Ukraine-Krieg

»Israel muss sich klar und eindeutig positionieren«

Dan Meridor war zwischen 1988 und 2013 Mitglied mehrerer israelischer Regierungen. Foto: imago/Kyodo News

Ukraine-Krieg

»Israel muss sich klar und eindeutig positionieren«

Ex-Minister Dan Meridor übt scharfe Kritik am Kurs der Bennett-Regierung gegenüber Russland

von Michael Thaidigsmann  11.03.2022 11:31 Uhr

Der ehemalige israelische Justiz- und Finanzminister Dan Meridor übt scharfe Kritik an der Haltung Israels im Ukraine-Konflikt. Am Donnerstag sagte Meridor bei einer Online-Diskussion des Israel Council on Foreign Relations (ICFR), dessen Präsident er seit einigen Jahren ist: »Die ganze Welt steht geschlossen, nur Israel nicht.« Damit ziehe die Regierung in Jerusalem nur unnötig die Blicke anderer auf sich.

Israel dürfe nicht nur seine machtpolitischen Interessen in der Region als Argument vorbringen, um sein Schweigen zu rechtfertigen. Es müsse vielmehr klar Position beziehen gegen Russlands Angriffskrieg, so Meridor. »Es gibt Fälle, da musst du klar und deutlich aussprechen, was ist, und das andere ist zweitrangig.«

GESCHICHTE Weil das Land die jüdische Geschichte und die Gefühle der Juden repräsentiere, könne es nicht schweigen. »Wir dürfen uns nicht beschweren, dass die Leute uns [in der Zeit der Schoa] nicht zu Hilfe kamen, als wir ihre Hilfe benötigten, und jetzt sagen, wir haben aber Interessen. Das ist etwas, was in der Geschichte sehr schlecht ankommt. Ich denke, wir hätten uns klar positionieren müssen«, so der langjährige Likud-Politiker.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch die Haltung seines Landes bei der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter kritisierte Meridor. Es sei im Gegensatz dazu »beeindruckend«, wie Europa die Arme öffne und Menschen aus der Ukraine aufnehme. »Wir hätten die Ersten sein müssen, die sagen, ihr seid in Schwierigkeiten, ihr seid Flüchtlinge, wir helfen euch.« Das sei aber nicht passiert. Stattdessen habe man in Israel von Anfang auf Restriktionen gesetzt und von den Geflüchteten Garantien verlangt.

SYRIEN Er übersehe dabei nicht, dass sein Land bestimmte Interessen in Bezug auf Russland habe, so der 74-Jährige. »Aber Putin hilft uns nicht, weil wir nett zu ihm sind. Wenn er uns hilft, dann nur, weil es in seinem Interesse liegt.« Der russische Staatschef verhalte sich in Syrien wie ein Puppenspieler, der Iran und Israel gegeneinander ausspiele. »Wir sollten unsere Politik diesbezüglich ändern«, forderte Meridor. »Aber unabhängig davon hätten wir klar sagen sollen: Was Russland da [in der Ukraine] gemacht hat, ist nicht zu rechtfertigen.«

Der Konflikt werde nicht in ein paar Tagen beendet sein. Israel sei daher früher oder später gezwungen, eindeutig Stellung zu beziehen, nicht zuletzt wegen der zunehmenden internationalen Sanktionen gegen Russland. Was die Regierung von Naftali Bennett getan habe, sei falsch und zynisch gewesen, wetterte Meridor.

Für den konservativen Likud diente Dan Meridor zwischen 1988 und 2013 als Justiz-, Finanz- und Geheimdienstminister in verschiedenen israelischen Regierungen. Er war zudem lange Jahre Mitglied der Knesset.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Jerusalem

Ein toter Israeli bei Terroranschlag im Westjordanland

Kurz vor Beginn von Jom Kippur kommt es zu zwei Terroranschlägen im von Israel besetzten Westjordanland. Ein israelischer Zivilist und einer der angreifenden Palästinenser werden getötet

 20.09.2026

Jerusalem

Präsident Herzog begnadigt verurteilten Ex-Soldaten Elor Asaria

Israels Präsident lässt einen Strafregistereintrag des ehemaligen Soldaten löschen, der 2016 einen am Boden liegenden, palästinensischen Attentäter tötete. Die israelische Armee war laut Berichten dagegen

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Berliner Linke nennen Hamas-Massaker »Widerstand«

In einer Sitzung wurde die Forderung nach einer »vollen politischen und materiellen Unterstützung des palästinensischen Widerstands in all seinen Formen« erhoben. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs

 19.09.2026 Aktualisiert

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  19.09.2026

Jerusalem

NGO Monitor: Umbenennungen sollen Sanktionen gegen Terror-Verbindungen umgehen

Betroffen sind vor allem Organisationen, denen Verbindungen zur Hamas oder zur PFLP vorgeworfen werden. Was bedeutet dies für die Wirksamkeit von Sanktionssystemen?

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026