem der zahlreichen Hotels der Rotmeerstadt, drang über den Balkon in Hotelzimmer ein und ließ Geld, Schmuck, Kameras oder andere Wertgegenstände mitgehen. Vor Kurzem erwies sich diese Methode jedoch als tückisch. Nachdem der Langfinger das Fenster von außen geöffnet hatte, erlebte er eine böse Überraschung: In dem betreffenden Zimmer schliefen mehrere Hotelgäste, und zwar Polizisten aus Tel Aviv, deren Einheit in Eilat einen Betriebsausflug machte. Als der Dieb seinen Irrtum bemerkte und zu flüchten versuchte, war es zu spät: Nach kurzer Verfolgungsjagd nahmen ihn die reaktionsschnellen Urlauber fest und überstellten ihn an die Eilater Kollegen.

Kommentar

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