Krieg

Der Erklärer

Daniel Hagari in einem Tunnel der Hamas im Norden Gazas (Dezember 2023) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Mit seiner ruhigen Ausstrahlung, der Verbindlichkeit, Wortgewandtheit und dem Mut, auch auf schwierige Fragen eine Antwort zu geben, hat sich Daniel Hagari in den Zeiten des Krieges gegen die Hamas in die Herzen der Israelis erklärt. Der Hauptsprecher der israelischen Armee (IDF) leitete die Menschen durch die schwersten Tage in der Geschichte ihres Landes. Jetzt hängt er seine Uniform an den Nagel.

Hagari war da, als das Vertrauen in die Regierung nach dem 7. Oktober 2023 auf dem Nullpunkt angelangt war. Er stand Rede und Antwort, als andere Offizielle sie verweigerten, zeigte Mitgefühl, als sich andere nicht blicken ließen – und wurde so zum beliebtesten Vertreter der Armee in Zeiten des Krieges.

Hagari äußerte sich kritisch und politisch. Das sorgte für Gegenwind.

Nach dem katastrophalen Hamas-Massaker war er der Ruhepol in stürmischen und beunruhigenden Zeiten. Er stellte sich der Öffentlichkeit in extrem schwierigen Situationen, etwa als die IDF versehentlich drei israelische Geiseln erschoss, oder bei dem Gebäudeeinsturz, durch den 21 Soldaten im Gazastreifen ums Leben kamen.

Durch und durch ein Mann des Militärs

Obwohl durch und durch ein Mann des Militärs, zeigte Hagari immer wieder menschliche Wärme. Er traf sich mit Angehörigen von Geiseln, wenn die Türen der meisten Regierungsmitglieder geschlossen blieben. Ende Februar erklärte er: »Yarden Bibas verließ am 7. Oktober sein Zuhause, um seine Familie zu schützen, und wurde entführt. Yarden sah mir in die Augen und bat darum, dass die ganze Welt erfährt und schockiert ist über die Art und Weise, wie seine Kinder ermordet wurden.«

Lesen Sie auch

Nicht selten war Hagaris ruhige Stimme die einzige, die zu hören war. Und das nicht nur in Israel, sondern in der ganzen Welt, denn als erster IDF-Sprecher trat er regelmäßig vor die internationale Presse. Vor seinem Posten als Hauptsprecher, den er im März 2023 übernahm, war der heute 49-Jährige Sprecher der Marine und diente als hochrangiger Berater der ehemaligen Stabschefs Benny Gantz und Gadi Eizenkot. Er war auch Kommandeur der Marine-Eliteeinheit Shayetet 13, wodurch seine Identität während des Großteils seiner Karriere geheim gehalten wurde.

Doch Hagaris Attitüde gefiel nicht allen: Seine Kritik an der Regierung, beispielsweise zur Integration der Ultraorthodoxen in die Armee, verwischte die Grenze zwischen militärischer und politischer Sphäre.

Seine Beziehung zur Regierung verschlechterte sich weiter, als er sich gegen einen von der Koalition unterstützten Gesetzentwurf aussprach, der die Weitergabe geheimer Informationen an das Büro des Premierministers entkriminalisieren sollte. Dies war geschehen, nachdem Soldaten Informationen gestohlen hatten. Als er vom Ministerpräsidenten gerügt wurde, räumte Hagari ein, einen Fehler gemacht zu haben, und entschuldigte sich.

Professionell und engagiert

Der politische Gegenwind, so sind sich viele sicher, ist der Hauptgrund, dass Hagari in den kommenden Wochen aus dem Militär ausscheiden wird. Seinen endgültigen Abschied gab der neue Stabschef Eyal Zamir am Freitag bekannt, obwohl Hagari darum gebeten hatte, zum Attaché der IDF in den USA ernannt zu werden. »Konteradmiral Daniel Hagari hat seine Pflicht als Sprecher der IDF während einer der komplexesten Kriegszeiten in der Geschichte des Landes professionell und engagiert erfüllt«, hieß es knapp in der Mitteilung.

Eyal Zamir, der Herzi Halevi ersetzt, übernahm vergangene Woche das Amt des 24. Stabschefs der IDF. Der 59-Jährige galt als Wunschkandidat von Ministerpräsident Netanjahu. »Zamir steht dem Premierminister sehr nahe«, wird eine Insider-Quelle in den israelischen Medien zitiert. Zamir selbst war von 2012 bis 2015 Netanjahus Militärsekretär.

Während seiner Amtszeit als Chef des Südkommandos der IDF bis Juni 2018 glaubte Zamir, dass die Fertigstellung des Sicherheitszauns um den Gazastreifen die Zurückhaltung Israels rechtfertigte, um eine groß angelegte Konfrontation mit der Hamas zu vermeiden. Zamir argumentierte, dass die Terrororganisation keinen Konflikt mit Israel wolle.

Nun räumte Eyal Zamir das Versagen des Militärs am 7. Oktober ein und gelobte, das System aufzurütteln.

Nun räumte Zamir das Versagen des Militärs am 7. Oktober ein und gelobte, das System aufzurütteln. »Der Krieg könnte jederzeit wieder aufflammen«, sagte er nach Übernahme des Postens, »denn die Hamas muss entscheidend besiegt werden.« In seiner ersten Rede betonte er auch die Bedeutung der »gerechten Lastenverteilung« in der Gesellschaft – sicherlich im Hinblick auf die Weigerung einer überwiegenden Mehrheit der Ultraorthodoxen, Militärdienst zu absolvieren. »Die Pflicht, den Staat zu verteidigen, muss gleichmäßig verteilt werden. Denken wir daran, dass das jüdische Volk nicht nur ein Volk des Buches und der Tora ist, sondern auch ein Volk der Tat«, sagte Zamir.

Zur selben Zeit schrieb der Noch-Sprecher Hagari eine Nachricht an seine Einheit: »Es ist mir wichtig zu sagen, dass ich Sie alle sehr lieb gewonnen habe. In diesem Monat feiere ich 30 Dienstjahre in der IDF.« Mit dem Stabschef habe er vereinbart, dass er seinen Posten in den kommenden Wochen abgebe und die IDF verlasse. Sein Nachfolger wird Brigade­general Effie Defri.

»Der Krieg ist noch nicht vorbei«, schloss der scheidende Sprecher und machte ein letztes Mal klar, was ihm wirklich am Herzen liegt: »Die Geiseln in Gaza sind immer vor unseren Augen, ihre Befreiung hat allerhöchste Priorität.«

Tel Aviv

Sirenen und Schlagzeilen

Unsere Israel-Korrespondentin Sabine Brandes über das Arbeiten im Ausnahmezustand

von Sabine Brandes  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Luftfahrt

El Al eröffnet größte koschere Fluglinien-Küche der Welt

El-Al-Chef Levi Halevi sagt, das Projekt sei Teil einer langfristigen Strategie zur Verbesserung des Reiseerlebnisses

 07.05.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Vollständige Koordination« mit den USA zu Iran

Israel bereite sich auf unterschiedliche Entwicklungen vor, sagt der israelische Ministerpräsident. »Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.«

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Nachrichten

Licht, Erfolg, Reise

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  06.05.2026

Wahlkampf

Alte Bekannte, neue Bündnisse

Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten

von Sabine Brandes  06.05.2026