Energie

Hisbollah droht

Israelische Gasplattform im Mittelmeer Foto: Flash 90

Die Drohung ist eindeutig: »Jedem, der nach unseren Schätzen greift, wird die Hand abgehackt.« Hassan Nasrallah, Chef der schiitischen Hisbollah im Libanon, äußert sich in gewohnt brutaler Weise in Richtung Israel. Sollten die Forderungen des Libanons nicht erfüllt werden, werde angegriffen, warnt der Terror-Chef. Um wertvolles Gut geht es tatsächlich: Erdgas. Doch auf das erhebt nicht nur Nasrallah Anspruch, sondern auch Israel.

Am Wochenbeginn wurde die israelische Armee in der Nähe der nördlichen Grenze in höchste Alarmbereitschaft versetzt, da befürchtet wird, dass die Hisbollah versuchen könnte, einen Angriff durchzuführen, während die von den USA vermittelten Gespräche um die strittigen Seegrenzen stattfinden. Dabei heißt es, Jerusalem und Beirut stünden kurz vor einer Einigung. Doch die vom Iran gesponserte Gruppe Nasrallahs will nicht mitspielen.

Die jüngsten Spannungen zwischen den Nachbarn schwelen seit zehn Jahren und drehen sich um rund 860 Quadratkilometer Mittelmeer, die entlang der Grenze beider Länder verlaufen. Als die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen halfen, indirekte Gespräche über eine Einigung über die maritimen Grenzen zu vermitteln, erweiterte der Libanon seine Ansprüche um ein zusätzliches Gebiet von 1420 Quadratkilometern, das von Israel beansprucht wird. Darin liegt das Karisch-Feld, in dem ein großes Vorkommen an Erdgas vermutet wird. Es gibt noch ein zweites Gasfeld mit Namen Qana, das in dem umstrittenen Gebiet liegt.

erschließung 2017 bereits hatte das israelische Energieministerium einen Plan zur Erschließung von Karisch genehmigt, der Offshore-Bohrungen durch die griechische Ölgesellschaft Energean und den Transport von Gas auf israelisches Land über eine Pipeline umfasste. Israelische Satellitenbilder zeigen, dass die Energean-Gasbohrinsel knapp zehn Kilometer südlich des vom Libanon beanspruchten Gewässers liegt.

Doch mit der planmäßigen Ankunft der Gasplattform am 5. Juni spitzte sich der Streit zu. Beirut kochte vor Wut. Als Antwort forderte Israel eine Rückkehr an den Verhandlungstisch und versprach, in den umstrittenen 860 Quadratkilometern Gewässer nicht nach Gas zu bohren. Doch dann gab das israelische Militär an, es habe vier Hisbollah-Drohnen abgeschossen, die auf Karisch zuflogen. Nasrallah erläuterte anschließend seine Sicht der Dinge: »Die Schiffe, die das Gas fördern, sind israelisch, auch wenn sie unter griechischer Flagge fahren. Wenn die Förderung von Gas aus Karisch im September beginnt, bevor der Libanon seine Rechte erhält, haben wir ein Problem.«

Am Montag äußerte sich Verteidigungsminister Benny Gantz und warnte die Hisbollah, dass jeder Angriff auf israelische Gasanlagen einen Krieg auslösen kann. »Es könnte eine Reaktion nach sich ziehen, die zu einer Militärkampagne führt. Wir sind stark und auf dieses Szenario vorbereitet«, führte der Minister aus, schränkte jedoch ein, dass Jerusalem dies nicht wolle. Im Hinblick auf Karisch machte er klar, dass das Fördern aus dem Gasfeld beginnen werde, wenn es produzieren kann. »Der Staat Israel ist sowohl bereit, sein Vermögen zu schützen, als auch, über amerikanische Vermittlung eine Einigung mit der libanesischen Regierung zu erzielen.«

plattformen Der Libanon und Israel waren zuletzt im Jahr 2006 in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickelt. Heute sind sie durch eine von der UNO überwachte Waffenstillstandslinie getrennt, sie unterhalten keinerlei diplomatische Beziehungen.

Die USA vermitteln mit ihrem Gesandten Amos Hochstein, den Nasrallah wegen seines jüdisch klingenden Nachnamens verhöhnt. »Wenn sie weiter verhandeln wollen, sollen sie es. Aber nicht mit einem Hochstein, Frankenstein oder sonst irgendeinem Stein, der in den Libanon kommt.« Hochstein indes gibt sich optimistisch ob der Fortschritte bei den Gesprächen.

»Die Terrorgruppe läuft Gefahr, ihr Spiel zu übertreiben.«

Amos Yadlin, ehemaliger Mossad-chef

Die Aussage von Nasrallah steht in Widerspruch zum Willen der libanesischen Regierung, die den amerikanischen Gesandten ins Land eingeladen hatte, um die Spannungen abzumildern. So sagte auch der Außenminister Abdallah Bou Habib in Beirut, er sei »sehr zuversichtlich«, dass ein Durchbruch bei den Gesprächen nahe sei.

Und gerade dies könnte das Problem sein. Israelische Sicherheitsexperten befürchten nun, dass Nasrallah die Gespräche sabotieren will oder versuchen könnte, Israel noch einmal zu provozieren.
Der einstige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Amos Yadlin, warnte, dass die Hisbollah in ihren Provokationen zu selbstbewusst werde. »Die Terrorgruppe läuft Gefahr, ihr Spiel zu übertreiben und einen Konflikt mit Israel auszulösen«, erklärte er. So ähnlich habe die Eskalation vor dem letzten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah auch begonnen.

Europa Die Entwicklungen in dem Disput werden auch in Europa zunehmend mit großer Sorge verfolgt. Denn im Juni unterzeichneten Israel, Ägypten und die Europäische Union in Kairo eine gemeinsame Absichtserklärung, wonach Israel erstmals sein Erdgas über den Nachbarn im Süden nach Europa exportieren wird. Damit soll die dortige Energiekrise abgeschwächt werden, die durch Russlands Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden war.

Bei der Unterzeichnung in Ägypten war auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dabei, die sich davor in Jerusalem für israelische Lieferungen ausgesprochen hatte. Im vergangenen Jahr importierte die EU noch rund 40 Prozent ihres Gases aus Russland.

Doch auch der Libanon will dringend ein Abkommen über die Seegrenze im Mittelmeer. Die dortige Regierung, von Zersplitterung und Korruption geplagt, hofft, die Gasvorkommen schnell auszubeuten, um zu versuchen, die lähmende Brennstoffknappheit und Wirtschaftskrise des Levantestaates zu lindern, die das Land seit 2019 im Griff hat.

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026