Israel

Immer mehr Details aus Deal mit Gideon Sa’ar sickern durch

Der Vorsitzende der israelischen Partei »Neue Hoffnung«: Gideon Sa’ar Foto: Flash90

Seit Tagen häufen sich die Hinweise, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Oppositionspolitiker Gideon Sa’ar und seine Partei »Neue Hoffnung« ins Regierungslager ziehen und dafür seinen Verteidigungsminister Yoav Gallant loswerden will.

Dafür scheint der Ministerpräsident bereit zu sein, einige Zugeständnisse zu machen: Wie »Haaretz« und »Ynet« berichten, sollen sich Sa’ar und Netanjahu darauf geeinigt haben, gemeinsam einen neuen Generalstabschef der Armee (IDF) auszusuchen. Es sei allerdings noch nicht klar, ob sie auf den Rücktritt des amtierenden Armeechefs Herzi Halevi warten oder ihn aus dem Amt drängen wollen.

Doch damit nicht genug: Sa’ar, der im Kabinett Bennett-Lapid Justizminister war, soll außerdem ein Vetorecht bei allen Versuchen bekommen, die umstrittene Justizreform wieder in Gang zu bringen, wie die Nachrichtenplattform »Walla« berichtet. Für den amtierenden Justziminister Yariv Levin bedeutet das nichts Gutes, denn Sa’ar ist ein Gegner großer Teile des Gesetzesvorhabens, das die Macht der Obersten Richter massiv einschränken würde.

Rolle für Sa’ar noch unklar

Noch ist unklar, ob Ministerpräsident Netanjahu seinen Verteidigungsminister wirklich mitten im Krieg gegen die Hamas-Terroristen austauschen wird. Doch die Berichte über Verhandlungen mit Sa’ar häufen sich, auch wenn alle Beteiligten diese abgestritten haben. So soll es zu Beginn der Woche spätabendliche Gespräche mit dem Oppositionspolitiker gegeben haben. Laut »Walla« sei Sara Netanjahu, die Ehefrau des Ministerpräsidenten, jedoch gegen den Deal.

Ob Gideon Sa’ar Gallant wirklich beerben wird, ist ebenfalls unklar. Mehreren Medienberichten zufolge könnte Netanjahu auch eine Personalrochade planen: Der zufolge würde Sa’ar Außenminister werden und der amtierende Außenminister Israel Katz das Verteidigungsministerium übernehmen.

Die Beziehung zwischen Gallant und seinem Parteifreund Netanjahu (beide Likud) ist schon seit langem angespannt. So hatte der Verteidigungsminister sich geweigert, ein Gesetz voranzubringen, dass noch mehr Jeschiwa-Studenten vom Wehrdienst ausschließen würde und dem Ministerpräsidenten vorgeworfen, die Bemühungen um einen Geiseldeal zu untergraben, indem er auf einer Truppenpräsenz im Philadelphi-Korridor (dem Grenzgebiet zwischen Ägypten und dem Gazastreifen) beharrt.

Geiselangehörige: »Keine Zeit für Reise nach Jerusalem«

Oppositionspolitiker, Angehörige von Geiseln und der Ex-IDF-Chef Gadi Eizenkot haben sich gegen den Rauswurf Gallants ausgesprochen.

»Gideon Sa’ar wird Monate brauchen, um zu verstehen, wie die Hierarchien funktionieren und wie er sie nutzen muss. Ich behaupte, dass er nicht kompetent genug ist, den Taktstock von Yoav Gallant zu übernehmen und in der jetzigen Realität Verteidigungsminister zu werden«, sagte Eizenkot in einem Interview mit dem Radiosender »Kan«.

»Ich dränge Gideon Sa’ar dazu, in dieser kritischen Stunde nicht bei Netanjahus zynischem Schritt mitzumachen. Er wird als opportunistischer Schachzug in Erinnerung bleiben, der von Netanjahu erdacht wurde, um ein politisches Problem zu lösen«, sagte Eizenkot mit Blick auf den Plan, das Alter für die Aussetzung der Wehrpflicht von Yeschiwa-Studenten herunterzusetzen.

Lesen Sie auch

Oppositionsführer Benny Gantz warf dem Ministerpräsidenten vor, mit dem Tausch des Verteidigungsministers das Land zu gefährden: »Was Netanjahu in diesem Moment tut, ist die Sicherheit Israels auf eine spürbare Art und Weise zu gefährden, wie es niemals ein Ministerpräsident während eines Krieges und im Allgemeinen getan hat.«

Das Forum für Geiseln und vermisste Familien ging besonders hart mit Benjamin Netanjahu ins Gericht: »Ministerpräsident Netanjahu, jetzt ist nicht die Zeit, Reise nach Jerusalem zu spielen oder sich in politischem Überleben zu üben«, teilte die Gruppe der Geiselangehörigen mit. »Unsere Geiseln leiden in Hamas-Tunneln, während all deine Zeit und Mühen der Erreichung der Kriegsziele und der Rückkehr aller Gefangenen gewidmet werden sollten.« nko

Nahost

Hinrichtungen im Iran auf 35-Jahres-Rekordhoch

Im Iran wurden 2025 laut Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – ein Höchststand seit 35 Jahren. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen

 13.04.2026

Libanon

Israels Armee umstellt Hisbollah-Hochburg

In dem Ort in der Nähe der israelischen Grenze sollen Dutzende Kämpfer der Terror-Miliz eingeschlossen sein

 13.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Bericht

Antisemitische Gewalt auf Höchststand seit Jahrzehnten

Nach dem Gaza-Krieg werden Übergriffe gegen Juden in aller Welt zur Normalität

von Sabine Brandes  13.04.2026

Terror

Israel: Wir wollen ein echtes Friedensabkommen mit dem Libanon

Israel und der Libanon wollen erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene führen. Premier Netanjahu fordert als Ziel ein Friedensabkommen, das über Generationen halten soll

 13.04.2026

Nahost

Israel stellt sich auf Wiederaufnahme des Iran-Kriegs ein

Nach ergebnislos beendeten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran versetzt Israel sein Militär Berichten zufolge in erhöhte Gefechtsbereitschaft. Geht der Krieg mit dem Iran bald wieder los?

 13.04.2026

Wahlen

Die Herausforderer

Der einstige Premier Naftali Bennett und Ex-Generalstabschef Gadi Eizenkot holen in Umfragen auf

von Sabine Brandes  12.04.2026

Nahost

Friedensgespräche im Raketenhagel

Während die Regierungen von Israel und dem Libanon verhandeln wollen, feuert die schiitische Terrororganisation Hisbollah weiter Geschosse auf den Norden ab

von Sabine Brandes  12.04.2026

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026