Am Sonntag sorgte eine Meldung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem binnen weniger Stunden für empörte Reaktionen von den USA bis Jordanien. Staatschefs, Kirchenvertreter und Oberrabbiner urteilten über das, was sich am Morgen an der Grabeskirche zugetragen hatte: Der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, war von der israelischen Polizei am Zugang gehindert worden.
Auch die Behörde reagierte und erklärte, dass alle heiligen Stätten der Altstadt wegen des Krieges geschlossen seien, Präsident Herzog schob nach, er bedauere den Vorfall, und schließlich stellte Premier Netanjahu klar, er habe die Polizei angewiesen, dem Kardinal den Zugang zur Grabeskirche einzuräumen.
Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den Behörden
Dass der Fall so schnell für Empörung sorgte, liegt auch an seiner Vorgeschichte. Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den Behörden, welche die Zugangszahlen zu heiligen Stätten limitieren – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen: Immer mehr Pilger quetschen sich am Karsamstag mit brennenden Kerzen in die Grabeskirche, in der es an Notausgängen mangelt.
Gleichzeitig ließ sich spätestens 2025 an der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen zweifeln, als ein Beamter seine Waffe auf einen Gläubigen richtete. Besonders für Ostjerusalemer Christen ist die Sperrung ihres Viertels ein Affront.
Spätestens 2025 ließ sich an der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen zweifeln, als ein Beamter seine Waffe auf einen Gläubigen richtete.
Dass die Feierlichkeiten während des Krieges nicht wie gewohnt ablaufen können, ist unvermeidbar. Die Al-Aqsa-Moschee blieb zum Zuckerfest geschlossen, die Kotel ist derzeit menschenleer. Und auch in den Kirchen wird es an Ostern ruhiger zugehen müssen. Teile iranischer Raketen haben mehrfach die Altstadt getroffen.
Gleichzeitig ist im angespannten Verhältnis wichtig, deutliche Zeichen für die Religionsfreiheit zu setzen. Aus jüdischer Perspektive sollte klar sein, dass Religion nicht auf die häusliche Praxis beschränkt werden kann – öffentliche Zeremonien, zumindest symbolisch für einzelne Vertreter, können das Gefühl von Selbstbestimmung zurückgeben. Denn Jerusalem ist uns allen heilig.
malburg@juedische-allgemeine.de