Friedensplan

»Eine einmalige Möglichkeit«

Premier Benjamin Netanjahu ist auf Einladung von US-Präsident Trump in Washington Foto: Flash 90

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionsführer Benny Gantz sind in Washington eingetroffen, um sich mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Trump hatte die beiden eingeladen, um ihnen die Grundzüge seines Friedensplans vorzustellen, den er als »Deal des Jahrhunderts« bezeichnet. Der Plan soll den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beenden.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Trump den israelischen Spitzenpolitikern angeblich sechs Wochen Zeit einräumen wolle, um seine Vorschläge anzunehmen oder abzulehnen. Damit, so befürchten viele, würde Washington großen Einfluss auf die israelische Politik nehmen. Am 2. März wird in Israel zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein neues Parlament gewählt.

»Wir befinden uns inmitten sehr dramatischer diplomatischer Geschehnisse«, sagte Netanjahu vor dem Abflug in Israel. »Ich bin mir sicher, dass eine solche Möglichkeit einmalig ist – und wir dürfen sie nicht verpassen. Am Dienstag werden wir gemeinsam Geschichte schreiben.«

Gantz will Trump persönlich als Vorsitzender der größten Partei Israels treffen.

Gantz hatte es geschafft, ein eigenes Treffen mit dem US-Präsidenten zu arrangieren, nachdem Netanjahu zunächst angekündigt hatte, er werde gemeinsam mit seinem politischen Opponenten auf Trump treffen. »Gantz‘ süßer Sieg«, titelte daraufhin die Online-Tageszeitung »Times of Israel«.

Der Chef der Union Blau-Weiß sagte vor seiner Reise: »Dies sind schicksalhafte Zeiten, sowohl für Israels Grenzen und seinen Charakter als auch für sein demokratisches Gefüge«. Daher habe er entschieden, die Einladung von Präsident Trump anzunehmen und ihn persönlich als Vorsitzender der größten Partei Israels zu treffen.»

Wahltermin Trump hatte den Plan bereits mehrfach angekündigt. Der Zeitpunkt der jetzigen Veröffentlichung, etwas mehr als einen Monat vor der Wahl, stößt auf Kritik der Opposition. So ließ der Vorsitzende der Partei Israel Beiteinu, Avigdor Lieberman, wissen, dass er es «sehr suspekt» findet, wenn ein Friedensplan fünf Wochen vor dem Wahltermin veröffentlicht wird. Es gebe keine Möglichkeit, ihn umfassend zu diskutieren. «Bei einem Friedensplan aber zählt jede Zeile, ja, jedes Wort.» Stattdessen, meint Lieberman, diene die Botschaft aus dem Weißen Haus einzig dazu, Netanjahu beim nächsten Urnengang zu stärken.

Israelischen Medienberichten zufolge sieht Trumps Plan unter anderem die Annektierung von sämtlichen israelischen Siedlungen im sogenannten «Gebiet C» im Westjordanland vor. Netanjahu machte zudem wiederholt klar, er wolle das Jordantal an Israel anbinden. Dieses palästinensische Gebiet liegt an der Grenze zum Nachbarn Jordanien.

Das haschemitische Königreich hatte stets betont, dass eine Annexion inakzeptabel sei. Andere Teile des Westjordanlandes sollen an einen demilitarisierten Palästinenserstaat gehen. Jerusalem bleibe vollständig unter israelischer Kontrolle, mit lediglich einer symbolhaften Präsenz der Palästinenser, heißt es weiter. Trump hatte indes geschrieben, dass die vorab veröffentlichten Details nicht korrekt seien.

Palästinenserstaat Verteidigungsminister Naftali Bennett von der Rechtsaußen-Partei «Neue Rechte» tat während einer Konferenz am Sonntag seine Auffassung kund, dass «Israel unter keinerlei Bedingungen die Errichtung eines Palästinenserstaates erlauben wird».

Mahmud Abbas warnt vor «ernsten Folgen», sollte die palästinensische Seite übergangen werden.

Die Palästinenserführung selbst wies Trumps Plan bereits vor Monaten, vor dem Bekanntwerden jeglicher Details, zurück. Sie wirft Washington vor, in dem Konflikt gänzlich auf israelischer Seite zu stehen. Ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnte vor «ernsten Folgen», sollte ihre Seite übergangen werden. «Der ›Deal des Jahrhunderts‹ wird nicht ohne die Zustimmung der Palästinenser vonstattengehen», wetterte Abbas. Für die Verkündigung der Details ist bereits ein Tag mit Ausschreitungen in den Palästinensergebieten angekündigt.

Während Netanjahu und Gantz mit Trump zusammenkommen, wird es auf dem heimischen Parkett um eine andere Geschichte gehen: die des politischen Überlebens des derzeitigen Premiers. Am Dienstag debattieren die Abgeordneten in der Knesset darüber, ob ein Komitee eingerichtet wird, das über die von Netanjahu geforderte Immunität berät. Der Ministerpräsident soll in drei Fällen wegen Korruption angeklagt werden.

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein …«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026