Elkana Bohbot (36) ist gebürtiger Kolumbianer, der vor Jahren Alija machte. Am 7. Oktober war er auf der Supernova-Party. Der 36-Jährige schaffte es noch, in den frühen Morgenstunden seine Frau Riwka anzurufen und ihr zu sagen, dass er dabei helfe, Verletzte in Sicherheit zu bringen. Mehr als 350 Partygänger, meist junge Frauen und Männer, wurden bei dem Hamas-Massaker auf brutalste Weise ermordet, Dutzende entführt. Bohbot war kurz davor, eine Eisdiele in Tel Aviv zu eröffnen, als alles stoppte.
Bar Kuperstein (22) arbeitete als Türsteher beim Nova-Festival, um Geld für seine Familie zu verdienen. Als der Angriff der Hamas begann, blieb der 22-Jährige, der wie sein Vater ebenfalls freiwilliger Sanitäter ist, vor Ort, um Verletzten zu helfen. Bis er von der Hamas nach Gaza verschleppt wurde. Nach dem Unfall seines Vaters war der junge Mann aus Holon, der vier jüngere Geschwister hat, Hauptverdiener der Familie. Sein Vater Tal, der einen Schlaganfall erlitt und im Rollstuhl sitzt, hat für die Rückkehr seines Sohnes wieder gelernt zu sprechen und will aufstehen, um »Bar die festeste Umarmung zu geben«.
Maxim Herkin (36) »Mama, ich liebe dich.« Das war die letzte Nachricht, die Tela Herkin von ihrem Sohn erhielt. Maxim Herkin, aus Tirat Ha‘Carmel im Norden des Landes, wurde vom Nova-Festival entführt. Der 36-Jährige hat eine dreijährige Tochter, Monika, die sehnsüchtig auf ihren Vater wartet. Maxims Mutter war einst mit ihren Kindern aus der Ukraine nach Israel ausgewandert, weil sie ein Zuhause suchte und die Sicherheit zu finden hoffte, die sie in ihrer alten Heimat nicht mehr spürte.
Segev Kalfon (27) lief um sein Leben, doch wurde von Terroristen entdeckt, die das Nova-Festival stürmten. Der 27-Jährige, der aus der Wüstenstadt Dimona stammt, liebt Musikfestivals. Er arbeitete zunächst in der Bäckerei seiner Familie, doch wollte »mehr als nur kleine Brötchen backen« und studierte Finanzwesen, um an der Börse zu arbeiten. Sein bester Freund nannte ihn »einen Kerl mit einem großen Herzen, der immer bereit ist, andere zu unterhalten und aufzumuntern«.
Ziv und Gali Berman (28) 54 Tage lang hat die Familie der Zwillinge Ziv und Gali Berman kein einziges Lebenszeichen erhalten. Ende November berichteten dann freigelassene Geiseln, dass Gali und Ziv am Leben seien. Sie würden allein gefangen gehalten und hätten kleinere Verletzungen. Seine Brüder hätten »nichts mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu tun. Sie sind Zivilisten, die an einem Feiertag in ihren Schlafanzügen aus ihren Häusern entführt wurden«, macht Liran Berman klar. »Wir haben in diesem Kibbuz gelebt, weil wir an eine Zukunft der Koexistenz glaubten. Doch dieser eine Tag hat alles geändert.« Die Berman-Brüder sind israelisch-deutsche Doppelstaatsbürger.
Eitan Horn (39) Eitan Horn ist der jüngste von drei Brüdern. Er wohnt in Kfar Saba und besuchte seinen großen Bruder Iair, der sich im Kibbuz an der Grenze zum Gazastreifen ein neues Leben aufgebaut hatte, nachdem die Familie einer nach dem anderen aus Argentinien eingewandert war. Iair wurde in einem Deal im Februar freigelassen, Eitan blieb in Gaza zurück.
Ariel Cunio (28) ist einer von vier Brüdern. Zwei sind seit zwei Jahren in der Gewalt der Hamas, zwei warten verzweifelt darauf, dass sie zurückkommen. Ihr Zuhause ist der Kibbuz Nir Oz. Dort sind sie geboren und aufgewachsen. Ursprünglich stammt die Familie aus Argentinien, doch in der kleinen Gemeinde im Süden Israels hat sie eine neue Heimat gefunden. Der 27-jährige lebte mit seiner Freundin Arbel Yehud zusammen. Arbel kam Ende Januar frei.
