Jerusalem

EU-Parlamentspräsident in der Knesset

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, hat heute während seines Besuches in Israel und den Palästinensergebieten auch vor der Knesset gesprochen – auf Deutsch. Er erinnerte an die Nazivergangenheit seines Landes und daran, wie das jüdische Volk nach dem Holocaust wieder aufgestanden sei. Auch die Friedensverhandlungen zwischen den Palästinensern und Israel machte Schulz zum Thema. Doch die Rede war nicht unumstritten. Die gesamte Fraktion des rechtsgerichteten »Jüdischen Hauses« verließ den Saal, während Schulz redete.

Ihm sei die Besonderheit bewusst, in der Knesset eine Rede in deutscher Sprache zu halten, wofür er sich ausdrücklich bedanke. Auch betonte Schulz, welche Ehre es bedeute, »im Herzen der Demokratie Israels« zu sprechen. Obwohl er 1955, also lange nach dem Holocaust, geboren wurde, trage er Verantwortung, »weil der Massenmord im Namen meiner Nation durchgeführt wurde. Jeder Deutsche trägt sie.« Daher sei es seine Pflicht, »Nie wieder!« zu schwören. »Israel ist die Hoffnung eines Volkes, frei in seiner Heimat zu leben. Es ist eine Hoffnung, die Realität geworden ist, ein Traum der Menschheit«, so Schulz.

Iran Der europäische Parlamentspräsident betonte, dass man in Europa daran arbeite, Antisemitismus und Ultranationalismus zu bekämpfen: »Wir haben ein Immunsystem gegen Hass und Krieg aufgebaut. Wir verteidigen das Recht Israels zu existieren und das Recht des jüdischen Volkes, in Sicherheit und Frieden zu leben.« In diesem Zusammenhang erklärte er, dass ein atomar bewaffneter Iran nicht nur Israel bedrohe, sondern die ganze Welt, und der Iran daher niemals über Nuklearwaffen verfügen dürfe.

Doch als Schulz die Selbstbestimmung der Palästinenser betonte und erklärte, der Siedlungsbau sei eine »Hürde auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung«, war es für einige Parlamentarier zu viel der Einmischung, besonders in deutscher Sprache. Zwei Abgeordnete des Jüdischen Hauses, Motti Jogew und Orit Struck, unterbrachen den Redner mit Zwischenrufen. Und als Schulz den ermordeten Ministerpräsidenten Israels, Yitzhak Rabin, mit dem Satz zitierte: »Frieden wird mit Feinden gemacht, nicht mit Freunden«, verließ die gesamte Fraktion des Jüdischen Hauses demonstrativ den Saal.

Ehrendoktor Kurz darauf schrieb ihr Vorsitzender Naftali Bennett auf seiner Facebook-Seite: »Wir werden nicht still sein, wenn es um Lügen geht.« Die Partei, die den jüdischen Siedlern nahesteht, echauffiert sich vor allem darüber, dass Schulz sagte, Palästinenser würden nur 17 Liter Wasser am Tag verbrauchen, während Juden 70 zur Verfügung stünden. Das Jüdische Haus verlangt nun eine Entschuldigung des EU-Parlamentspräsidenten für »Lügen und täuschende Moralpredigten«. Man werde das so nicht hinnehmen, schrieb Bennett weiter. »Und definitiv nicht auf Deutsch.«

Am Tag zuvor, bei seiner Reise durch Israel und die Palästinensergebiete, wurde Schulz nicht kritisiert, sondern gepriesen. Die Hebräische Universität in Jerusalem verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

Hier machte Schulz klar, dass Europa sich nicht in die Verhandlungen einmischen wolle, sondern die Bemühungen von US-Außenminister John Kerry unterstütze. Auch habe die EU kein Interesse daran, Israel zu boykottieren, versicherte er in seiner Dankesrede. »Es gibt keinen Boykott. Im Europäischen Parlament existiert mit Sicherheit keine Mehrheit für einen potenziellen Boykott.«

Tel Aviv

Gemeinsames Seemanöver Deutschlands und Israels vor Haifa

Ein Schiff der Bundesmarine besucht Haifa, es folgt ein Manöver mit Israel. Die gemeinsame Seefahrt geschieht vor dem Hintergrund einer weiter angespannten Lage in der Region nach dem Iran-Krieg

 25.06.2026

Israel

Ex-Armeechef Eisenkot könnte Netanjahu ablösen

In Umfragen holt seine Partei Jaschar rasant auf und liegt auf dem zweiten Platz hinter Likud

von Sara Lemel  25.06.2026

Knesset

Wahltag mit Fragezeichen

Der 20. Oktober gilt als Favorit für Israels nächste Parlamentswahl. Doch Streit in der Koalition und offene Gesetzesvorhaben könnten den Zeitplan noch verändern

von Sabine Brandes  25.06.2026

Nachruf

Jom-Kippur-Veteran Simcha Applebaum gestorben

Der Holocaust-Überlebende, Reservisten-Oberst und Mitbegründer des Kibbuz Netzer Sereni wurde 99 Jahre alt

 25.06.2026

Humanitäre Hilfe

Mehr als 10.000 Tote in Venezuela erwartet

Die Hilfsorganisation IsraAID macht sich auf den Weg in das lateinamerikanische Land nach den zwei verheerenden Erdbeben vom Mittwochabend

von Sabine Brandes  25.06.2026

Gesellschaft

Erste Hilfe für Plüsch und Seele

Im Norden Israels wurden Kuscheltiere zu Patienten – und Kinder finden zwischen Unsicherheit und Alltag ein Stück Geborgenheit

von Sabine Brandes  25.06.2026

Wettbewerb

Borat und der König vom KitKat

Am Strand von Tel Aviv versammelten sich Doppelgänger des Schauspielers Sacha Baron Cohen

von Sabine Brandes  25.06.2026

Jerusalem

Katz: IDF bleibt im Südlibanon – auch bei möglichem Druck aus Washington

»Die IDF sind vorbereitet … und wir ziehen uns nicht zurück«, sagt der israelische Verteidigungsminister

 25.06.2026

Nachrichten

Erfrischung, Iran, Design

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.06.2026