Geld

Kopflose Sefarden

50 Schekel: Saul Tschernichowski Foto: Flash 90

Ende des Jahres kommt eine Innovation in Israels Portemonnaies. Dann werden die ersten neuen Geldscheine in Umlauf gebracht. Die Noten für 20, 50, 100 und 200 Schekel sollen zukünftig berühmte israelische Poeten zieren. Doch schon bevor die Papiere die Druckerpressen verlassen haben, sind sie umstritten. Denn alle Dichter sind aschkenasischen Ursprungs.

Die vier von einem Komitee unter der Leitung des ehemaligen Richters Jacob Turkel ausgewählten Poeten sind: Rachel Bluwstein, Leah Goldberg, Nathan Alterman und Saul Tschernichowski. Die Absegnung durch das Kabinett am Sonntag brachte sefardische Juden aller Couleur auf die Palme. Harsche Kritik hagelte es vor allem von der Schas-Partei. Deren ehemaliger Minister Arieh Deri erklärte, dass die Geldscheine ein Symptom für das Verhalten der Regierung gegenüber Sefarden seien. »Wir sind ausgeschlossen vom Obersten Gerichtshof, von den Akademien, dem Israel-Preis, der Regierung – und nun sogar von den Geldscheinen.«

Obsession Turkel wies die Kritik zurück: »Ich schmälere den Wert von niemandem. Einige unserer größten Köpfe stammen schließlich aus Sfarad. Aber diese Obsession ist lächerlich. Ich selbst etwa kann gar nicht mehr sagen, woher ich stamme. Meine Vorfahren wurden von Spanien in die Türkei vertrieben und flohen anschließend nach Polen. Für mich hat das keine Bedeutung.«

Um den Streit zu schlichten, schlug Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, dass auf den Banknoten, die dieser Serie folgen, Jehuda Halevi zu sehen sein soll. Ob das den Zorn der Sefarden besänftigt, ist allerdings fraglich. Denn die »aschkenasischen« Banknoten sollen mindestens zehn Jahre lang im Umlauf bleiben.

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026