David Cunio (35) wurde mit seiner Frau Sharon, seinen dreijährigen Zwillingsmädchen Emma und Yuli sowie der Schwägerin Danielle Aloni und ihrer Tochter aus ihrem Haus im Kibbuz Nir Oz gekidnappt. Sharon und ihre Kinder kamen im Rahmen des ersten Waffenstillstands- und Geiselabkommens im November 2023 frei. »Ich verzehre mich vor Sehnsucht nach dem Mann, den ich liebe, ohne den ich nicht leben kann. Jeder Tag, an dem er nicht zurückkehrt, vertieft die Wunde unserer Töchter – und meine«, schrieb Sharon Cunio in einem offenen Brief.
Eitan Mor (25) arbeitete beim Nova-Festival als Sicherheitsmann. Seine Eltern leben in der Siedlung Kiriat Arba und gehören dem Tikva-Forum an, einer Gruppe von Geisel-Familien, die sich gegen einen Deal mit der Hamas aussprechen. Allerdings hat sein Vater betont, dass er »natürlich will, dass mein Sohn zurück nach Hause kommt«.
Matan Angrest (22), ein IDF-Soldat, wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas aus seinem Panzer in Nahal Oz entführt. Er wurde schwer verwundet, erlitt Verbrennungen, war bewusstlos und allein. Seitdem wird er unter höllischen Bedingungen in Gaza von der Terrororganisation gefangen gehalten bei extremem Hunger, regelmäßiger Folter und ohne medizinische Versorgung. Seine Mutter Anat Angrest ist eine der aktivsten Familienmitglieder, die sich unermüdlich für die Freilassung ihres Sohnes und aller Geiseln einsetzt.
Nimrod Cohen (21) Am Tag der Hamas-Massaker war Nimrod Cohen Schütze in einem Panzer, als er und seine Mannschaft versuchten, die Masse an Terroristen aufzuhalten, die in die Armeebasis Nahal Oz eindrangen. Zurückgekehrte Geiseln berichteten auch, dass Nimrod seine Familie »so sehr vermisst«. Vicky Cohen wandte sich danach in einer öffentlichen Nachricht direkt an ihren Sohn: »Wir lieben dich so sehr. Du bist immer in unseren Herzen. Verliere nicht deinen Glauben, dass du freikommen wirst. Bitte habe noch etwas Geduld. Bald kommst auch du nach Hause.«
Avintan Or (32) Die furchterregenden Bilder ihrer Entführung wurden zu einem tragischen Symbol der Geiseln des Nova-Festivals: Noa Argamani und ihr Freund Avinatan Or wurden von Hamas-Terroristen verschleppt, als sie tanzen waren. Nach 532 Tagen gab es das erste Lebenszeichen des 32-Jährigen, der in einer Hightech-Firma in Tel Aviv arbeitete. Nach Angaben einer freigelassenen Geisel werde er unter harten Bedingungen in zentralen Einrichtungen der Hamas festgehalten.
Alon Ohel (24), ein junger israelische Klavierspieler, war gemeinsam mit Eli Sharabi, Or Levy und Eliya Cohen als Hamas-Geiseln in den Tunneln unter dem Gazastreifen gefangen. Die anderen sind frei, der 24-Jährige blieb allein zurück. Bei seiner Verschleppung vom Nova-Musikfestival wurde er durch Schrapnelle am Auge, an der Schulter und am Arm verletzt. Diese Verwundungen seien unbehandelt geblieben. Das erste Lebenszeichen von Alon kam nach fast 500 Tagen. »Ein Wunder«, sagte seine Mutter damals. Ohel hat auch die deutsche Staatsangehörigkeit.
Yosef Haim Ohana (25) Zunächst galt Ohana, der aus Kiryat Malachi in der Nähe von Aschkelon stammt, als vermisst. Doch einige Wochen nach dem Massaker der Hamas informierte die Armee seine Mutter, dass er als Geisel im Gazastreifen gefangen gehalten werde. Er ist der älteste von drei Brüdern, von denen einer vor wenigen Jahren an Krebs starb. Er sei eine hilfsbereite, großzügige Seele, sagte seine Mutter im Interview. Zuletzt arbeitete er in Tel Aviv als Barkeeper und wohnte bei seiner Großmutter.
Matan Zangauker (25) und seine Mutter Einav haben ein besonders enges Verhältnis. Sie hat ihren Sohn ganz allein großgezogen. Während der Massaker der Hamas sprachen sie am Telefon, bis er zusammen mit seiner Freundin Ilana Gritzewsky von den Terroristen gefangen und verschleppt wurde. Gritzewsky wurde im November 2023 freigelassen und kämpft seitdem pausenlos zusammen mit Matans Mutter dafür, dass ihr Liebster nach Hause kommt.
