Dialog

Doppelte Auszeichnung

Jehuda Bacon in der »Halle der Namen« in Yad Vashem Foto: Flash 90

Der israelische Judaist Israel Jacob Yuval wird mit dem »Mount Zion Award« 2021 ausgezeichnet. Das bestätigte ein Vertreter der deutschsprachigen Benediktinerabtei Dormitio am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Jerusalem.

Ferner wird der israelische Künstler und Schoa-Überlebende Jehuda Bacon für sein Lebenswerk gewürdigt. Mit dem Preis ehren das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung der Universität Luzern und die Dormitio-Abtei das Engagement für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen.

forschung Der 1949 geborene Yuval ist Professor für Jüdische Geschichte und akademischer Leiter des interdisziplinären Forschungszentrums für Jüdische Studien »Scholion« an der Hebräischen Universität Jerusalem. Der 2016 mit dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnete Judaist beschäftigt sich in seiner Forschung schwerpunktmäßig mit der gegenseitigen Wahrnehmung von Juden und Christen in Spätantike und Mittelalter. Unter anderem vertritt er die Ansicht, dass die Auseinandersetzung mit dem Christentum das Judentum in der Zeit von Midrasch und Talmud maßgeblich geprägt hat.

Das heutige Judentum sei ohne das Christentum nicht denkbar, erklärte Yuval 2019 in einem Interview der KNA. »Der christliche Einfluss ist die DNA der jüdischen Religion, die historisch durch diesen Konflikt geformt wurde.« Entsprechend sei die jüdische Liturgie in vielfacher Hinsicht durch antichristliche Abgrenzung durchzogen.

Für sein Lebenswerk und »insbesondere für seine Verdienste um die deutsch-israelische Versöhnung und den jüdisch-christlichen Dialog« wird Jehuda Bacon geehrt. Die vom Stiftungskuratorium beschlossene außergewöhnliche Ehrung ist mit 10.000 Euro dotiert.

auschwitz Bacon wurde 1929 im böhmischen Ostrava geboren, 1942 nach Theresienstadt deportiert und ein Jahr später nach Auschwitz verlegt. Er überlebte, verlor aber seine Schwester und Eltern. In Prozessen gegen NS-Verbrecher wurden seine Zeichnungen, die er kurz nach der Befreiung angefertigt hatte, sowie seine Zeugenaussagen verwendet. 1946 wanderte Bacon nach Palästina aus und studierte an der Jerusalemer Bezalel-Kunstakademie. 1959 wurde er Professor für Grafik und Zeichnen. Seine frühen Zeichnungen sind nur mit seiner Häftlingsnummer signiert; seine Werke sind heute unter anderem in Jerusalem, Washington, London und Würzburg zu sehen.

Mit dem »Mount Zion Award« wird seit 1987 alle zwei Jahre ein herausragendes Engagement für den Dialog der Religionen und Kulturen im Heiligen Land gewürdigt. Stifter ist der 1996 gestorbene Essener Priester Wilhelm Salberg, der sein Erbe der in Luzern ansässigen »Mount Zion Foundation« vermachte.

Der mit 20.000 Euro dotierte Preis erinnert an die Konzilserklärung »Nostra Aetate« von 1965, die ein neues Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen und vor allem zum Judentum eröffnete. Zu den früheren Preisträgern gehören der Autor Amos Oz, Rabbiner David Rosen sowie posthum der 24 Jahre alte Muslim Omri Dschadah, der bei der Rettung eines jüdischen Jungen vor dem Ertrinken selbst ums Leben kam.

Ort der Verleihung ist üblicherweise die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg. Da sie gegenwärtig renoviert wird, findet die diesjährige Preisverleihung am 24. Oktober im Kloster Tabgha am Kinneret statt.

Wahlkampf

Who’s who in Jerusalem?

Israels Parteien buhlen nicht nur um potenzielle Wähler, sondern auch um mögliche Bündnisse

von Sabine Brandes  05.08.2026

Inflation

Perücken-Preisexplosion in Israel: 11.000 Euro für einen Scheitel

Orthodoxe Kopfbedeckungen werden auch für Männer immer teurer. Das Rabbinatsgericht von Chabad soll endlich Preiskontrollen einführen, fordert eine Anwältin

 05.08.2026

Nachrichten

Preise, Geisel, Beben

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Jerusalem

Netanjahu weist Entwaffnungsplan für Hamas in vorliegender Form zurück

Der israelische Ministerpräsident: »Wir werden unsere derzeitigen Linien nicht verlassen, bis die Hamas vollständig entwaffnet ist.«

 05.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 05.08.2026

Tel Aviv/Gaza

Israel verschärft Regeln für Angriffe in Gaza

Der Friedensrat fordert das Ende aller Kampfhandlungen. Berichten zufolge ist die Zahl der israelischen Angriffe gegen den Terror wegen einer neuen IDF-Auflage nun zurückgegangen

 05.08.2026

Jerusalem

Bericht enthüllt Verbindungen zwischen Palästina-Aktivisten und Terroristen

Das israelische Diaspora-Ministerium hat eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigen soll, wie israelfeindliche Aktivisten aus den USA die Nähe zu Terrororganisationen suchen

 04.08.2026

Rom

Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom

Die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah halten an. Doch gleichzeitig gehen direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon weiter. Worum geht es dabei?

 04.08.2026