Akko

Künstler, Küste, Kreuzritter

Akko rüstet sich. Doch die Bewohner müssen sich nicht mehr gegen Napoleon zur Wehr setzen oder sich mit Horden von Mamelukken schlagen, vielmehr bereiten sie sich auf Massen von Touristen aus dem In- und Ausland vor. Das malerische Küstenstädtchen im Norden Israels hat sich in den vergangenen Jahren beinahe einer Generalüberholung unterzogen und lockt heute mit moderner Technologie in antiken Sehenswürdigkeiten, stylischen Märkten und sogar einer eigenen Fährlinie.

Im Jahr 2001 erklärte die UNESCO die Altstadt von Akko zum Weltkulturerbe. Seitdem ist viel geschehen. Die imposanten unterirdischen Ausgrabungen von Kreuzritterbauten aus dem Mittelalter sind perfekt erhalten und weltweit einzigartig. Der Ritterorden der Templer übernahm während der Kreuzzüge die Aufgabe, europäische Pilger im Heiligen Land zu schützen. Ihre wichtigste Burg befand sich in Akko. Heute erinnert der Tunnel, in Naturstein gehauen, an ihre Glanzzeit. Später tummelten sich muslimische und osmanische Eroberer in der Stadt. Sie alle hinterließen ihre steinernen Spuren.

Tourist »Ich war vor über 25 Jahren schon einmal in Akko und erinnere mich daran, dass es kaum Ausschilderung gab. Also habe ich mich mächtig verlaufen«, erzählt Steven Schechter, Tourist aus Los Angeles, und lacht. »Verstanden habe ich auch nicht viel, denn außer einem vergilbten Blättchen mit ein paar kryptischen Zeilen gab es nichts.« Jetzt spaziert er mit Audiogerät durch die modernisierten Anlagen der Kreuzritter und kommt aus dem Staunen kaum mehr heraus.

In den unterirdischen Sälen des Hospitaliterordens, der die Kranken pflegte, wird Historisches wiederbelebt. 1191 verlegte der Orden seinen Sitz von Jerusalem nach Akko, wo er genau 100 Jahre verblieb. Heute gibt es in den Sälen multimediale Vorführungen, nachgebaute Utensilien aus dem Alltag der Ritter und Burgfräulein sowie detaillierte Erklärungen direkt ins Ohr. »Es ist ein Weltklasse-Museum geworden, das eine Menge Spaß macht«, findet Schechter, als er mit seiner Familie durch die Künstlerstraße schlendert. In den kleinen Galerien im ehemaligen Refektorium der Kreuzritter wird heute allerlei Kunsthandwerk angeboten, von Seifen, Kräutern und Ölen der Region über Bilder und Skulpturen lokaler Künstler bis zu Holzschwertern und Schilden für Kinder, die der Schwertmacher den Nachwuchsrittern direkt vor seiner Hütte anpasst.

Wieder überirdisch angekommen, lädt das türkische Badehaus zu einem Besuch ein. Die Sound- und Lichtshow in verschiedenen Sprachen erläutert die Bedeutung des historischen Gebäudes. Im Hamam Al Bascha mit seinen hervorragend erhaltenen Keramikfliesen, Marmorböden und ventilierten Decken erfahren die Besucher alles über die Funktionen eines Bade- und Dampfhauses für die Gemeinde der Stadt im 18. Jahrhundert.

Markt Einige Ecken weiter bummeln die Besucher über den neu gestalteten türkischen Basar, der alten Charme mit modernem Chic verbindet. Der Originalbau hatte fast vier Jahrhunderte überstanden, komplett restauriert wurde er vor fünf Jahren. Mit der Überholung allerdings stiegen auch die Preise für die Marktbuden, sodass viele noch immer leer stehen. Wafa Susa, die gemeinsam mit ihrem Mann einen Souvenirshop betreibt, findet den neuen Markt bezaubernd, doch sie beklagt, dass die Mieten jetzt dreimal so hoch sind wie vor der Renovierung. »Wir haben uns bei der Stadt beschwert, und sie haben versprochen, etwas zu unternehmen.« Susa hofft, dass bald hinter allen Türen Geschäfte entstehen.