Evyatar David (24) Das verstörendste Propagandavideo wurde von Eviatar David veröffentlicht. Es zeigt ihn, wie er bis auf Haut und Knochen abgemagert sein eigenes Grab in den Tunneln der Hamas graben muss. Evyatar stammt aus Kfar Saba. Aufgrund seiner Leidenschaft für Musik, seines Abenteuergeistes und seiner herzlichen Persönlichkeit sei er bei allen, die ihn kennen, beliebt, erzählt seine Familie über ihn. Es sei eine extrem belastende Zeit für alle Angehörigen, so sein älterer Bruder Ilay David. »Wir alle widmen uns nur noch seiner Befreiung.«
Guy Gilboa-Dalal (24) Guy Gilboa-Dalal ist der beste Freund von David. Sie waren gemeinsam auf dem Nova-Festival, als sie gekidnappt wurden. Auch der ältere Bruder Gal Gilboa-Dalal war dabei. Er selbst überlebte das Massaker, kehrte nach Hause zurück und leidet seitdem unter schrecklichen Schuldgefühlen, denn es sei das erste Festival für Guy gewesen. »Ich war auch dort, um auf ihn aufzupassen«, so. »Und ich kam ohne ihn zurück.« Das Nova-Musikfestival sei eine Veranstaltung für die unterschiedlichsten Menschen, die eine Sache eint: dass sie alle »nur Frieden wollen«.
Omri Miran (48) wurde am 7. Oktober aus seinem Heimatkibbuz Nahal Oz von Terroristen verschleppt, nachdem er stundenlang mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern (damals zwei Jahre und sechs Monate) im Haus eines Nachbarn festgehalten worden war. Das Letzte, was Miran sah, als er fortgezerrt wurde, war, wie Terroristen ihre Waffen auf seine Frau Lishay und die kleinen Töchter Roni und Alma richteten. Sein Vater Dani Miran ist jeden Samstag auf dem Platz der Geiseln, um seinen Sohn im Bewusstsein der Menschen zu halten.
Rom Braslavski (22) war einer von mehreren tapferen jungen Männern, die als Sicherheitsleute auf dem Nova-Festival arbeiteten und zuerst versuchten, andere zu retten, als die Terroristen die Feiernden überfielen und zu ermorden begannen, bevor sie an sich selbst dachten. Er ist bescheiden, beschreibt ihn sein älterer Bruder Amit. »Er hat keine Angst, draußen zu schlafen, keine Angst, einfach ins Meer zu springen.« Er hatte auch keine Angst, in den frühen Morgenstunden des 7. Oktobers Menschen zu retten, bevor er sich in Sicherheit bringen konnte. Braslavski hat auch die deutsche Staatsangehörigkeit.
Sorge um Bipin Joshi und Tamir Nimrodi
Tamir Nimrodi (21) und fünf anderen Soldaten auf seiner Stube waren erst vor wenigen Stunden zu Bett gegangen, als die Terroristen frühmorgens die Basis stürmten. In Shorts und barfuß wurden Tamir, Ron Sherman und Nik Baizer hinausgetrieben. Die anderen wurden erschossen. Sein Sohn habe sie sterben sehen, sagt Alon. Das letzte Foto, das von Tamir seit dem 7. Oktober 2023 existiert, zeigt ihn neben Ron und Nik vor einer Wand. Geduckt, mit den Armen hinter dem Kopf, die blanke Angst im Gesicht. Dann wurden sie nach Gaza verschleppt. Seine Familie hat bis heute kein Lebenszeichen erhalten. Der junge Mann hat neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Es bestehe »große Sorge« um sein Leben, erklärten israelische Sicherheitskräfte.
Bipin Joshi (25) Er war erst drei Wochen in Israel, als Hamas-Terroristen ihn nach Gaza verschleppten. Bipin Joshi ist ein nepalesischer Student der Landwirtschaft, der sich als Teilnehmer eines akademischen Programms mit 16 anderen im Kibbuz Alumim um Zitruspflanzen kümmerte. Als am frühen Morgen des 7. Oktober 2023 starker Raketenbeschuss begann, gingen die jungen Männer in einen Schutzraum, wo sie dicht gedrängt beieinandersaßen, bis die Terroristen eindrangen, sie töteten oder verschleppten, so wie Joshi. Da es sehr lange kein Lebenszeichen von ihm gab, sei auch bei ihm nicht klar, ob er noch am Leben ist.