Diplomatie

»Diese Freundschaft ist ein Geschenk«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist mit seiner Frau Elke Büdenbender am Mittwochabend auf dem Ben-Gurion-Flughafen gelandet.

»Ich kann kaum in Worte fassen, wie froh ich darüber bin, wieder in Israel zu sein – noch dazu zu einem Staatsbesuch, der schon lange geplant war«, sagte Steinmeier nach seiner Ankunft. Er freue sich auf wunderbare Tage mit guten Freunden, in denen beide Seiten die einzigartigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland bekräftigen wollten.

REGIERUNG Am Donnerstag wird sich Steinmeier mit dem scheidenden israelischen Präsidenten Reuven Rivlin treffen, der derzeit auf dem Rückweg von Washington ist, wo er mit US-Präsident Joe Biden zusammengekommen war.

Anschließend wird er den gewählten Nachfolger Rivlins, Isaac Herzog, sowie Vertreter der neuen Regierung, darunter Premierminister Naftali Bennett, treffen. Auch ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem steht auf dem Programm.  

»Es sind gute Menschen wie Sie, die uns zurück zum Guten führen.«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Noch am Abend verlieh der Bundespräsident vier israelischen Persönlichkeiten die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Schoa-Überlebende Regina Steinitz, der ehemalige Leiter von Yad Vashem, Avner Shalev, der Schriftsteller David Grossman und die Künstlerin Michal Rovner wurden mit dem Verdienstorden geehrt. Im Peres Center for Peace and Innovation, in dem die Preisverleihung stattfand, erinnerte Steinmeier auch an »den außergewöhnlichen Menschen Schimon Peres«.

ZUKUNFT »Wir haben uns an diesem besonderen Ort versammelt, um außergewöhnliche Männer und Frauen zu ehren, ihre Lebensleistung zu feiern, darüber zu staunen, mit welchen Mitteln sie uns die Vergangenheit vergegenwärtigen, und darüber nachzudenken, welche Wirkung sie auf die Welt von heute haben und in Zukunft haben werden«, so Steinmeier. »Es sind gute Menschen wie Sie, die uns zurück zum Guten führen, wenn wir straucheln und vom Weg abkommen. Eine Arbeit wie Ihre ist unser Unterpfand.«

»Bis meine deutschen Vorväter kamen, ihre Häuser niederbrannten und sie zu Millionen ums Leben brachten«, sagte der Bundespräsident bei der Verleihung der Verdienstorden am Abend.

Als Überlebende der Schoa habe Regina Steinitz vor 20 Jahren die Entscheidung getroffen, von den unbeschreiblichen Schrecken ihrer Kindheit zu erzählen. »In Ihrer zehnten Lebensdekade erzählen Sie es allen, die bereit sind zuzuhören, und mit besonderer Überzeugung vielen Schülerinnen und Schülern – gerade aus Deutschland. In meinem Leben war mir kaum etwas eine so große Ehre wie Ihre Bekanntschaft und Ihre Freundschaft«, sagte Steinmeier.

SEELE David Grossman habe mit seinen Schriften viele Fenster in die Seele Israels geöffnet. »Und Sie haben mir und Ihren vielen anderen Lesern außerhalb Israels ermöglicht, Einblicke zu gewinnen, die anders kaum möglich gewesen wären«, so der Bundespräsident. Grossman sei für alle ein Vorbild, betonte Steinmeier.

Die Installationen der Künstlerin Michal Rovner würden den Ermordeten eine Stimme geben, der ausgelöschten Welt des europäischen Judentums und den in der Schoa getöteten Kindern. »Atmende, fühlende Menschen, die voller Leben waren und eine ganze Kultur bewahrten – bis meine deutschen Vorväter kamen, ihre Häuser niederbrannten und sie zu Millionen ums Leben brachten.«

»Man muss den Antisemitismus weiter bekämpfen, wo immer er sein hässliches Haupt erhebt.«

Frank-Walter Steinmeier

Und auch Avner Shalev seien die Deutschen dankbar. »Dankbar für die Freundschaft, die es heute zwischen Israel und Deutschland gibt. Denn diese Freundschaft ist ein Geschenk gewesen, mit dem wir nicht rechnen, auf das wir gewiss keinen Anspruch erheben konnten. Aus freien Stücken reichten uns drei Generationen freundschaftlich die Hände.«

TERROR Steinmeier warnte auch, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht aufhören dürfe. »Wir müssen ihn weiter bekämpfen, wo immer er sein hässliches Haupt erhebt.« Man dürfe auch nicht vergessen, dass erst im vergangenen Monat »Terrorgeschosse auf diese 4000 Jahre alte Stadt niederregneten und ihre Botschaft des Todes, der Zerstörung und des Antisemitismus in den Himmel über Tel Aviv und Jaffa schrieben«.

»Wir dürfen nicht vergessen, dass Juden heute auf den Straßen Deutschlands und überall auf der Welt beinahe täglich angegriffen werden, oft schon deshalb, weil sie einen Davidstern oder eine Kippa tragen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Synagogen in Deutschland und weltweit weiterhin Polizeischutz benötigen und dass vor zwei Jahren an Jom Kippur nur durch ein Wunder ein Massaker in Halle verhindert wurde«, machte der Bundespräsident deutlich.

Begleitet wird der Bundespräsident unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

»An die Schoa erinnern, den Antisemitismus bekämpfen, an der Seite Israels stehen und unser immer wieder erneuertes Bekenntnis, niemals zu vergessen – all das darf für Deutschland, für uns Deutsche niemals zum leeren Ritual werden!«, mahnte Steinmeier.

Begleitet wird der Bundespräsident unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, dem Moderator und Schauspieler Daniel Donskoy, der Leiterin des Jüdischen Museums Berlin, Hetty Berg, dem Frankfurter CDU-Politiker Uwe Becker und der Vorstandsvorsitzenden der Friede Springer Stiftung, Friede Springer.

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