Eine Reihe von Angriffen auf jüdische Einrichtungen in mehreren europäischen Ländern könnte nach Einschätzung der israelischen Regierung auf eine bislang wenig bekannte Terrororganisation zurückgehen. Das Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten und den Kampf gegen Antisemitismus veröffentlichte einen Bericht, der die Gruppe Ashab al-Yamin al-Islamia für mehrere Vorfälle verantwortlich macht. »Ynet« berichtete.
Nach Angaben des Ministeriums wurden zwischen dem 9. und 14. März verschiedene jüdische Einrichtungen in Europa attackiert. Zu den schwerwiegendsten Vorfällen zählen ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Rotterdam sowie eine Explosion vor einer Synagoge im belgischen Lüttich. Außerdem wurden ein jüdisches Gebäude in Griechenland und eine jüdische Schule in Amsterdam ins Visier genommen. Verletzt wurde bei den Angriffen niemand, allerdings entstand erheblicher Sachschaden.
Die israelischen Behörden gehen davon aus, dass die Anschläge Teil einer koordinierten Kampagne waren, die vor allem darauf abzielt, jüdische Gemeinden einzuschüchtern. Nach Analyse des Ministeriums folgten die Vorfälle einem ähnlichen Muster und ereigneten sich innerhalb weniger Tage in verschiedenen Ländern.
Mögliche Vergeltungsaktionen
Ausgewertete Informationen aus offenen Quellen deuten zudem darauf hin, dass Material über die Anschläge in Telegram-Kanälen verbreitet wurde, die mit schiitischen Miliznetzwerken verbunden sind. Darunter befinden sich laut Bericht auch Plattformen, die Verbindungen zur Hisbollah oder zu den iranischen Revolutionsgarden haben sollen.
Der Name der Organisation sorgt ebenfalls für Aufmerksamkeit. Laut dem Bericht wurde die Bezeichnung Ashab al-Yamin bereits früher von einer irakischen Gruppe verwendet, die vom US-Außenministerium als Terrororganisation eingestuft wurde.
Zusätzlich fällt der Zeitpunkt der Anschläge auf: Sie erfolgten kurz nachdem Berichte über den Tod eines Anführers dieser Terrorgruppe aufgetaucht waren. Nach Einschätzung israelischer Experten könnte es sich daher um Vergeltungsaktionen handeln. Allerdings richteten sich diese offensichtlich nicht gegen Israel, sondern jüdische Gemeinden in verschiedenen Teilen Europas.
Vor Ort angeworben
Die israelischen Behörden vermuten, dass die Angriffe nicht unbedingt von fest organisierten Zellen ausgeführt wurden, sondern häufig von lokal rekrutierten Tätern oder Einzeltätern. Diese könnten über das Internet oder über Kontakte in radikalen Netzwerken angeworben worden sein.
Ein Beispiel dafür sehen Ermittler im Fall Rotterdam: Dort wurden nach dem Brandanschlag vier Verdächtige im Alter zwischen 17 und 19 Jahren festgenommen. Sie sollen nach ersten Erkenntnissen angeworben worden sein, um weitere Angriffe vorzubereiten.
Der israelische Bericht warnt vor einer möglichen neuen Vorgehensweise extremistischer Netzwerke. Demnach könnten Gruppen zunehmend Tarnorganisationen oder lose Strukturen nutzen, um Anschläge in Europa auszuführen, während ihre eigentlichen Hintermänner im Hintergrund bleiben.
»Beunruhigendes Muster«
Diaspora-Minister Amichai Chikli erklärte laut »Ynet«, die Vorfälle seien kein isoliertes Phänomen. »Die Ereignisse in Europa sind Teil eines beunruhigenden Musters«, sagte er. »Terrornetzwerke, die mit der iranischen Achse verbunden sind, versuchen, ihre Aktivitäten auf europäische Städte und jüdische Gemeinden auszuweiten.«
Auch der Generaldirektor des Ministeriums, Avi Cohen-Scali, sieht darin eine wachsende Gefahr. »Dies stellt ein relativ neues operatives Modell dar«, sagte er. Es verbinde Online-Propaganda, lokale Täter und regionale Terrornetzwerke, um Angst in jüdischen Gemeinschaften zu verbreiten und gleichzeitig Einfluss über den Nahen Osten hinaus zu demonstrieren.
Israel kündigte an, weiterhin mit Regierungen und jüdischen Organisationen weltweit zusammenzuarbeiten, um solche Strukturen aufzudecken und mögliche weitere Anschläge zu verhindern. im