Schweiz

Drittes jüdisches Mädchen tot

Blumen und Kerzen sind als Zeichen des Gedenkens an die Opfer nach dem Brand in der Bar und Lounge »Le Constellation« in Crans-Montana.
Blumen und Kerzen sind als Zeichen des Gedenkens an die Opfer nach dem Brand in der Bar und Lounge »Le Constellation« in Crans-Montana. Foto: picture alliance/KEYSTONE

In der Silvesternacht wurde für unzählige junge Menschen das Feiern zum tödlichen Alptraum. In einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist es in den frühen Morgenstunden zu einem Flammeninferno gekommen, bei dem unzählige, vor allem sehr junge Menschen ums Leben kamen. Ein Feuer, dessen Ursache nach wie vor Stand der Ermittlungen der Schweizer Behörden ist, vermutlich aber durch Wunderkerzen und brennbarem Deckenmaterial ausgelöst wurde, hatte sich in der Bar, die sich im Untergeschoss eines Gebäudes befand, durch einen sogenannten Flashover-Brand schlagartig verbreitet. Insgesamt starben bei dem Brand rund 40 Menschen, mindestens 115 weitere wurden verletzt.

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana versetzte auch die jüdische Schweiz in eine Schockstarre. Unter den 40 Toten befinden sich drei jüdische junge Frauen. Wie die Jüdische Gemeinde von Lausanne und des Kanton Waadts in einer Mitteilung am Sonntag bestätigte, handelte es sich bei zwei der drei Toten um die 15-jährige Alicia Gonset und ihre 14-jährige Schwester Diana Gonset. Die beiden Teenager stammten aus Pully, einem Vorort von Lausanne, wo Familie auch Teil der jüdischen Gemeinde ist.

Beerdigung in Paris

Bei der dritten jungen Frau, die erst am Sonntag identifiziert wurde, handelt es sich um die Dreifachbürgerin (Frankreich/Großbritannien/Israel) Charlotte Niddam. In den sozialen Medien gab Niddams Familie ihren Tod »mit großer Trauer« bekannt und erklärte, die Einzelheiten der Beerdigung würden zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Die Beerdigung werde voraussichtlich in Paris stattfinden.

Auch die britische Außenministerin Yvette Cooper bestätigte die Nachricht in einem Beitrag auf X. Die 15-jährige Charlotte besuchte das Immanuel College, eine Privatschule in Hertfordshire, und die Jewish Free School im Nordwesten Londons. Laut der Website des Resorts Crans-Montana arbeitete Charlotte als Babysitterin in der Gegend.

Im gleichen Gebäudekomplex, in dem das Feuer ausgebrochen war, befindet sich ein Betlokal von Chabad Lubawitsch. Anfänglich gab es laut lokalen Berichten Befürchtungen, dass das Feuer gezielt der jüdischen Gemeinde gegolten haben könnte.

Forensiker aus religiöser Überzeugung

Als in der Silvesternacht das Feuer in der Bar »Le Constellation« ausbrach, wurde auch die israelische Forensikorganisation Zaka alarmiert. Zaka ist auf Einsätze nach schweren Unglücken, Explosionen und Terroranschlägen spezialisiert und rückt weltweit bei schweren Unglücken aus. Der letzte Auslandseinsatz der Organisation fand Mitte Dezember 2025 in Australien nach dem Angriff am Bondi Beach statt.

Innerhalb weniger Stunden das Team mit Forensikern und Hightech-Ausrüstung in die Schweiz, um bei der Identifizierung der 40 Todesopfer zu helfen. Die Organisation arbeitet aus religiöser Überzeugung daran, alle sterblichen Überreste korrekt zuzuordnen, damit würdige Bestattungen möglich sind. Wie jedoch von Seiten der Organisation aber immer wieder betont wird, helfe man bei der Identifizierung der Leichen unabhängig der Religion.

Trotz großer Erfahrung aus Terroranschlägen und Bränden – etwa in Israel oder Australien – kam der Einsatz in Crans-Montana nicht zustande: Die Schweizer Behörden führten die Identifikation selbst durch und schlossen sie nach wenigen Tagen ab. Zaka wurde nicht zur Unfallstelle zugelassen, blieb aber vor Ort, um Angehörige zu unterstützen. Wie es von Seiten von Zaka heißt, respektiere man den respektvollen Austausch mit den Schweizer Behörden. Die Schweizer Verantwortlichen hätten außerordentliche Arbeit geleistet.

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Eigens nach Crans-Montana angereist ist am Sonntag der israelische Botschafter in der Schweiz, Tibor Schlosser. Er drückte vor Ort sein Mitgefühl aus und bot praktische Unterstützung an. Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, erklärt sich Israel auf unbeschränkte Zeit bereit, Schwerverletzte aufzunehmen. »Verschiedene israelische Krankenhäuser haben angeboten, Patienten aufzunehmen.«

Außerdem bestehe auch die Möglichkeit, dass bei Bedarf ein Team spezialisierter Ärztinnen und Ärzte in die Schweiz reisen würde, um Expertenwissen zu teilen. Insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 sei man in der Behandlung von Verbrennungsopfern sehr weit gekommen. Ebenso bei der forensischen Arbeit. »So würden auch die israelische Archäologiebehörde bei Bedarf die Schweizer Forensiker unterstützen«, sagte Schlosser.

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