Reaktion

Kampf gegen den Terror: Israelische Bodentruppen kämpfen im Gazastreifen

Israelische Panzer im Gazastreifen Foto: אריק מרמור/פלאש90

Nach drei Wochen heftiger Luftangriffe stoßen seit dem Wochenende auch immer mehr israelische Bodentruppen mit Kampfpanzern gegen die im Gazastreifen herrschende Terrororganisation Hamas vor.

Israels erklärtes Ziel ist Zerschlagung der in dem Küstenstreifen herrschenden islamistischen Organisation. Mit den Angriffen versucht Israel, weitere Angriffe aus Gaza zu unterbinden und seine Bürger zu schützen.

Hamas-Terroristen hatten am 7. Oktober das schlimmste Massaker unter israelischen Zivilisten seit der Staatsgründung Israels 1948 angerichtet. Über 1400 Israelis wurden ermordet. Mehr als 130 Israelis wurden in den Gazastreifen verschleppt. Ihr Schicksal ist ungewiss.

»Wir treten in die nächste Phase unseres Krieges gegen die Hamas in Gaza ein. Aus der Luft, zu Lande und zur See«, sagte Israels Armeesprecher Daniel Hagari in einem vom Militär in der Nacht zum Sonntag auf der Plattform X veröffentlichten Video. Dazu wurden nächtliche Luftaufnahmen israelischer Kampfpanzer veröffentlicht, die bereits in bebautem Gebiet aus kurzer Distanz feuerten. Zwei israelische Soldaten wurden bei den Kämpfen im nördlichen Gazastreifen verwundet.

Als Israel nach dem Hamas-Überfall am 7. Oktober die Mobilisierung von 300.000 Reservisten ankündigte, war von vielen eine großangelegte Bodenoffensive erwartet worden. Tatsächlich aber scheint Israel einen solchen Frontalangriff vermeiden zu wollen, der die Terrororganisation Hisbollah im Südlibanon zu einem Angriff auf Israel verleiten und die Armee in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickeln könnte.

Die Schiitenmiliz ist wie die Hamas mit Israels Erzfeind Iran verbündet. Statt eines plötzlichen Großangriffs setzt Israel deshalb offenbar eher auf eine allmähliche Ausweitung seiner Bodeneinsätze gegen die Hamas.

Israels Regierungschef Netanjahu entschuldigte sich für Vorwürfe gegen den Geheimdienst, ihn nicht vor Kriegsabsichten der Hamas gewarnt zu haben. In einem Post auf der Online-Plattform X, den er am Sonntagvormittag veröffentlichte, hieß es: »Ich habe mich geirrt. Dinge, die ich nach der Pressekonferenz (am Vorabend) gesagt habe, hätten nicht gesagt werden dürfen, und ich entschuldige mich dafür.«

Zuvor hatte der Ministerpräsident auf X geschrieben, er sei zu keinem Zeitpunkt vor kriegerischen Absichten der Hamas gewarnt worden. Es gab keine Erklärung für den plötzlichen Sinneswandel.

Berichte über den Verlauf der Bodenkämpfe im Norden gab es kaum, da die meisten Journalisten ebenso wie Hunderttausende Zivilisten in den Süden des Gazastreifens geflohen waren. Dazu hatte die israelische Armee tagelang aufgerufen, damit die Menschen bei kommenden kriegerischen Auseinandersetzungen nicht zu Schaden kommen.

Israel hat mit den Angriffen auf Gaza aus Sicht der Terror-Mullahs im Iran rote Linien überschritten. »Die Verbrechen der zionistischen Einheit, humanitär und militärisch, haben die roten Linien überschritten, die alle zum Handeln zwingen könnten«, sagte Regierungschef Ebrahim Raisi in einem am Samstagabend veröffentlichten Interview dem arabischen Sender Al-Dschasira.

Israel will die Lieferung humanitärer Hilfsgüter in den Gazastreifen nach eigenen Angaben erleichtern. Elad Goren von der zuständigen Cogat-Behörde sagte Journalisten am Sonntag, Hilfslieferungen sollten in den kommenden Wochen »dramatisch erhöht« werden. Dies geschehe auf Bitten der USA.

Goren sagte weiter, die Wasserversorgung im Gazastreifen sei »nicht auf dem normalen Level«, aber ausreichend für humanitäre Bedürfnisse. 90 Prozent des Trinkwassers im Gazastreifen stamme aus dem Palästinensergebiet selbst. Nach israelischen Erkenntnissen gebe es keinen Mangel an Lebensmitteln in dem Küstenstreifen.

Angesichts des der Zivilisten im Gazastreifen - Israel muss sich selbst verteidigen, die Hamas missbraucht ihre Bevölkerung als menschliche Schutzschilde - demonstrierten in zahlreichen Ländern der islamischen Welt Menschen gegen Israel. Nicht nur in Städten wie Istanbul, sondern auch in London oder New York forderten Demonstranten eine Feuerpause.

Auch in mehreren deutschen Städten kam es zu wieder zu »pro-palästinensischen« Kundgebungen, auf denen immer wieder auch massenhaft judenfeindliche Slogans skandiert wurde. Die größte war am Samstag mit etwa 11.000 Teilnehmern in Berlin unter dem Motto »Global South United«. Am Sonntag demonstrierten in Berlin-Mitte etwa 250 Menschen gegen Antisemitismus und Islamismus.

Katar und Ägypten sind als Vermittler an den Bemühungen beteiligt, die Freilassung der von palästinensischen Terroristen entführten Geiseln zu erwirken. Vor der Ausweitung der Bodeneinsätze in dem von Israel abgeriegelten Küstengebiet hatte es Berichte gegeben, wonach es angeblich Fortschritte bei diesen Bemühungen geben soll.

Majed Al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, sagte dem US-Nachrichtensender CNN am Samstag jedoch, die Eskalation vor Ort mache die Situation nun »erheblich schwieriger«. Angehörige riefen Israels Premier Netanjahu auf, sich für die Freilassung der Geiseln einzusetzen und solange von Angriffen auf den Gazastreifen abzusehen.

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