Tempelberg

Gewalt und Gebete

Metalldetektoren auf dem Gelände des Tempelberges sollen das Mitbringen von Waffen verhindern. Foto: Flash 90

Wieder einmal ist der Tempelberg in Jerusalem Zentrum explosiver Spannungen zwischen Muslimen und Juden in Israel. Nach dem Attentat vom vergangenen Freitag, bei dem von der heiligen Stätte aus zwei Grenzpolizisten erschossen worden waren, erließ Israel neue Sicherheitsmaßnahmen am Eingang.

Beruhigt hat dies die Lage aber nicht. In den vergangenen Nächten gab es immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen arabischen Demonstranten und israelischer Polizei, bei denen Dutzende von Menschen verletzt wurden.

Waffen Das Attentat, das nach Meinung israelischer Politiker »jegliche Grenze überschritten hat«, fand am Freitagmorgen statt. Zwei junge Grenzpolizisten, die Dienst am Eingang zum Tempelberg hatten, wurden dabei von israelisch-arabischen Terroristen erschossen. Die drei Attentäter waren über das Areal des Tempelberges gekommen und anschließend wieder dorthin geflüchtet. Es wird vermutet, dass jemand ihnen geholfen haben könnte, Waffen in die heilige Stätte zu schmuggeln. Die Polizei sperrte daraufhin das Gebiet ab, die Regierung verhängte zum ersten Mal seit Jahren ein Verbot, den Tempelberg für das traditionelle Freitagsgebet zu nutzen.

Ab Sonntag aber ließ sie zwei von neun Zugangstoren wieder öffnen, am Eingang jedoch Metalldetektoren installieren, die von einer Privatfirma betrieben werden. Am Tag darauf durften auch jüdische Besucher wieder auf den Tempelberg. Vertreter der islamischen Verwaltung des Tempelberges, Waqf, weigerten sich allerdings am Sonntag, die heilige Stätte aufzuschließen, und riefen muslimische Gläubige auf, nicht auf den Tempelberg zu kommen, solange die Metalldetektoren an den Eingängen stehen. Sie werfen der israelischen Regierung vor, den Status quo ändern zu wollen.

Antwort Via Washington sandte der saudische König Salman daraufhin am Dienstag eine Aufforderung an Jerusalem, die Stätte wieder gänzlich für Gläubige zu öffnen. Das berichteten saudi-arabische Nachrichten. Premierminister Benjamin Netanjahu soll geantwortet und deutlich gemacht haben, dass der Status quo nicht geändert werde und sich saudische Offizielle gern persönlich davon überzeugen könnten. Offiziell äußerte sich das Büro des Premiers allerdings nicht. Der Status quo besagt, dass lediglich Muslime auf dem Gebiet beten oder religiöse Rituale vornehmen dürfen. Vertreter anderer Religionen dürfen den Tempelberg aber besuchen. Die Stätte ist für Muslime wie Juden heilig.

Vor den Eingängen kam es am Sonntag und Montag mehrfach zu Gerangel, als einige muslimische Gläubige andere davon abhalten wollten, die Stätte zu betreten. Trotz der inständigen Bitten des Jerusalemer Polizeichefs Yoram Halevi wollten einige Mitglieder der Waqf die neuen israelischen Sicherheitsmaßnahmen nicht hinnehmen. Viele hielten sich daran, doch mehrere Hundert gingen dennoch, darunter auch der Vorsitzende des Waqf.

auseinandersetzungen Andere Waqf-Offizielle organisierten ein Protestgebet vor den Sicherheitstoren. Manche der Teilnehmer riefen: »Im Geiste und im Blute werden wir dich verteidigen – Al-Aksa-Moschee!« Fernsehbilder des Kanals 2 zeigten am Sonntagabend gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und israelischen Sicherheitskräften. Ein Prediger wurde festgenommen. Insgesamt gab es zehn Verletzte. Halevi bekräftigte die Notwendigkeit der Maßnahmen: »Wir bauen sie nicht wieder ab. Wir wollen eine sichere Atmosphäre schaffen, nachdem die zwei Polizisten getötet wurden.«

