Start-up

Ich zeig’ dir meine Stadt

Chanukka ist nicht nur die Zeit, in der Kerzen gezündet, Sufganiot verspeist und Dreidl gedreht werden. In Israel ist Chanukka auch die Zeit der Ausflüge. Es sind Ferien, und in den meist milden Wintertagen pilgern Familien durchs ganze Land. Einer, der sich das zunutze macht, ist Gilad Uziely. Der Mitbegründer von mekomy.com findet nämlich, dass es im Leben nichts Besseres gibt als das Reisen.

Doch Uziely meint auch, dass beim Touren durch die Welt viel falsch gemacht werden kann. Um zu zeigen, wie es besser geht, gründete der Tel Aviver vor rund einem Jahr eine Internetplattform, auf der Ausflüge, Spazier- und Rundgänge, Workshops und Stadttouren in verschiedenen Gegenden Israels und auch zu einigen Zielen außerhalb des Landes angeboten werden. Die Tourguides sind Ortsansässige, die, wie es heißt, das Außergewöhnliche im Blick haben und ihren Gästen Plätze jenseits der abgetretenen Pfade des Massentourismus zeigen wollen.

idee Uziely erklärt sein Konzept so: »Menschen erleben ihre Heimatstädte auf viele verschiedene Arten. Ein Chefkoch sucht vielleicht nach neuen Zutaten auf den lokalen Märkten, ein Geschichtsfan hält Ausschau nach steinernen Zeugen der Vergangenheit oder Gegenwart. Besucher aber hängen leider viel zu oft in einer Standardtour fest, die sie mit Details langweilt, die sogar den meisten Einheimischen schnurzpiepegal sind.«

Das Konzept von mekomy – aus dem Hebräischen übersetzt heißt es »mein Ort« – ist simpel. Man folgt einfach seinen Leidenschaften, sucht sich dann eine Stadt, ein Viertel oder eine Gegend aus. »Das kann natürlich auch die eigene Heimatstadt sein«, sagt Uziely. Dann entscheidet man sich, welche Art von Ausflug man buchen möchte. Es gibt die Variante der privaten Tour für Einzelpersonen, Familien und Gruppen oder die Variante, sich einer Tour anzuschließen.

»Das ist für mich der wahre Inbegriff des Reisens«, preist Uziely die letztgenannte Variante an. »Dabei lernt man neue Leute kennen, die ähnliche Interessen haben, kann Freundschaften schließen.« Weil er davon so begeistert ist, gibt es auch 20 Prozent Rabatt für diese Art der Erkundung von Stadt und Land. Schließlich lasse man doch beim Reisen seine Leidenschaften, Vorlieben und Interessen nicht zu Hause.

Einheimische »Wir glauben daher, dass die beste Art, eine bedeutende Bindung mit einem Ort aufzubauen, die ist, wie ein Einheimischer zu touren, mit einem Einheimischen«, sagt Uziely. »Doch eben nicht mit irgendeinem Einheimischen, sondern mit jemandem, der deine Leidenschaft, deine Interessen oder dein Hobby teilt.« Das können Schriftsteller, Foodies, Weinkenner, Architekturfans, Designer oder andere Enthusiasten sein. Uziely verspricht: »Keine Erfahrung wird dieselbe sein, denn jeder Guide bringt sein persönliches Flair und seinen Geschmack ein.«

Die Reiseführer bei mekomy.com seien allesamt Experten auf ihrem Gebiet, versichert Uziely. »Das Feedback der Reisenden ist wundervoll.« Zu Chanukka könnte es beispielsweise Yuval sein, der eine Tour durch das nächtliche Jerusalem anbietet und leitet. Yuval lebt in Jerusalem und liebt die Stadt. Er sagt: »Lasst euch davon überzeugen, dass die Hektik des Tages sich in der Nacht in magische Stille verwandelt. Spaziert mit mir durch die Gassen, die in der Dunkelheit in einem völlig anderen Licht erscheinen, und schaut von den Dächern auf die erleuchtete Stadt hinunter.«

Idan, der Yuvals Tour mitgelaufen ist, schrieb im Anschluss: »Ich lebe mein ganzes Leben in Jerusalem und habe alle Ecken besucht. Aber überraschenderweise bin ich diesen Pfad noch nie gegangen. Ich habe es genossen. Danke an Yuval für diese Erfahrung, die mir die Augen geöffnet hat.«

feierlich Zu Chanukka könnte man auch mit Gali Benin über das Kopfsteinpflaster in Nachlaot spazieren und schauen, wie die Chanukkiot in den Fenstern und vor den Häusern das alte Viertel in feierliches Licht tauchen, schlägt Uziely vor. Benin arbeitet seit zehn Jahren als Reiseführerin und hat sich auf Touren mit religiösen Inhalten spezialisiert.

Der Anfang des Unternehmens sei schwer gewesen, gibt Uziely zu. Der Gaza-Krieg im Sommer brach der Start-up-Firma fast das Genick. Das ohnehin knappe Budget schrumpfte dahin. Mangels Touristen aus dem Ausland konzentrierte sich mekomy dann auf einheimische Touristen – und gerade das hatte Erfolg. Erst jüngst hat die Start-up-Firma eine Investition von 250.000 Dollar getätigt.

Uziely ist von seinem Konzept überzeugt. »Reisen steckt in deiner DNS«, schwärmt der Jungunternehmer. »Wenn du ein wahrer Reisender bist, dann wirst du immer Ausschau nach besonderen Erfahrungen halten. Dann bist du neugierig, offen für neue Ideen, und du liebst es, Leute zu treffen. Und für diese Menschen gibt es unsere Plattform.«

Berlin Mekomy gibt es außer in Israel noch in verschiedenen Städten Italiens, schließlich ist Uziely mit einer Italienerin verheiratet. Doch auch in Barcelona kann man sich von Mekomys lokalen Scouts führen lassen und bald, verspricht der Geschäftsführer, auch in Berlin. Im Visier habe man bis Ende 2015 zehn Destinationen in der ganzen Welt.

Nach Uzielys Meinung kann Reisen das ganze Leben verändern. »Wenn man es richtig macht. Ich weiß es, denn mir ist es genauso ergangen.« Daher lautet seine Botschaft: »Sei kein Tourist, sondern ein Reisender.«

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

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