Einspruch

Die falsche Entscheidung

Sabine Brandes Foto: privat

Einspruch

Die falsche Entscheidung

Sabine Brandes kritisiert Benjamin Netanjahus Auswahl seiner Koalitionspartner

von Sabine Brandes  06.01.2023 14:48 Uhr

Man spürte, wie sehr er diesen Moment herbeigesehnt hatte. Selbstbewusst und stolz lächelnd präsentierte der alte neue Premierminister Benjamin Netanjahu sein Kabinett. Es sei ihm gegönnt. Schließlich gewann er nach eineinhalb Jahren in der Opposition die Wahlen in Israel.

Doch die Rückkehr des gewieften Politikgenies ist alles andere als glorreich. Stattdessen ist sie untermalt mit Buh­rufen und Pfiffen im Plenum, Protesten vor der Tür und großen Ängsten in Teilen der Bevölkerung. Und so sehr sich der Regierungschef auch bemüht zu beschwichtigen, die Unkenrufe werden nur lauter.

sorgen Viele Israelis sorgen sich um die Zukunft ihres Landes. Zu Recht. Denn die Partner des Likud in der rechtesten und religiösesten Koalition aller Zeiten sind entweder ultrarechts oder ultraorthodox. Doch das entspricht nicht Israels Gesellschaft. Die ist fast genau in der Mitte geteilt, wie sich am 1. November zeigte: 49,6 Prozent machten ihr Kreuzchen bei rechten oder religiösen, 48,9 Prozent bei Mitte- und Links-Parteien.

Einige der neuen Machthabenden zeigen unumwunden, dass sie mit demokratischen und rechtsstaatlichen Werten wenig am Hut haben.

Einige der neuen Machthabenden zeigen unumwunden, dass sie mit demokratischen und rechtsstaatlichen Werten wenig am Hut haben, planen, die Unabhängigkeit der Gerichte auszuhebeln und auch den Korrupten unter ihnen Ämter zu sichern. Schwer vorstellbar, dass sie tatsächlich das Beste für alle Israelis im Sinn haben, wie sie glauben machen wollen.

diskriminierung Andere, die ihre rassistische Weltsicht bekunden, zur Diskriminierung aus religiösen Gründen aufrufen oder den Kopf senken, um einen homosexuellen Politiker nicht anzuschauen, passen in keine aufgeschlossene und tolerante Gesellschaft. Und schon gar nicht in eine Regierung.

Israel hat sich stets gerühmt, die einzig wahre Demokratie im Nahen Osten zu sein. Sie muss es bleiben! Die Konstellation dieser Koalition aber steht keiner Demokratie gut zu Gesicht. Wo auch immer sie ist. Netanjahu hat die Wahlen demokratisch gewonnen – doch er hat die falschen Verbündeten gewählt.

redaktion@juedische-allgemeine.de

Studie

KI-Modelle reproduzieren antisemitische Vorurteile

Zwei israelische Forscher sagen, ihre Analyse zeige, wie »ein uraltes Vorurteil durch komplexe Muster von Eigenschaftszuschreibungen und kultureller Codierung in modernen technologischen Systemen fortbesteht«

 12.06.2026

Krieg gegen den Terror

Israel bereitet offenbar Vorstoß auf Hisbollah-Hochburg Nabatieh vor

»Die Hisbollah zieht sich zurück, hält aber an der Linie von Nabatieh fest«, sagt ein ranghoher IDF-Offizier

 12.06.2026

Iran

Krieg auf Eis gelegt

Die direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Mullah-Regime ist gestoppt. Doch die Spannungen in der Region bleiben unverändert hoch

von Sabine Brandes  11.06.2026

Knesset

Armeedienst und Torastudium sollen gleichgestellt werden

Trotz des Widerstands der Opposition und einiger Koalitionsmitglieder geht der kontroverse Gesetzesvorschlag durch die erste Lesung

von Sabine Brandes  11.06.2026

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung der Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026

Meeressäuger

Pottwale vor der Küste Ashdods gesichtet

Der Fund gelingt einem Wisschenschaftlerteam, kurz bevor es seine Forschungsfahrt wegen iranischer Angriffe abbrechen muss

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026