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Einsatz

Hilfe im Zeichen des Davidsterns

IsraAID-Freiwillige leisten Erste Hilfe auf der griechischen Insel Lesbos. Foto: IsraAID

Offiziell gelten sie als Feinde. Doch wenn die Leute mit dem Davidstern auf dem T-Shirt ihnen die Hand reichen, werden sie umarmt und geküsst. In der oftmals verzweifelten Lage der ankommenden Flüchtlinge in Europa spielt es keine Rolle, ob die Helfer aus dem jüdischen Staat kommen. Die Freiwilligen der israelischen Non-Profit-Organisation IsraAID sind derzeit in Griechenland, Serbien und Kroatien unterwegs und leisten unermüdlich Notfallhilfe.

Dutzende von Booten mit jeweils 50 oder mehr Menschen aus den Krisengebieten in Nahost und Afrika erreichen die griechischen Inseln an jedem einzelnen Tag. Während die Einheimischen damit völlig überfordert sind, sorgen mittlerweile viele ausländische Vereinigungen vor Ort für Erste Hilfe.

Shachar Zahavi, der Gründungsdirektor des israelischen Forums für internationale humanitäre Hilfe (IsraAID), ist gerade aus Griechenland nach Tel Aviv zurückgekehrt, um weitere Unterstützung zu koordinieren. Wenige Tage vorher rettete sein Team in einer dramatischen Aktion vor der Küste Dutzende Menschen vor dem Ertrinken, als der Motor explodierte und das Boot sank. Zahavi erzählt: »Einige der Frauen, Kinder und die Babys konnten nicht schwimmen. Sofort sind unsere Leute ins Wasser gesprungen und haben sie rausgeholt. Anschließend kümmerten wir uns um ihre medizinische Versorgung. Wir haben alle gerettet.«

Trauma
Leider hat nicht jede Geschichte, die sich im Mittelmeer abspielt, einen guten Ausgang. Am Abend desselben Tages kenterte ein anderes Schlauchboot, mindestens 34 der Insassen ertranken, darunter 15 Kinder. Diese grauenvollen Erlebnisse hinterlassen oft schwere Traumata. Das ist der Grund, weshalb IsraAID nicht nur die kurzfristige Hilfe in Form von medizinischer Versorgung, Wasser, Lebensmitteln, Babynahrung und Hygienekits übernimmt, sondern sich auch um das psychische Wohl der Angekommenen sorgt.

Im Anschluss an die Tragödie baten die Vereinten Nationen die Organisation, den Überlebenden psychosoziale Betreuung im Flüchtlingslager auf der Insel Rhodos zur Verfügung zu stellen. IsraAID hat für diese Aufgaben extra Arabisch sprechende Experten, Psychologen, Krankenschwestern und Sozialarbeiter in seinem 15-köpfigen Team.

Und das ist an Extremsituationen auf der ganzen Welt gewöhnt, Grenzen sind für sie oft bedeutungslos. »Wir sind die einzige jüdisch-israelische Organisation, die in so vielen verschiedenen Ländern arbeitet«, sagt Zahavi. »Alle Mitglieder haben Erfahrung mit Katastrophen, sei es der Ebola-Ausbruch, Tsunamis, Erdbeben oder Zustände in Flüchtlingslagern.«

Doch die derzeitige Situation in Europa sei eine besondere Herausforderung. Das bestätigt die Managerin für die weltweiten Programme, Naama Gorodischer: »Die Leute bleiben nicht an einem Ort, sondern sind permanent unterwegs. Das macht die humanitäre Hilfe kompliziert und die Lage sehr angespannt.«

Flexibel Zahavi unterstreicht, dass das Team extrem flexibel sein muss. »Wir wissen einfach nicht, was passiert. Zuerst erreichen die Menschen die Strände und brauchen das Nötigste wie Wasser und Erste Hilfe. Dann müssen sie sofort weiter zur nächsten Grenze. Doch vielleicht ist die geschlossen, und sie brauchen Schlafsäcke. Oder aber sie ist geöffnet, und alle werden mit Hilfspaketen empfangen. Wir wissen es einfach nicht, denn Informationen gibt es so gut wie keine. Es ist wie ein Roulettespiel und kann sich jede Minute ändern.« Tausende stecken derzeit zwischen den osteuropäischen Ländern fest.

Auch auf den langen aufreibenden Wanderungen von einer Grenze zur nächsten lässt IsraAID die Menschen nicht im Stich. »Wir begleiten sie«, sagt Zahavi, »gehen mit ihnen Hand in Hand und versorgen sie mit Wasser, Essen, Decken, Hygieneartikeln und auch mit Zuspruch.« Der Aktivist kritisiert, dass niemand für die Lage dieser Menschen die Verantwortung übernehmen will, dass sie auf viel Ablehnung stoßen. »Wenn man bedenkt, dass die Leute gerade erst den Horror von Krieg und Tod in ihren Ländern hinter sich gelassen haben, dann diese gefährliche Reise unternehmen und in dieser schrecklichen Ungewissheit ankommen, ist das schon sehr problematisch.«

Doch IsraAID hat mehr vor, als nur unmittelbar da zu sein. »Wir wollen auch langfristig helfen. In Deutschland etwa möchte die Organisation arabisch- und englischsprachige Psychologen gewinnen, um die Menschen dort in der Traumabewältigung zu begleiten.« Um mehr Hilfe leisten zu können, sucht IsraAID im Moment gezielt die Unterstützung der jüdischen Gemeinden Europas im Sinne von Tikkun Olam – auch in Deutschland, erläutert Zahavi: »Jede Art von finanzieller Unterstützung ist mehr als willkommen, damit wir unsere mobilen Teams vor Ort weiter stärken können.«

Dass die Helfer allesamt aus Israel stammen, verheimlichen sie nicht. Auch nicht vor den Menschen aus den Feindesnationen Syrien, Iran oder Irak. Ihre blauen Shirts mit dem Davidstern-Logo tragen sie voller Stolz. »Natürlich«, sagt Zahavi, »betonen wir diese jüdisch-israelische Mission und zeigen, dass Juden und Israelis in der humanitären Hilfe engagiert sind. Israel trägt dazu bei, die Welt besser zu machen.«

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