Von Anfang an hatte der Premierminister wiederholt klargestellt, der Status quo werde nicht angetastet, und hinzugefügt, er verstehe, dass es Verärgerung wegen der Metalldetektoren gebe. »Die kulturellen Spannungen, die dadurch entstehen, sind hinzunehmen, denn wir könnten uns noch einmal mit einem solchen Angriff konfrontiert sehen. Daher sind sie nötig, wie auch die Kameras, die wir an den Masten außerhalb des Tempelberges installieren werden.«

Hass Kurz nach dem Attentat hatten sich Netanjahu und der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, in einem der seltenen Telefongespräche darauf geeinigt, die Lage zu beruhigen. Netanjahu versicherte dabei noch einmal, dass der Status quo auf dem Tempelberg nicht geändert werde, und Abbas verurteilte den Anschlag. Doch andere fachen die Flammen des Hasses weiter an, allen voran die Hamas im Gazastreifen. Vertreter von Abbas’ Partei Fatah riefen zu einem »Tag des Zorns« am Montag auf. In Amman attackierte der Sprecher des jordanischen Parlaments, Atef a-Tarawana, Jerusalem wegen der Metalldetektoren.

Die getöteten Grenzpolizisten Kamil Schnaan (22) und Ha’il Satawi wurden derweil in ihren Heimatdörfern beerdigt. Sicherheitsminister Gilad Erdan kam zu den Beisetzungen und lobte den mutigen Einsatz der Männer, »die damit viele Menschenleben gerettet haben«. Der 30-jährige Satawi war erst vor drei Wochen zum ersten Mal Vater geworden. Schnaan war der jüngste Sohn des ehemaligen drusischen Knessetabgeordneten Schachiv Schnaan. Unter Tränen sagte dieser bei der Trauerfeier, er habe seinen Sohn dazu erzogen, das Land, die Leute und das Leben zu lieben. »Ich bete darum, dass er das letzte Terroropfer ist – damit die Menschen endlich verstehen: Genug ist genug.«

Nahost

Israelische Kampfjets fliegen bis an iranische Grenze – Sorge vor Eskalation vor der Wahl

Was passierte im Luftraum über Syrien und dem Irak und warum?

 22.10.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Alle Feinde Israels wollen, dass ich verliere«

Der israelische Ministerpräsident wirft Iran und verbündeten Gruppen vor, die bevorstehende Wahl beeinflussen zu wollen

 22.10.2026

Gaza/Jerusalem

Hamas droht mit neuem Angriff nach dem Muster des 7. Oktober

Die palästinensische Terrororganisation soll Israel über einen UN-Vermittler mit einem weiteren Massaker gedroht haben. Die Warnung bezieht sich auf mögliche Anschläge in Israel und im Ausland

 22.10.2026

Israel

Knessetwahl: Soldaten können bereits abstimmen

In weniger als einer Woche wählt Israel ein neues Parlament. Bereits jetzt dürfen Soldaten die Wahlkabinen betreten - diese werden ihnen bis in den Libanon und nach Syrien gebracht

 21.10.2026

New York/Gaza

Frühere Lehrerin aus Gaza warnt vor Judenhass an UNRWA-Schulen

Die Pädagogin sagt, die ideologische Indoktrinierung palästinensischer Kinder könne den Nährboden für ein weiteres Massaker wie das vom 7. Oktober 2023 schaffen

 21.10.2026

Jerusalem

Netanjahu nennt Sturz der iranischen Führung als Ziel

»Ich bin entschlossen, die Aufgabe zu Ende zu bringen«, sagt der israelische Regierungschef

 21.10.2026

Gaza

Israel tötet Hamas-Terroristen, der Shani Louk verschleppte

Tamer Mohammad Ibrahim al-Sabbagh war das letzte lebende Mitglied der Hamas-Zelle, die am 7. Oktober 2023 die deutsch-israelische Geisel entführte

 21.10.2026

Sicherheit

Nach Ausschreitungen: Israel rechnet mit vermehrter Einwanderung von Juden aus Frankreich

Die Hintergründe

 21.10.2026

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026