Kurzmeldungen

Kompakt

Schick: Miri Regev in Cannes Foto: dpa

Kurzmeldungen

Kompakt

Streik, Wasser, Spionin

von Sabine Brandes  21.05.2017 20:42 Uhr

Richterin
In Israel ist die erste Richterin in das muslimische Scharia-Gericht aufgenommen worden. Hana Khatib wurde in der vergangenen Woche gemeinsam mit vier männlichen neuen Kadis eingeschworen. Kadis sind Richter an religiösen Gerichten. Anwesend bei der Zeremonie waren auch Präsident Reuven Rivlin und Justizministerin Ayelet Shaked. Familienangelegenheiten wie Heirat und Scheidung dürfen in Israel von den religiösen Gerichten der verschiedenen Religionsgemeinschaften beurteilt und besiegelt werden. »Das Scharia-Gericht genießt das Vertrauen der muslimischen Gemeinde in Israel«, merkte der Präsident an. »Diese Gemeinde schaut voller Hoffnung und Zuversicht darauf, dass sie bedächtig und wohlwollend beurteilt wird.«

Streik
Mehr als 60 hungerstreikende palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen sind ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ihr gesundheitlicher Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen zusehends verschlechtert. Fast 600 Gefangene werden derweil innerhalb des Gefängnisses medizinisch betreut. Die Verwaltung gab derweil an, sie gehe davon aus, dass der Streik, an dem sich rund 800 Menschen seit mehr als einem Monat beteiligen, bald ein Ende finden wird und dass den Forderungen der Häftlinge, unter anderem nach mehr Familienbesuchen, zumindest teilweise stattgegeben wird.

Kleid

Dieses Kleid hatte eine klare Botschaft: Jerusalem ist und bleibt unser. Israels Kulturministerin Miri Regev (Likud) trat bei den Filmfestspielen im französischen Cannes mit einem Abendkleid auf, das an Symbolkraft kaum zu überbieten war. Auf dem Rocksaum war überdimensional die Altstadt von Jerusalem abgebildet, samt dem höchsten Heiligtum des Judentums, der Kotel, und dem muslimischen Felsendom. Während viele rechtsgerichtete Israelis die Ministerin für ihre Kleiderwahl lobten, gefiel das kontroverse Outfit nicht allen. In den sozialen Netzwerken im Internet kursierten schnell Fotomontagen von Regevs Kleid mit anderen Szenen: einem Terroranschlag, dem Gazakrieg, aber auch dem legendären Foto der drei Fallschirmspringer an der Klagemauer nach der Eroberung der Altstadt vor 50 Jahren.

Wasser
Das Umweltministerium hat erklärt, dass es eine Untersuchung wegen des jüngsten Wasserskandals einleiten will. Die Leiter der Abwasserbehörde der Scharon-Ebene sollen illegal ungefiltertes Abwasser in den Jarkonfluss pumpten und müssen sich dafür vielleicht bald vor Gericht verantworten. Das Ministerium gab an, es habe bereits mehrfach Verwarnungen ausgesprochen, doch die Verschmutzung sei nicht gestoppt worden. Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai hat sich an Minister Zeev Elkin gewandt und ihn gebeten, einzuschreiten. »Wir müssen dabei zusehen, wie alle Mühen, den Jarkon zu reinigen, umsonst waren«, schrieb Huldai. Neben der polizeilichen Untersuchung wird die Behörde mit 6000 Schekel (umgerechnet etwa 1500 Euro) Strafe belegt – für jeden Tag, an dem die Kloake weiter in das Flusswasser fließt.

Spionin
Folter und schwerste körperliche Arbeit hat sie überlebt. Am Sonntag ist Schulamit Cohen-Kishik im Alter von 100 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Viele Jahre zuvor war sie eine Spionin für den israelischen Geheimdienst im Libanon gewesen. 15 Jahre lebte sie im Zedernstaat und lieferte brisante Informationen an ihren Heimatstaat. Genannt »die Perle«, half sie vor allem dabei, verfolgte Juden aus arabischen Ländern in die Sicherheit Israels zu bringen. 1961 wurde sie schließlich festgenommen und wegen Spionage im Libanon angeklagt. Sie musste schreckliche Folter über sich ergehen lassen. Sechs Jahre darauf wurde Cohen-Kishik in einem geheimen Gefangenenaustausch zwischen den beiden Ländern nach Israel geschickt. Sie lebte bis zu ihrem Tod mit ihrer Familie in Jerusalem.

Hilfe
Die Gruppe »Just Beyond Our Border« (direkt hinter unserer Grenze) hat sich bereits einen Namen bei der Hilfe für das vom Bürgerkrieg geschüttelte Nachbarland gemacht. Jetzt liefern die Aktivisten wieder Paletten voller Medikamente und medizinischer Ausrüstung für Kinder in Syrien über die Grenze. Darunter sind Hunderte Inhaliergeräte für Jungs und Mädchen, die unter Asthma leiden. »Unserer Fokus liegt auf den Kindern«, betont Schivi Froman, einer der Gründer. »Diese Lieferungen machen uns glücklich, denn wir wissen, dass sie dort ankommen, wo sie wirklich benötigt werden.«

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026