Vermisst

Friedensaktivist und Journalist

Über Jahrzehnte hat er für die Rechte der Beduinen und der Palästinenser gekämpft. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Vermisst

Friedensaktivist und Journalist

Oded Lifshitz (83) wird seit 90 Tagen von der Hamas als Geisel in Gaza gefangen gehalten

von Sophie Albers Ben Chamo  04.01.2024 10:53 Uhr

Das letzte Mal von den Großeltern gehört hatte die Familie Lifshitz am 7. Oktober 2023 um 9 Uhr morgens. »Danach nichts mehr«, sagte der Enkel Daniel dem Sender i24. »Ihr Haus war das erste am Zaun an der Grenze zu Gaza.« Die Terroristen haben es verwüstet und angezündet. Jocheved und Oded Lifshitz wurden in den Gaza­streifen verschleppt.

Jocheved wurde am 23. Oktober freigelassen, während ihr Mann weiterhin gefangen gehalten wird. Wie es ihm geht, ob der lungenkranke Mann noch lebt, ist nicht bekannt. Dieses Auseinanderreißen von Familien hat System und ist Teil der psychologischen Kriegsführung der Hamas.

Oded ist 83 Jahre alt. Er und Jocheved gehören zu den Gründungsmitgliedern des Kibbuz Nir Oz. Seit 1955 wohnen sie dort. »Sie haben die Idee von Ben Gurion gelebt. Sie haben ihr Leben dem Kibbuz und der Menschlichkeit gegeben«, so der Enkel. Oded Lifshitz war Journalist der Arbeiterzeitung »Al-Hamishar« und als Menschenrechtsaktivist in der Welt unterwegs.

Über Jahrzehnte hat er für die Rechte der Beduinen und der Palästinenser gekämpft

Als einer der ersten Journalisten berichtete er über das Massaker in Sabra und Schatila, so Israels Journalisten-Gewerkschaft. Über Jahrzehnte hat er für die Rechte der Beduinen gekämpft und für die der Palästinenser. Jede Woche fuhr er zum Checkpoint Erez, um Kranke aus Gaza in Kliniken nach Israel zu fahren.

»Ein Mensch, der tut, was richtig ist«, sagt der Enkel stolz. Und bis zuletzt ging Oded jede Woche auf die Straße, um gegen die polarisierende Politik der Regierung Netanjahu zu demonstrieren, auch wenn er zunehmend fragil wurde. Wie viele Menschen in seinem Alter braucht er Medikamente, um zu überleben, erzählt seine Tochter Sharone. Ob Oded diese bekommt, ist fraglich. Seit 90 Tagen wird er gefangen gehalten.

Es ist ein Albtraum, der nicht hätte passieren dürfen, sagt Enkel Daniel nach Worten suchend, bevor er mit Israels Regierung hart ins Gericht geht. »Das Wichtigste ist jetzt, die Geiseln zu befreien. Sie sterben dort. Das Kabinett und Premierminister Benjamin Netanjahu tragen die Verantwortung für ihr Leben!«

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Nachrichten

Basketball, Ärzte, Straßenbahn

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Tourismus

Chinesische Influencer für Israel

Vor dem Krieg reisten jährlich rund 150.000 Besucher aus dem Reich der Mitte in den jüdischen Staat. Die Regierung versucht nun, diese Zielgruppe zurückzugewinnen

von Sabine Brandes  09.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  09.09.2026

26. Knesset

Die Unentschiedenen könnten die Wahl entscheiden

38 Parteien treten zur Knesset-Wahl an. Umfragen zufolge herrscht zwischen den Blöcken um Premier Netanjahu und der Opposition ein enges Patt

von Sabine Brandes  09.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  09.09.2026