Jerusalem

Darum geht es im Machtkampf zwischen Eyal Zamir und Israel Katz

Verteidigungsminister Israel Katz, Premierminister Benjamin Netanjahu und Armeechef Eyal Zamir Foto: Flash 90

Ein schwerer Konflikt zwischen Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir hat eine Krise in Israels Sicherheitsapparat ausgelöst, die die Institutionen erschüttert.

Ausgangspunkt war Katz’ überraschende Entscheidung, einen 30-tägigen Beförderungsstopp für alle hochrangigen Militärposten zu verhängen und eine erneute Prüfung der Untersuchungen zum Sicherheitsversagen der israelischen Armee vor dem und während des Massakers der Hamas vom 7. Oktober 2023 anzuordnen.

Katz begründete diesen Schritt mit Hinweisen, dass zentrale Geheimdienstakten nicht ausreichend untersucht worden seien. Der vom Verteidigungsministerium eingesetzte Prüfer solle »innerhalb von 30 Tagen« Ergebnisse vorlegen, bevor Katz dann über Beförderungen entscheide, hieß es aus dem Ministerium. In einer ungewöhnlichen Wortwahl betonte er, »die Armee untersteht letztlich der zivilen Regierung«.

Zamir reagierte scharf. Er erklärte öffentlich, er habe von dem Einstellungsstopp »aus den Medien« erfahren, was er als »rätselhaft« bezeichnete. Darüber hinaus warf der Chef der Armee dem Verteidigungsminister »politische Einmischung und die Beeinträchtigung der Einsatzbereitschaft des Militärs« vor, indem er Beförderungen höherer Beamter – die vom Verteidigungsminister genehmigt werden müssen – eingefroren habe.

Zamir verteidigt Arbeit des Turgeman-Ausschusses

Zamir verteidigte auch explizit die Arbeit des sogenannten Turgeman-Ausschusses, der über Monate die Ergebnisse der internen Untersuchungen der israelischen Armee (IDF) gesichtet und systemische Fehler vor und während des Massakers der Hamas analysiert habe.

Die Behauptung, die Arbeit sei unvollständig, wies Zamir entschieden zurück und warnte, der Beförderungsstopp gefährde unmittelbar die »Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft« der IDF in einer Phase zunehmender Bedrohungen für das Land.

»Falls eine weitere Überprüfung nötig ist, muss sie extern, objektiv und unabhängig erfolgen – nicht politisch motiviert innerhalb des Verteidigungsministeriums«, so Zamir. Die IDF, fügte er hinzu, »ist die einzige Institution im Land, die ihre eigenen Versäumnisse gründlich untersucht und die Verantwortung übernommen hat«.

Dutzende von verantwortlichen Offizieren der Armee, die am 7. Oktober Dienst hatten, wurden mittlerweile entlassen. Mitglieder aus den obersten Führungsreihen der IDF, wie der ehemalige Stabschef Herzi Halevi, traten aus freien Stücken zurück. Auch Zamir hatte in den vergangenen Wochen personelle Konsequenzen gezogen und mehrere hohe Offiziere entlassen oder vom Reservedienst ausgeschlossen.

Stabschef: »Falls weitere Überprüfungen nötig sind, müssen sie extern, objektiv und unabhängig erfolgen, nicht politisch motiviert.«

Befürworter dieses Vorgehens sehen darin ein notwendiges Bekenntnis zu professioneller Verantwortlichkeit, Kritiker indes halten die internen Untersuchungen für unzureichend und verlangen umfassendere Prüfungen - auch auf politischer Ebene.

Auch der Verteidigungsminister gab sich mit den Erklärungen von Zamir nicht zufrieden und konterte, indem er »zusätzliche Maßnahmen« gegenüber verantwortlichen Offizieren ankündigte. Rechenschaft dürfe sich nicht in symbolischen Rügen erschöpfen, Vertuschung werde man nicht tolerieren, betonte er. Mit diesen Aussagen verhärtete sich der Eindruck eines Machtkampfs zwischen politischer Führung und militärischem Establishment.

Der Streit verweist zudem wieder auf die Grundsatzfrage, wie Israel mit dem schwersten Sicherheitsversagen seiner modernen Geschichte – dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 mit mehr als 1200 Toten und 251 Geiseln – umgehen soll. Bislang hat niemand aus der Politik Verantwortung übernommen oder Konsequenzen aus den Versäumnissen gezogen.

Netanjahu will Krise »bestmöglich« lösen

Am Dienstag schaltete sich Premierminister Benjamin Netanjahu in den Streit ein. Er sagte ein gemeinsames Treffen ab und sprach stattdessen einzeln mit Katz und Zamir. Öffentlich mahnte er, Konflikte nicht über die Medien auszutragen: Man solle schließlich »keine Briefings von außen anhören«. Aus Regierungskreisen heißt es, der Premier sei entschlossen, die Krise »bestmöglich« zu lösen.

Katz, der dem Likud angehört, gilt als schwacher Verteidigungsminister, der die bedeutende Position übernahm, als Yoav Gallant vom Premierminister abgesetzt worden war, nachdem er öffentlich Regierungsentscheide bezüglich der Kriegsführung in Gaza kritisiert hatte.

Zugleich kursierten Berichte, Netanjahu erwäge eine Kabinettsumbildung. möglicherweise mit einer Ablösung von Katz zugunsten von Gideon Sa’ar, derzeit Außenminister. Beobachter sehen darin den Versuch, den politischen Schaden zu begrenzen und die zerrissene Kommandostruktur zu stabilisieren.

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington – Abflug verzögert sich

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026