Geiseldeal

»Die weiblichen Gefangenen haben keine Zeit mehr zu warten«

Ein Video zeigt die entführten Späherinnen aus der Nahal Oz Kaserne in der Geiselhaft Foto: Forum

In deutlichen Worten fordern der Mossad-Leiter, David Barnea, und Minister seiner eigenen Koalition Premierminister Benjamin Netanjahu auf, einen Deal mit der Hamas zur Geiselbefreiung und einem Waffenstillstand in Gaza zuzustimmen. In der ersten Phase des Abkommens, das zurzeit in Katar diskutiert wird, würden weibliche, alte und kranke Geiseln freikommen.

In einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Mittwoch hob Barnea hervor, dass »die weiblichen Gefangenen keine mehr Zeit haben zu warten«. Netanjahus Beharren auf der Einrichtung eines Mechanismus zur Überwachung der Bewegung der Gaza-Bewohner vom Süden in den Norden könne die Verhandlungen über ein Abkommen zum Scheitern bringen, warnte der Geheimdienstchef.

Alle Drohungen von Ben Gvir und Smotrich ignorieren

Auch die Likud-Ministerinnen Gila Gamliel und Miri Regev schlossen sich Barneas Forderung an. Gamliel habe zum Premierminister gesagt: »Dieses Abkommen ist ein Netanjahu-Abkommen, es würde in Ihrem Namen abgeschlossen werden, und Sie sollten es durchziehen und alle Drohungen von Ben Gvir und Smotrich ignorieren.«

Die rechtsextremen Minister Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich haben mehrfach mit dem Verlassen der Koalition gedroht, sollte Netanjahu einem Geiseldeal zustimmen, der ihrer Meinung nach Schwäche zeige.

Gamliel sagte dazu in einem Interview im Chanel 13: »Diese unerträglichen Aussagen von Smotrich haben wir auch bei dem vorherigen Abkommen [im November] gehört, und am Ende stimmte er dafür. Es reicht! Solches Gerede verursacht eine solche Ungerechtigkeit.« Smotrich und Ben Gvir seien eine Belastung für diese Regierung, sagte die Ministerin und forderte, dass sie eigentlich für derartige Aussagen von ihren Posten gefeuert werden müssten. »Wenn Sie zurücktreten wollen, dann sollen sie halt zurücktreten. Es würde nicht schaden!«

»Wir glauben, dass die jetzt geschaffenen Bedingungen einen geeigneten Zeitpunkt für einen Deal schaffen.«

schas-partei

Anschließend sprach sich auch die ultraorthodoxe Shas für einen Deal aus. In einem Brief schrieb die Partei an Netanjahu: »Wir glauben, dass die jetzt geschaffenen Bedingungen nach dem militärischen Druck und den gezielten Tötungen einen geeigneten Zeitpunkt für einen Deal schaffen, der Israels lebenswichtige Sicherheitsinteressen wahrt und die Geiseln nach Hause bringt.« Die Partei forderte den Premier zudem auf, »die Stimmen innerhalb der Koalition, die den Deal ablehnen, nicht zu fürchten und im Interesse der Mitzwa der Befreiung der Gefangenen weiterhin verantwortungsvoll zu behandeln«.

Auch Yitzhak Yosef, der frühere sephardische Oberrabbiner, spricht sich für die Freilassung von Terroristen »mit Blut an den Händen« im Rahmen eines Abkommens zur Freilassung von Geiseln aus, die in Gaza festgehalten werden. »Es besteht in Zukunft Lebensgefahr, wenn Sie Terroristen mit Blut an den Händen freilassen. Sie könnten uns töten. Aber das ist jetzt nicht der Fall. Jetzt geht es um die Verhandlungen.«

Einen Tag zuvor hatte der Premier den Zorn der Angehörigen von Geiseln auf sich gezogen, als er behauptete, dass die Geiseln zwar leiden, aber nicht sterben würden »Wir sind nicht diejenigen, die unter Druck stehen sollten«, wurde Netanjahu in israelischen Medien zitiert. »Die Hamas ist diejenige, die unter Druck stehen sollte. Die Geiseln leiden, aber sie sterben nicht.« In derselben Sitzung habe er allerdings auch gesagt, dass »alles getan werden muss, um die Geiseln so schnell wie möglich freizulassen.«

Geiseln wurden bereits in Gefangenschaft ermordet

In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung erklärte das Forum für Familien von Geiseln und Vermissten, dass »die Äußerungen des Premierministers nicht nur zutiefst verletzend für die Familien der Geiseln sind, sondern auch sachlich unzutreffend, gefährlich und unverantwortlich. Die grausame Realität lässt sich nicht leugnen: Geiseln wurden bereits in Gefangenschaft ermordet. Weitere Geiseln könnten in diesem Moment ihr Leben verlieren.«

Carmit Palti Katzir, deren Bruder Elad in der Geiselhaft der Hamas getötet wurde, sagte: »Mein Bruder wurde vernachlässigt und dem Tod in der Gefangenschaft überlassen. Er hätte gerettet werden können. Jetzt gibt es einen Deal – rettet, wen ihr könnt.«

»Die neuesten Informationen, die wir haben, bestätigen, dass Naama in den Tunneln ist und lebt.«

Eltern der geisel naama levy

Zur selben Zeit haben die Eltern der fünf aus der Nahal Oz Kaserne gekidnappten IDF-Späherinnen herzzerreißende Screenshots ihrer Töchter veröffentlicht. Darauf zu sehen sind die jungen Frauen, wie sie auf Matratzen auf dem Boden sitzen, einige von ihnen sind am Kopf bandagiert, eine andere hat ein geschwollenes blaues Auge. Hinter ihnen steht ein Bild von Hamas-Chef Ismail Haniyeh.

Die Schwester von Karina Ariev, Sasha, erklärt: »Wir haben das Video von einer Sicherheitsquelle erhalten. Wir sehen die Mädchen in einem Raum sitzen und der Entführer kommt mit einer Kamera vorbei und fragt nach ihren Namen und wohin sie gebracht wurden. Man sieht, wie sehr die Mädchen leiden.«

Naama Levy, die ebenfalls aus Nahal Oz entführt wurde, erscheint weder im Video noch auf dem Foto. »Naama wurde nicht zusammen mit den Mädchen im Video im Jeep entführt. Das Foto wurde aus dem Video aus den frühen Tagen entnommen«, so ihre Eltern. Sie wissen: »Naama wurde lange Zeit allein festgehalten. Die neuesten Informationen, die wir haben, bestätigen, dass sie in den Tunneln ist und lebt.«

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