Jerusalem

Liebermans Politpoker

Avigdor Lieberman, Vorsitzender von Israel Beiteinu Foto: Flash 90

Wer genau hinsah, konnte den Ansatz eines Lächelns entdecken. Vielleicht war es aber auch nur eine Täuschung. Avigdor Lieberman macht stoische Miene zum politischen Spiel. Vor laufenden Kameras setzte er den Vorsitzenden der großen Parteien ein Ultimatum und bestätigte damit, wofür er bereits seit Monaten bekannt ist: Der Vorsitzende von Israel Beiteinu mit seinen acht Sitzen in der Knesset ist der wahre Königmacher in Israels Politik.

Fast zwei Monate nach den Wahlen ist das Land von einer regierungsfähigen Koalition immer noch weit entfernt. Premier Benjamin Netanjahu vom Likud will seinen rechts-religiösen Block nicht aufgeben, der Vorsitzende von Blau-Weiß, Benny Gantz, sagt Nein zu einer Regierung, in der Netanjahu als Erster die Geschicke leitet. Gleichsam betonen beide, eine Einheitsregierung bilden zu wollen, ohne jedoch auch nur ein Stück weit aufeinander zuzugehen.

Fast zwei Monate nach den Wahlen ist das Land von einer regierungsfähigen Koalition immer noch weit entfernt.

interview Lieberman will diese Weigerung nicht länger hinnehmen, erläuterte er im Interview in Kanal 12. Noch in dieser Woche wolle er sich mit beiden Vorsitzenden treffen. »Gantz soll den Vorschlag des Präsidenten für eine Rotation des Premierssessels akzeptieren, und Netanjahu muss seinen Rechtsblock aufgeben. Derjenige, der keine Entscheidung trifft, wird den Preis bezahlen.«

Mit »Preis« meint der einstige Verteidigungsminister seine Unterstützung, die dann dem Widersacher zufällt. Im Falle von Netanjahu bedeutet das, dass Lieberman in einer Minderheitenregierung von Blau-Weiß sitzen würde, die die arabischen Parteien von außen unterstützen. Weigert sich Gantz, wolle Lieberman mit dem Likud plus religiösen und den kleineren rechten Parteien koalieren.

Während die Politiker sich nach dem Interview sofort zusammentaten, um die nächsten Schritte zu beraten, bezweifeln Politikexperten im Land, dass den Worten Liebermans auch Taten folgen werden.

Eigentlich steckt auch Lieberman in der Zwickmühle.

zwickmühle Denn eigentlich steckt auch er in der Zwickmühle: Bereits im April hatte er sich geweigert, mit den Ultraorthodoxen, die zu Netanjahus Block gehören, in einer Regierung zu sitzen. »Durch sie wird der Staat ausverkauft«, wetterte er damals gegen deren großen Einfluss. Bis heute hat er seine Einstellung nicht revidiert. Ebenso glauben viele nicht, dass der Hardliner mit arabischen Parteien verhandeln oder sogar nur mit ihnen assoziiert werden will.

Währenddessen wird immer deutlicher, dass eine Koalition dringend benötigt wird. Nach sieben Monaten ohne Regierung werden die Missstände im Land immer deutlicher. Denn die großen Probleme im Gesundheitssystem, der Wirtschaft und auch drängende Sicherheitsanliegen an den Grenzen lösen sich nicht von allein.

Jerusalem

Netanjahu weist Verantwortung für Versagen am 7. Oktober zurück

Der Ministerpräsident bestreitet in einer Stellungnahme jede Verantwortung. Stattdessen verweist er auf Bewertungen der Sicherheitsbehörden und auf strategische Weichenstellungen früherer Jahre

 06.02.2026

7. Oktober

Die letzte Geisel

Mit der Operation »Tapferes Herz« wurde der Leichnam von Ran Gvili in Gaza geborgen und nach Hause gebracht. Das sind die Details

von Sabine Brandes  05.02.2026

Nahost

Natürliches Bündnis?

Nach der Offensive der syrischen Armee in Rojava nähern sich die Kurden Israel an. Eine Expertin erklärt die Hintergründe

von Sabine Brandes  05.02.2026

Jerusalem

Sitzung des Sicherheitskabinetts kurzfristig angekündigt

Um 16 Uhr Ortszeit kommt das Gremium zusammen. Worum geht es?

 05.02.2026

Jerusalem

Israeli wegen Spionage für Iran zu drei Jahren Haft verurteilt

Elimelech Stern aus Beit Schemesch wurde wegen Kontakts mit einem ausländischen Agenten und Verschwörung schuldig gesprochen

 05.02.2026

Israel

Reservisten wegen Schmuggels in den Gazastreifen angeklagt

Unter den Beschuldigten ist auch der Bruder des Shin-Bet-Chefs. Er soll im Zentrum der Verbrecherbande stehen

 05.02.2026

Tel Aviv

Die arabische Stimme der israelischen Streitkräfte

Major Ella Waweya übernimmt die Funktion der IDF-Sprecherin für arabische Medien. Schon zuvor war sie keine Unbekannte

von Imanuel Marcus  05.02.2026

Gewalt

Dreifacher Mord im Norden: Herzog spricht von nationalem Notstand

Der Vorfall ist Teil einer alarmierenden Gewaltwelle in arabischen Gemeinden Israels. Der Präsident sieht einen sieht einen »nationalen Notstand«

 05.02.2026

Luftfahrt

Bau eines neuen Flughafens in der Negev-Wüste soll beschlossen werden

Zu den Zielen gehört eine wirtschaftliche Stärkung der Region und eine erforderliche Entlastung des Ben-Gurion-Flughafens zwischen Tel Aviv und Lod

 05.02.2026