Eine ehemalige Soldatin der israelischen Armee mit israelisch-türkischer Doppelstaatsbürgerschaft ist während eines Familienbesuchs in Istanbul vorübergehend festgenommen worden. Nach mehreren Tagen unter Hausarrest konnte sie das Land verlassen und nach Israel zurückkehren. Israelische Medien berichten, dass diplomatische Bemühungen – auch seitens der USA – zu ihrer Freilassung geführt hätten.
Die Frau, deren Name nicht veröffentlicht wurde, war vergangene Woche in Gewahrsam genommen worden. Grundlage war offenbar ein türkisches Gesetz, das Staatsbürgern den Dienst in ausländischen Streitkräften untersagt. Nach einigen Stunden in einer Haftanstalt wurde sie unter Hausarrest gestellt.
Der Festnahme ging eine Online-Kampagne israelfeindlicher Aktivisten in der Türkei voraus. Diese hatten persönliche Informationen der Frau verbreitet und sie als Angehörige der »zionistischen Armee« bezeichnet. In Beiträgen in sozialen Netzwerken forderten sie die Behörden auf, Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Gesetze zu Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuleiten.
Belastetes Verhältnis
Auslöser der Kampagne soll ein Bericht über die Zahl von Doppelstaatlern in den Reihen der israelischen Armee gewesen sein. Aktivisten konzentrieren sich nach Medienangaben insbesondere auf Soldatinnen mit doppelter Staatsangehörigkeit und veröffentlichen gezielt Details zu deren militärischem Werdegang.
Israels Außenminister Gideon Sa’ar schaltete sich in den Fall ein und führte demnach Gespräche mit internationalen Partnern. Auch die US-Regierung übte nach israelischen Berichten Druck auf Ankara aus. Schließlich durfte die Frau in ein Drittland ausreisen und kehrte von dort unter Begleitung israelischer Stellen nach Israel zurück.
Der Vorfall sorgt in Jerusalem für zusätzliche Anspannung im ohnehin belasteten Verhältnis zur Türkei. Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Massaker der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 haben sich die Beziehungen deutlich verschlechtert.
Angebliche Kriegsverbrechen
Erst Anfang des Monats war bereits eine andere Israelin in der Türkei festgenommen worden. In diesem Fall ging es Berichten zufolge um den Vorwurf, sie habe die türkische Flagge geschändet und Präsident Recep Tayyip Erdogan beleidigt.
International versuchen zudem verschiedene Gruppen, israelische Soldaten bei Auslandsreisen juristisch belangen zu lassen. Besonders aktiv ist dabei die in Belgien ansässige Hind Rajab Foundation. Die Organisation sammelt über soziale Netzwerke Informationen über Soldaten und stellt in europäischen Ländern Strafanzeigen wegen angeblicher Kriegsverbrechen. im