Nahost

IDF untersuchen Folgen eines Luftangriffs in Rafah

Die IDF griffen am Wochenende einen Hamas-Standort in Rafah an. Foto: picture alliance / Anadolu

Das von der palästinensischen Terrororganisation Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza hat Israel beschuldigt, bei einem Luftangriff in Rafah 35 Menschen getötet und Dutzende verletzt zu haben. Die palästinensische Hilfsorganisation Roter Halbmond gab an, der Angriff sei in der Nähe eines Flüchtlingslagers erfolgt.

Die israelischen Streitkräfte erklärten dazu, ein Hamas-Standort sei mit Präzisionswaffen angegriffen worden. Dies sei im Einklang mit dem Völkerrecht geschehen, da sich laut Geheimdiensterkenntnissen Hamas-Terroristen dort aufgehalten hätten. »Die Details des Vorfalls sind noch immer in der Ermittlung, die wir in vollem Umfang durchführen werden«, sagte Generalmajorin Yifat Tomer Yerushalmi am Montag. Yerushalmi, die als Israels oberste Militäranwältin fungiert, sprach von einem »sehr schwerwiegenden« Vorfall.

Planung und Finanzierung

Neben Jassin Rabia, dem maßgeblichen Kopf hinter den Terroraktivitäten der Hamas im Westjordanland, sei auch der ranghohe Hamas-Terrorist Chaled Nagar bei dem Angriff getötet worden. Beide seien maßgeblich an der Planung und Finanzierung von Anschlägen beteiligt gewesen und hätten das Leben israelischer Soldaten auf dem Gewissen.

Die »Jerusalem Post« zitierte am Morgen israelische Sicherheitsbeamte, die auf anonymer Ebene Stellung nahmen. Ihnen zufolge führten die Streitkräfte (IDF) vor dem Angriff auf die Terroristen mehrere Einsätze durch, um sicherzustellen, dass sich keine palästinensischen Zivilisten in der Umgebung befanden.

Allerdings soll nach dem Angriff ein Brand auf in der Nähe befindliche Zelte und ein Gebäude übergegriffen haben. Der Vorfall werde untersucht.

Doch schon jetzt gibt es internationale Kritik an dem Luftangriff. Ägypten warf Israel vor, gezielt Zivilisten zu bombardieren. Italiens Regierung kritisierte Israel so scharf wie noch nie seit dem 7. Oktober. »Es ist eine immer schwierigere Situation, in der die Palästinenser ausgepresst werden, ohne dass die Rechte unschuldiger Männer, Frauen und Kinder beachtet werden, die nichts mit der Hamas zu tun haben und das kann nicht länger gerechtfertigt werden«, sagte Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto.

Angriff auf Tel Aviv

Der Internationale Gerichtshof (IGH) hatte Israel am Freitag verpflichtet, den Militäreinsatz in Rafah unverzüglich zu beenden. Entscheidungen des Weltgerichts sind bindend. Allerdings besitzen die UN-Richter keine Machtmittel, um einen Staat zur Umsetzung zu zwingen.

Entgegen anderslautenden Vorhaltungen kämpft Israel in Gaza nicht gegen die Zivilbevölkerung, sondern gegen den palästinensischen Terror. Die zentralen Ziele der Streitkräfte (IDF) sind eine Zerschlagung der Hamas und eine Befreiung der bis zu 130 Geiseln, die sie nach siebeneinhalb Monaten weiterhin in der Gewalt der Palästinenser befinden. Es geht um die Sicherheit der israelischen Bevölkerung.

Am Sonntag hatte die Hamas erstmals seit vier Monaten wieder Raketen auf den Großraum Tel Aviv gefeuert - nach Armeeangaben handelte es sich um acht Waffen, die aus Rafah abgeschossen wurden. Die Raketenabwehr habe einige davon abfangen können. Im Stadtzentrum von Tel Aviv waren mehrere Explosionen zu hören. In mehreren Städten im Großraum der Küstenmetropole gab es ebenfalls Raketenalarm.

Beerdigung in Tel Aviv

Die Hamas reklamierte die Angriffe für sich. Zwei Frauen wurden nach Angaben von Sanitätern leicht verletzt, als sie in Schutzräume eilten. Zuletzt war Tel Aviv am 29. Januar mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen worden.

Am Sonntagabend begleiteten dann mehrere tausend Menschen in Tel Aviv den Beerdigungszug einer israelischen Geisel, deren Leiche israelische Soldaten vergangene Woche im Gazastreifen geborgen hatten. Der zweifache Vater hatte am 7. Oktober vergangenen Jahres das Supernova-Musikfestival besucht und war dort während des Massakers der Hamas und anderer Terroristen in die Fänge der Terroristen geraten.

Seine Familie lud die Öffentlichkeit ein, mit der Teilnahme an der Trauerprozession still für die Rückkehr aller Geiseln zu demonstrieren.

Kein Abzug aus Gaza

Um die Verhandlungen über eine Freilassung der Geiseln sollte es am Sonntagabend auch auf einer Sitzung des Kriegskabinetts von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gehen. Vor der Sitzung hatte Netanjahu in einer Stellungnahme erklärt, er lehne die Hamas-Forderung nach einer Beendigung des Krieges und dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen weiterhin ab. Die Hamas selbst hatte den Krieg am 7. Oktober 2023 begonnen.

Israelische Soldaten erschossen derweil nach Armeeangaben am Sonntag in der Nähe von Hebron im Westjordanland einen Palästinenser, der einen Messerangriff auf einen Armeeposten ausführen wollte. Soldaten seien nicht verletzt worden, hieß es.

Erstmals seit einer Vereinbarung zwischen Ägypten und den USA wurden unterdessen Hilfslieferungen für den Gazastreifen vom gesperrten ägyptischen Grenzübergang Rafah über die israelische Passagierstelle Kerem Schalom umgeleitet. Der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News berichtete am Sonntag, 200 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern seien von Rafah nach Kerem Schalom gefahren, die Einfahrt in den Gazastreifen habe begonnen. ja/dpa

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