Die Verwaltung ist erpicht darauf, mehr Touristen in ihre Stadt zu locken. Vor allem sollen die Reiseveranstalter mit ihren Gruppen länger als nur ein, zwei Stunden in Akko haltmachen, damit die Touristen Zeit haben, auf den Märkten einzukaufen und in den Restaurants einzukehren. Für die Ankurbelung des Tourismus in Galiläa ist vor einigen Monaten eine Fähre eingerichtet worden, die mehrmals täglich 45 Minuten entlang der Küste von Akko bis nach Haifa schippert.

Bier Im Basar haben mehrere moderne Restaurants ihre Pforten eröffnet, etwa das Mercato oder die Snack-Bar Kukushka, die Falafel aus Krebsfleisch und würzige Kartoffel-Wedges auf der Karte hat. Auf einem Schild an der Wand wird einheimisches Bier angepriesen, eine kleine Bäckerei nebenan bietet Süßes zum Nachtisch.

Schiri Sela aus Modiin ist mit ihrer Familie zum Wochenendausflug in Galiläa und nutzt den Rückreisetag für einen Abstecher in die Stadt. »Eigentlich wollten wir nur Hummus essen, denn ich habe Akko als schmuddelige Kleinstadt in Erinnerung, in der man sich nicht lange aufhielt.« Das aber sei überhaupt nicht mehr so. »Hätte ich gewusst, wie sehr sich hier alles gemausert hat, wie hübsch es geworden ist, wären wir viel länger geblieben.«

Gaza

Israel nach Angriff auf Top-Terroristen: »Wir werden sie alle früher oder später fassen«

Kürzlich tötete Israel den Militärchef der Hamas, Iss al-Din al-Haddad. Nun hat die Armee laut Ministerpräsident Netanjahu auch dessen Nachfolger ins Visier genommen

 26.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Jerusalem

Medienreform oder Angriff auf die Pressefreiheit?

Israels Kommunikationsminister Shlomo Karhi verspricht mehr Wettbewerb. Kritiker warnen jedoch vor politischer Einflussnahme und der Schwächung unabhängiger Sender

von Sabine Brandes  26.05.2026

Den Haag

Smotrich bestätigt Haftbefehl des ICC

Israels Finanzminister spricht offen über einen vermeintlichen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Der Fall könnte weitere Spitzenpolitiker betreffen

von Sabine Brandes  26.05.2026

Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Israels Schin-Bet-Chef reist heimlich in die Emirate – und spricht mit dem Mann, der als möglicher Schlüssel für Gazas Zukunft gilt

von Sabine Brandes  26.05.2026

Tel Aviv

Maxim Herkin veröffentlicht Tagebuch aus der Geiselhaft in Gaza

»Ich hoffe, dass diese Seiten Menschen berühren, ihnen etwas Echtes vermitteln und sie noch lange nach dem letzten Kapitel begleiten«, sagt die frühere Hamas-Geisel

 26.05.2026

Jerusalem

Lapid attackiert möglichen US-Iran-Deal

Lapid bezeichnet die geplante amerikanisch-iranische Vereinbarung als »Katastrophe«. Dass Israel nicht an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt gewesen ist, sei »absurd«, so der Oppositionspolitiker

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu kündigt härtere Gangart gegen Hisbollah an

Der Ministerpräsident sagt, er habe das Militär angewiesen, den Druck deutlich zu erhöhen. Zuvor hatten die Terroristen Drohnenangriffe gegen Israel gestartet

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu im Krankenhaus

Nach Angaben seines Büros handelte es sich um einen geplanten zahnärztlichen Eingriff

 26.05.2026