Freigelassene Geiseln

»Wir hatten Todesangst«

Doron Steinbrecher nach ihrer Freilassung mit einem Familienmitglied Foto: picture alliance / abaca

Zwei Tage nach der Freilassung der jungen Frauen Emily Damari, Romi Gonen und Doron Steinbrecher werden immer mehr Details über ihre Gedanken und Ängste während ihrer Gefangenschaft in Gaza bekannt.

Laut dem israelischen Fernsehsender Kanal 12 sprach eine der Freigelassenen über den Moment, als sie am Sonntag in Gaza-Stadt dem Roten Kreuz übergeben wurden – demselben Roten Kreuz, das keine der Geiseln jemals besucht hat. Unzählige maskierte Hamas-Terroristen und palästinensische Schaulustige standen um sie herum.

»Wir hatten am Übergabepunkt Todesangst, weil die bewaffneten Terroristen und die Menschenmenge aus Gaza zusammenkamen«, so die zurückgekehrte Ex-Geisel. Bekannt wurde auch, dass die Frauen im Alter von 24, 28 und 31 Jahren erst wenige Stunden vor ihrer Freilassung darüber informiert wurden, dass sie nach Hause würden zurückkehren können.

Kaum Tageslicht

Romi Gonen, die jüngste der drei Frauen, war beim Supernova-Festival, als Terroristen aus Gaza plötzlich auf dem Gelände auftauchten, 364 Menschen ermordeten und viele vergewaltigten und verletzten. Zusammen mit 39 weiteren Festivalbesuchern wurde sie zur Geisel.

Emily Damari und Doron Steinbrecher wurden hingegen in ihren Wohnungen in der Nähe des Kibbuz Kfar Aza gefangengenommen. Während die drei Frauen Glück hatten, nicht ermordet zu werden, begannen für sie jedoch 471 Tage der Qual.

Dem TV-Bericht zufolge wurden Romi, Emily und Doron nicht allein, sondern mit anderen Geiseln festgehalten. Immer wieder wurden sie an neue Orte gebracht, inklusive der humanitären Zone, die Israel im Süden des Gazastreifens zum Schutz von Zivilisten einrichtete. Zumeist blieben sie im Untergrund und sahen kaum Tageslicht.

»Ich dachte, ich würde in Gaza sterben«

Ab und zu durften die Verschleppten fernsehen oder Radio hören. Dadurch bekamen sie mit, dass Tausende Israelis regelmäßig für ihre Freilassung demonstrierten. »Wir haben von eurem Kampf gehört und wir haben unsere Familien gehört, die ebenfalls für uns gekämpft haben«, erklärten die Freigelassenen.

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Die Details der Attacke des palästinensischen Terrors am 7. Oktober 2023 kannten die Frauen zunächst nicht komplett, sammelten diese Informationen jedoch nach und nach zusammen. Sie wussten, dass ihre Familien den Terrorüberfall der Hamas überlebt hatten, hörten aber auch von der Ermordung vieler ihrer Freunde.

Viel Hoffnung hatten Doron, Emily und Romi nicht. »Ich glaubte nicht, dass ich zurückkehren würde. Ich dachte, ich würde in Gaza sterben«, sagte eine von ihnen dem Bericht zufolge.

Reisen nach Berlin

Medizin bekamen die Geiseln manchmal. Eine von ihnen musste eine medizinische Prozedur ohne Betäubung über sich ergehen lassen. Es könnte sich dabei um Emily Damari handeln, die während des Terrorangriffs am 7. Oktober 2023 verletzt wurde und zwei Finger verlor.

Bei einer Pressekonferenz im Sheba Medical Center, dem in Ramat Gan gelegenen größten Krankenhaus Israels, in das die Frauen sofort nach ihrer Freilassung per Hubschrauber geflogen wurden, äußerten sich Familienmitglieder. Ihnen zufolge geht es Doron, Emily und Romi gut.

Sie dankten der Regierung, den Vermittlern, dem neuen US-Präsidenten Donald Trump und dem israelischen Volk für die erfahrene Unterstützung. Romi Gonens Mutter und Schwester reisten in den vergangenen 15 Monaten auch nach Berlin, um die Bundesregierung um Unterstützung zu bitten.

Dank an die israelische Armee

Der Bruder von Emily Damari, Tom Damari, dankte auch den israelischen Streitkräften (IDF) und deren Soldaten für ihren Kampf gegen den Terror in Gaza. Dank ihres Einsatzes habe er Emily wieder in die Arme nehmen können.

Meirav Leshem Gonen, Romis Mutter, sprach über die Freunde, die damals ermordet wurden, und die weiterhin in Gaza befindlichen Geiseln. »Wir sind die israelische Nation, eine besondere Nation, die Frieden will«, erklärte sie. »Es gibt 94 weitere unserer Brüder und Schwestern in Gaza. Wir sind tapfer und mutig und werden sie zurückholen.«

Romi Gonen selbst publizierte ihren ersten Instagram-Post seit ihrer Freilassung. »Es gibt ein Leben nach dem Tod«, schrieb sie. Sie sei dem israelischen Volk, ihrer Familie und ihren Freunden dankbar. »Ihr bewegt mich in einer Art und Weise, die ich nicht beschreiben kann«, heißt es in dem Eintrag. Weiterhin befänden sich 94 Geiseln in Gaza, die gerettet werden müssten.

Am Samstag sollen vier weitere Geiseln freikommen. Laut Hamas handelt es sich um weitere Frauen. Wann und ob der inzwischen zweijährige Kfir Bibas, sein fünfjähriger Bruder Ariel und ihre Eltern freigelassen werden, ist unklar. Selbiges gilt für viele weitere Fragen in Zusammenhang mit den Geiseln und ihrem Leid.

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