Steuern

Eilat wird dichtgemacht

Noch steuerfrei: Strand von Eilat Foto: Flash 90

Für Touristen ist Eilat ein Traumziel: 360 Tage Sonne im Jahr, kilometerlange Strände, kristallklares Wasser am Roten Meer. Doch die südlichste Stadt Israels ist mehr: Seit über einem Vierteljahrhundert ist sie zoll- und mehrwertsteuerfreie Zone. Jetzt aber droht den Vergünstigungen das Aus. Der neue Finanzminister, Yair Lapid, muss sparen. Und das tut er, wo er nur kann.

Lapid will im ganzen Land die Mehrwertsteuer von gegenwärtigen 17 um einen Punkt auf 18 Prozent erhöhen. Für Eilat aber würde zum ersten Mal seit 1987 überhaupt Mehrwertsteuer auf Waren erhoben. Die Politiker in Israels Ferienhochburg haben zum Gegenangriff geblasen. Bürgermeister Meir Yitzhak Halevi will die geplante Änderung in keinem Fall hinnehmen. Aus Protest rief er im Rathaus eine Taskforce ins Leben, die sich um die Steuerangelegenheit kümmern soll.

Tourismus Halevi meint es ernst: Obwohl dieser Tage viele Gäste aus dem Ausland erwartet werden, die in der Hafenstadt ihren Frühjahrsurlaub verbringen wollen, will er am kommenden Mittwoch die Tore der Stadt verriegeln und niemanden hineinlassen. Die Steuereinführung wäre viel dramatischer für die Geschäfte als diese Maßnahme, meint er: »Die Rücknahme der Steuerbefreiung wird unsere Stadt zerstören. Der Tourismus, von dem wir leben, könnte um 20 Prozent zurückgehen.«

Viele Produkte und Dienstleistungen wie Hotelübernachtungen oder Automieten sind in Eilat günstiger als anderswo im Land. Doch nicht alles kostet tatsächlich 17 Prozent weniger. Die Differenz war einst dazu gedacht, den Tourismus anzukurbeln, doch auch, um für die Bewohner am südlichsten Zipfel die Kosten des Transports und der weiten Wege zu reduzieren. Die Behörden in Eilat geben die Einsparungen durch die nicht vorhandene Steuer mit umgerechnet 120 Millionen Euro jährlich an.

Der Plan von Lapid, die 39 Milliarden Schekel Defizit im Staatssäckel mit verschiedenen Maßnahmen zu stopfen, muss zunächst die Knesset passieren. Erst dann wird in Eilat zur Kasse gebeten. Halevi will währenddessen nicht stillsitzen. Er sorgt sich, dass Eilat anschließend nicht mehr mit anderen Urlaubszielen in Nahost, etwa in Ägypten oder Jordanien, konkurrieren kann. »Und das bringt Elend über unsere Bewohner.« Die nächste Ratssitzung will er aus Protest vor den verschlossenen Stadtpforten veranstalten.

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  01.07.2026

Libanon

Erster Schritt zum Frieden?

Jerusalem und Beirut begrüßen das überraschende Abkommen. Die Terrormiliz Hisbollah weist es entschieden zurück

von Sabine Brandes  01.07.2026

Israel

»Ich habe ein bisschen abgenommen«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird in einem Interview gefragt, wie der 7. Oktober ihn persönlich verändert habe. Seine Antwort sorgt für heftige Kritik von der Opposition

 01.07.2026

Jerusalem

Israelische Polizei nimmt mutmaßlichen Iran-Spion fest

Der 20-jährige US-Bürger soll gegen Geld Ziele für das Mullah-Regime ausgespäht haben

 01.07.2026

Libanon

Hisbollah: Netanjahu befiehlt Zerstörung der Terrorinfrastruktur

Israels Ministerpräsident weist die Armee an, alle ober- und unterirdischen Anlagen der Hisbollah im Südlibanon zu zerstören. Einen Truppenrückzug schließt er vorerst aus

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen aus

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026