Konferenz

Für eine bessere Welt

Mit Musik geht alles besser: Israels Bild durch Kunst und Kultur zu verbessern, ist eine der beim ROI-Gipfel diskutierten Ideen. Foto: Marco Limberg

Als Idoe Cohen im Anschluss an seinen Armeedienst zum Studium nach New York ging, wehte ihm ein eisiger Wind entgegen. »In Sachen Israel herrschte ein furchtbar raues Klima«, entsinnt er sich. »Alles drehte sich nur um den Nahostkonflikt.« Der US-Israeli wünschte sich ein differenzierteres Bild. Doch er wartete nicht auf bessere Zeiten, sondern machte sich daran, selbst eins zu kreieren. »Israel durch Kunst und Kultur vermitteln«, schrieb er sich auf die Fahnen, lud israelische Musiker und andere Künstler auf den Campus ein. Die »kraftvollen Erlebnisse« zeigten ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist. In diesen Tagen ist Cohen einer von 150 jungen jüdischen Innovatoren, die in Jerusalem zum ROI-Gipfel zusammengekommen sind.

Community Die ROI-Gemeinde (www.roi-communitiy.org) umfasst mittlerweile um die 600 Personen in 40 Ländern auf sechs Kontinenten. Sie stammen aus Hongkong und Zagreb, aus Beer Sheva, Wien und allen möglichen anderen Ecken der Welt. Ihre Ansätze könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch haben sie ein gemeinsames Ziel: die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die jungen Frauen und Männer, meist zwischen 20 und 30, sind Cyber-Aktivisten und Geschäftsleute, Hobbyphilosophen, Künstler und Köche. Jeder von ihnen trägt auf ganz persönliche Weise dazu bei, jüdisches Leben zu wandeln, zu vernetzen und positiv zu beeinflussen.

»Diese jungen jüdischen sozialen Unternehmer verwandeln die jüdische Welt durch ihre Initiativen und ihren Einsatz für Tikkun Olam«, sagt die US-Philantropin Lynn Schusterman, die ROI 2005 gemeinsam mit Taglit-Birthright Israel gegründet hatte. »Als Aktivisten des Wandels in ihren Gemeinden sichern sie jüdisches Leben in Israel und überall sonst auf der Erde sicherlich für die nächsten 3.000 Jahre.«

Bindung Cohen ist längst kein Student mehr. Auch kehrte er New York den Rücken, nennt heute wieder Tel Aviv seine Heimat. Hier muss er niemanden überzeugen, dass Israel mehr ist als nur Konflikt. Und doch ist es nach wie vor seine Herzensangelegenheit, den Menschen außerhalb der Landesgrenzen Nuancen israelischen Lebens zu zeigen. Er gründete www.omanoot.com, eine Website, die Kunst und Kultur aus Israel vorstellt. »Die Menschen dürsten nach einer Bindung an das Land, die nichts mit Politik zu tun hat«, ist der 33-Jährige sicher.

Er hat zusätzlich ein Bildungsprogramm entwickelt, mit dem Schulen und Universitäten die Vielfalt Israels anhand kultureller und künstlerischer Beispiele unterrichten können. Der Erfolg gibt ihm recht: Seine Facebook-Seite hat bereits mehr als 20.000 Anhänger, mit steigender Tendenz. Derzeit arbeitet er gemeinsam mit Freiwilligen an lokalen Ablegern seiner Internetseite für den kulturellen Austausch, darunter Omanoot-Frankreich und Omanoot-Deutschland.

Politik Für Ilja Sichrovsky gehört Politik mit auf die Agenda. 2009 rief er die »Muslim-Jewish Conference« ins Leben, die sich der Verständigung der beiden Gruppen verschrieben hat. »Man soll von Angesicht zu Angesicht im Dialog stehen, eine gemeinsame Sprache des Respekts entwickeln und Stereotype abbauen«, erklärt er das Ziel. Für die nächste Konferenz vom 3. bis 8. Juli in Kiew sind bei ihm bereits 80 Anmeldungen aus 30 Ländern eingegangen.

Das Treffen in Jerusalem nutzt der junge Jude aus Wien hauptsächlich für zwei Dinge: Kontakte knüpfen und von anderen lernen. Vom Ergebnis, Synergien zu erzeugen, ist er beeindruckt. »Ich war schon auf einigen jüdischen Treffen, doch ROI ist das Beste, was momentan in diesem Bereich existiert. Es gibt hier viel Kompetenz von jungen jüdischen Leuten mit unterschiedlichstem Hintergrund.«

Netzwerk Der Direktor von ROI, Justin Korda, bestätigt: »Unsere Gemeinschaft schafft einen Ort, wo Verbindungen und Innovationen geschehen. Unser ultimatives Ziel ist es, dynamische junge Juden zueinanderzubringen, die ihre Ideen in Initiativen umsetzen und damit die Freude des jüdischen Lebens in alle Gemeinden der Welt senden.« Anvisiert wird ein Netzwerk mit etwa einer Million Mitglieder aus den verschiedensten Bereichen des jüdischen Lebens.

Rochelle Shoretz hat mit ihrer Initiative ihr Glück gefunden. Dabei war ihr Weg alles andere als rosig. Mit 28 Jahren erkrankte die US-Anwältin an Brustkrebs, ein Schock für sie und ihre Familie. Doch die energiegeladene Frau zog Positives aus dem Schrecken. Sie gründete www.sharsheret.org, ein Netzwerk, das jüdischen Familien hilft, deren Mitglieder an Brustkrebs erkrankt sind. Heute, zehn Jahre später, hat ihre Organisation 13 Angestellte und Tausende von Volontären.

Ihre persönlichen Erfahrungen will sie in Jerusalem an die Neulinge weitergeben und ihnen Mut machen: »Jüdisches Engagement ist nicht nur ein Traum. Man kann damit eine Karriere aufbauen, seine Familie ernähren, und es ist so ungeheuer inspirierend«, sagt sie voller Enthusiasmus. »Lasst euch nicht abschrecken, wenn ihr in eurer Umgebung die Einzigen mit neuen Ideen seid. Denn ihr seid die Zukunft!«

Kommentar

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