Jerusalem

»In höchstem Maße unangemessen«

Arie Deri, Chefs der sefardisch-orthodoxen Schas-Partei Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Der Oberste Gerichtshof Israels hat am Mittwochnachmittag die Ernennung des Chefs der sefardisch-orthodoxen Schas-Partei, Arie Deri, zum Innen- und Gesundheitsminister in der neuen Regierung abgelehnt.

Elf Richterinnen und Richter unter Vorsitz der Gerichtspräsidentin Esther Hayut fällten die Entscheidung mit nur einer Gegenstimme. Die Ernennung Deris sei aufgrund seiner Verurteilung wegen Korruptionsvorwürfen »in höchstem Maße unangemessen«, hieß es.

KOALITION Nach dem Urteilsspruch scheint der Fortbestand der Koalition in Jerusalem infrage zu stehen. Schas-Minister Yaakov Margi hatte noch am Morgen in einem Radiointerview mit dem Sender »Kan« erklärt, Netanjahu wisse, dass es ohne Deri keine Regierung gebe. Die Schas-Partei sprach nach dem Urteilsspruch in einer ersten Erklärung von einer »politischen« Entscheidung, die den Willen der 400.000 Wähler von Schas nicht berücksichtige.

Nun bleibt abzuwarten, wie die neue Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu reagieren wird. Netanjahu traf sich am Abend zum Gespräch mit Deri in dessen Wohnung in Jerusalem.

REFORM Der neue Justizminister Yariv Levin hatte bereits eine Reform des Justizwesens angekündigt. Danach soll eine Mehrheit im Parlament ein Gesetz verabschieden können, auch wenn es nach Ansicht des Obersten Gerichts gegen das Grundgesetz verstößt. Levin will außerdem die Zusammensetzung des Gremiums zur Ernennung von Richtern ändern. Er wirft dem Gericht etwa eine übermäßige Einmischung in politische Entscheidungen vor.

Arie Deri wurde im Jahr 2000 wegen Bestechlichkeit, Korruption und Untreue auch während seiner Zeit als Innenminister zu drei Jahren Haft verurteilt. 2013 erlebte er ein politisches Comeback. Vor einem Jahr musste er wegen neuer Steuervergehen sein Abgeordnetenamt niederlegen. Jetzt wurde eigens für ihn ein Gesetz geändert, damit er trotz der Verurteilung wieder Innen- und Gesundheitsminister werden konnte. ja/dpa

Israel

Jesus-Statue beschädigt: 30 Tage Haft für israelische Soldaten

Mit einem Hammer attackierte ein Soldat die christliche Heilsfigur im Libanon. Jetzt hat ein Militärgericht den Mann und seinen Kameraden verurteilt

 21.04.2026

Nachrichten

Schule, Posten, Verschwörung

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  21.04.2026

Landwirtschaft

Von Staub zu Öl

Im Kibbuz Sde Boker wird Bio-Olivenöl produziert. Das Projekt interpretiert die alte zionistische Idee neu, die Wüste zum Blühen zu bringen

von Sabine Brandes  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Musik

Vom Kinderzimmer in Cholon in die US-Charts

Die israelische Band Temper City nimmt mit ihrem Song »Self Aware« einen weltweiten Hit auf

von Sabine Brandes  21.04.2026

Warschau/Jerusalem

Polen und Israel streiten über Vorwürfe von Kriegsverbrechen

Der Warschauer Außenminister Sikorski sagt, IDF-Soldaten räumten selbst Kriegsverbrechen ein. Sein israelischer Kollege Sa’ar spricht von »haltlosen und verleumderischen Aussagen«

 21.04.2026

Jom Hasikaron

Israel begeht Gedenktag für Gefallene – Appelle an Einheit und Hoffnung

»Diese Kriegsgeneration verdient es, vom Tag danach zu träumen. Sie verdient ein Lied der Hoffnung«, sagt Präsident Isaac Herzog

 21.04.2026

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026