Pandemie

Lichterfest im Schatten der Mutante

Getrübte Freude: zu Chanukka auf der Corona-Station im Shaare-Zedek-Krankenhaus Foto: Flash90

Die Israelis hatten sich so sehr auf Chanukka gefreut. Viele wollten endlich wieder eine Party feiern oder das Lichterzünden im großen Kreis veranstalten. Andere hatten vor, für einen Kurztrip ins Ausland zu fliegen. Stattdessen findet das jüdische Lichterfest im Schatten der Corona-Variante Omikron statt. Als erstes Land der Welt hat Israel als Reaktion die Grenzen für alle Ausländer geschlossen.

Diese strikte Regel gilt seit vergangenen Sonntagabend bis vorerst einschließlich 13. Dezember. Ausländische Gäste, die Israel während der Tage von Chanukka besuchen wollten, müssen demnach zu Hause bleiben. Nur in bestimmten Einzelfällen erlaubt das sogenannte Ausnahmekomitee der Regierung eine Einreise ins Heilige Land von Personen ohne israelischen Pass.

FEIERN Innerhalb Israels könnten die Chanukka-Feiern zwar wie geplant stattfinden, gab das Corona-Kabinett bekannt. Doch die »Politik des grünen Gesundheitspasses wird strikt umgesetzt«, hieß es. Derzeit dürfen in Innenräumen nur dann mehr als 50 Personen zusammenkommen, wenn alle über ein aktuelles Impfzertifikat verfügen.

Viele sagen ihre Feiern jedoch ohnehin aus Angst ab. Wie Amir Rosen, der gemeinsam mit einigen Freunden eine Party geplant hatte. »Wir wollten 100 bis 150 Leute einladen. Die Sufganiot waren schon bestellt. Aber dann kamen die Nachrichten über Omikron, und wir wurden nervös. Die Warnungen über die extreme Ansteckungsgefahr hören sich nicht gut an.«

Bis Mittwochvormittag waren vier Fälle der Variante bestätigt, darunter zwei Ärzte des Sheba-Krankenhauses. Einer der beiden Kardiologen sei von einer medizinischen Konferenz in London zurückgekehrt und habe nach seiner Rückkehr seinen Kollegen angesteckt, teilte ein Sprecher der Klinik am Dienstag mit. Beide seien dreimal geimpft gewesen. Es gibt weitere Verdachtsfälle.

impfung Die Omikron-Variante des Coronavirus (B.1.1.529) war zuerst in Südafrika nachgewiesen worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sie als »besorgniserregend« ein. Es gibt Befürchtungen, dass sie wesentlich ansteckender als Delta sein und eventuell den Schutz der Impfung umgehen könnte.

Unterdessen treten in immer mehr Ländern Fälle auf, darunter auch in Deutschland und den Niederlanden. Viele Regierungen beschlossen deshalb, Menschen aus Ländern im Süden Afrikas vorübergehend nicht mehr einreisen zu lassen.

Die Leiterin der Abteilung für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Sharon Alroy-Preis, warnte, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung bei dieser Variante sehr hoch sei. Sie erklärte jedoch auch, dass Personen, die mit Omikron infiziert, aber geimpft seien, bislang lediglich leichte Krankheitsverläufe zeigten. In jedem Fall müsse die Entwicklung weiterverfolgt werden.

Ankommenden aus dem Ausland ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel untersagt.

Israelis, die aus dem Ausland zurückkehren, wird derweil eine Quarantäne für drei Tage auferlegt, sofern sie geimpft sind. Erst nach einem zweiten negativen PCR-Test dürfen sie das Haus verlassen. Ungeimpfte müssen sich für sieben Tage isolieren, auch sie benötigen den zweiten negativen PCR-Test, um die Quarantäne zu beenden. Wenn Reisende aus afrikanischen Ländern zurückkehren, die auf der »Roten Liste« des Gesundheitsministeriums in Jerusalem stehen, müssen sie die Quarantäne in sogenannten Corona-Hotels verbringen.

massnahmen Allen Ankommenden aus dem Ausland ist zudem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel untersagt. Sie dürfen weder Busse noch Züge in Anspruch nehmen und müssen in einem privaten Pkw oder im Taxi an ihren Zielort fahren. Sämtliche Maßnahmen wurden am Samstagabend bei der Kabinettssitzung besprochen und könnten verlängert werden, heißt es vonseiten der Regierung. »Wir müssen jetzt unsere Grenzen enger ziehen«, resümierte Premierminister Naftali Bennett, »um Israel in der Zukunft offenhalten zu können.«

Die Restriktionen für die Grenzen seien keine leichtfertige Entscheidung. »Viele müssen dadurch ihre Reisepläne ändern. Das geschieht auch in meiner Familie.« Der Schritt sei nur vorübergehend, aber notwendig, unterstrich Bennett. Man reagiere lieber zu strikt und könne dann bei Entwarnung schnell wieder öffnen – anstatt umgekehrt.

Eine weitere umstrittene Entscheidung wurde vom Kabinett getroffen: Die Sicherheitsbehörde (ISA) darf jetzt Ankommende wieder anhand ihrer Mobiltelefone überwachen. Die Regierung beteuert, dies werde ausschließlich im Fall einer bestätigten Infizierung mit der Omikron-Variante geschehen, um die Kontaktkette zu identifizieren. Die Telefonüberwachung war zu Beginn der Pandemie eingeführt worden und hatte zu erheblicher Kritik von Datenschützern geführt. Sie war daraufhin nach kurzer Zeit eingestellt worden.

TOURISMUS Die Schließung der Grenzen hat erhebliche Auswirkungen für die Tourismusindustrie. Israel hatte erst am 1. November ausländischen Besuchern nach einer Abriegelung des Landes für mehr als eineinhalb Jahre die Einreise wieder erlaubt. Ausländische Gäste, die bereits im Land sind, können ihre Reise bis zum Ende durchführen, teilte die Regierung mit.

Neue Besucher aus aller Welt wird es jedoch vorerst nicht geben. Die Öffnung des Heiligen Landes für Pilger während der Weihnachtssaison, auf die viele Beschäftigte in der Tourismusbranche inständig gehofft hatten, ist damit fraglich.

Tourguide Joshua Libenson ist angesichts der Grenzschließung schockiert. »Alles hatte doch gerade erst angefangen. Ein Anfang, von dem wir gehofft hatten, dass er die Rückkehr der Touristen in unser Land bedeutet. Diese neue Maßnahme ist ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Branche.«

Susanne Glass und Jenny Havemann

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