Menschenrechte

Immer schriller: Amnesty zeigt erneut mit dem Finger auf Israel

Protest von Amnesty-Aktivisten gegen Israel vor dem Amtssitz des britischen Premierministers in London (2023) Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Die Vorwürfe, die Amnesty International (AI) gegen Israel erhebt, werden immer heftiger und schriller. Seit einigen Jahren bereits wirft die Menschenrechtsorganisation dem jüdischen Staat schwerste Verbrechen vor, darunter die Unterdrückung der Palästinenser durch ein System der »Apartheid« (Rassentrennung), Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Auch der Genozid-Vorwurf ist nicht neu.

Doch jetzt hat Amnesty rhetorisch noch einmal nachgelegt. Israel begehe im Gazastreifen einen »live übertragenen Völkermord« an den Palästinensern, weil es große Teile der Bevölkerung in dem Küstenstreifen gewaltsam vertrieben und vorsätzlich eine humanitäre Katastrophe herbeigeführt habe.

Im neuesten AI-Jahresbericht mit dem Titel »Die Lage der Menschenrechte in der Welt« wird nun der Vorwurf erhoben, Israel handle mit der »konkreten Absicht, die Menschen in Gaza zu vernichten und damit Völkermord zu begehen«.  Amnesty-Generalsekretärin Agnes Callamard schreibt in dem Bericht, dass Israels Armee nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023  »Tausende und Abertausende Palästinenser tötete, Familien über mehrere Generationen hinweg auslöschte (und) Häuser, Lebensgrundlagen, Krankenhäuser und Schulen zerstörte.«

Im Kapitel des Berichts zu Israel heißt es, die israelische Armee habe »eine der höchsten bekannten Opferzahlen unter Kindern, Journalisten sowie Gesundheits- und humanitären Helfern« der letzten Zeit zu verantworten und schaffe »Bedingungen für die Palästinenser, die auf ihre physische Vernichtung abzielen«.

Lesen Sie auch

Israels Regierung hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und ihr Vorgehen mit der anhaltenden Gefahr durch die Hamas und der seit mehr als 18 Monaten andauernden Geiselhaft Dutzender israelischer Staatsbürger in Gaza gerechtfertigt.

Amnesty erneuerte auch seinen Vorwurf, Israel betreibe im Westjordanland ein System der »Apartheid«. Dieses werde zunehmend gewalttätiger, was sich in einer Zunahme von Tötungen palästinensischer Zivilisten durch israelische Siedler manifestiere, so die in London ansässige NGO.

Infostand von Amnesty International am Rande einer Demonstration gegen Israel in München im Dezember 2024Foto: IMAGO/NurPhoto

Auch in Israel selbst konstatierte Amnesty International angebliche schwere Menschenrechtsverletzungen. So würden Kriegsdienstverweigerer inhaftiert, Palästinenser »willkürlich inhaftiert und misshandelt«, was in vielen Fällen einer Folterung gleichkomme, behauptet die Organisation. Die Anweisungen des Internationalen Gerichtshofs, den Völkermord zu verhindern und die illegale Besatzung zu beenden, würden von Israel ignoriert. Auch die Meinungsfreiheit und das Recht auf friedliche Versammlung seien zuletzt angegriffen worden.

Kritik an Amnestys Maßstäben

Auf der Webseite der deutschen AI-Sektion ist davon die Rede, dass der Widerstand gegen Menschenrechtsverletzungen wachse. Als erstes Beispiel wird wieder Israel genannt: »Millionen Menschen protestierten gegen Kriegsverbrechen und den Genozid in Gaza«, steht dort zu lesen. Von den jüngsten Protesten gegen die Herrschaft der Hamas in Gaza ist dort keine Rede.

Die Lage der Menschenrechte in den Palästinensergebieten wird in dem Bericht dennoch angesprochen. Allerdings fällt die Kritik der Organisation an den Zuständen dort wesentlich leiser aus als im Falle Israels. Wörtlich heißt es in der Zusammenfassung des entsprechenden Kapitels: »Palästinensische bewaffnete Personen oder Mitglieder bewaffneter Gruppen töteten israelische Zivilisten, darunter Geiseln im Gazastreifen und illegal in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes lebende Siedler. Journalisten und Kritiker der palästinensischen Behörden im Westjordanland wurden festgenommen und willkürlich inhaftiert. Kritiker der Behörden im Gazastreifen wurden körperlich angegriffen. Palästinenser, die im Westjordanland inhaftiert waren, und freigelassene israelische Geiseln berichteten von Folter und anderen Misshandlungen.«

An den Methoden und Maßstäben von Amnesty International gibt es aber seit langem heftige Kritik. Bereits im Jahr 2022 sprach der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, davon, dass Amnesty mit seinen Berichten der Wirklichkeit in Israel nicht annähernd gerecht werde und so den Hass auf Juden mitschüre.

Wirtschaft

Israel-Tourismus erholt sich langsam

Zwar ist die Branche noch weit vom Rekordjahr 2019 entfernt, doch in 2025 tourten 1,3 Millionen Besucher durchs Land

von Sabine Brandes  07.01.2026

Diplomatie

Gideon Sa’ar besucht Somaliland

Vor Ort bezeichnete der israelische Außenminister die Entscheidung seines Landes, Somaliland anzuerkennen, als »moralisch richtig«

 07.01.2026

Dialog

Israel und Syrien vereinbaren Kommunikationskanal unter US-Vermittlung

Mit US-Unterstützung nehmen Israel und Syrien ihren Dialog wieder auf. Ein neuer Kommunikationsmechanismus soll künftig Streit zwischen den beiden verfeindeten Ländern verhindern

 07.01.2026

Jerusalem

Massenprotest gegen Wehrpflicht - Bus überrollt Menschen

Bei einem Protest Ultraorthodoxer gegen den Militärdienst in Jerusalem wurden mehrere Menschen von einem Bus erfasst. Die Polizei spricht von »gewalttätigen Unruhen«

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026

Wissenschaft

Israels Forscher erzielen Erfolg in Alzheimerforschung

Ausgerechnet ein zelluläres »Entsorgungssystem«, das eigentlich schädliche Proteine beseitigen soll, könnte zur Weiterverbreitung der Krankheit beitragen

 06.01.2026

Sexualisierte Gewalt

Romi Gonen: »Der Hamas-Chef schlug mir einen Deal vor«

Die ehemalige Geisel der Terrororganisation berichtet in Teil zwei ihres Interviews, was nach den Übergriffen geschah

von Sabine Brandes  06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu attackiert Opposition in hitzigem Knesset-Duell

Die Aufklärung des 7. Oktobers, die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und »Katargate« wurden auf Druck der Opposition im israelischen Parlament diskutiert

 06.01.2026

Blumen und Kerzen sind als Zeichen des Gedenkens an die Opfer nach dem Brand in der Bar und Lounge »Le Constellation« in Crans-Montana.

Schweiz

Drittes jüdisches Mädchen tot

Bei der tödlichen Katastrophe im Nobelskiort Crans-Montana sind drei junge jüdische Frauen ums Leben gekommen

von Nicole Dreyfus  06.01.2026