Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge

Die Bergische Synagoge in Wuppertal Foto: IMAGO/Zoonar

Ein Mann hat am Donnerstagnachmittag einen Brandanschlag auf die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal verübt. Der Täter warf mehrere mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Beutel gegen einen Nebeneingang der Synagoge und setzte diese in Brand, bevor er vom Tatort flüchtete.

Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter festnehmen und hat die Ermittlungen aufgenommen, wie sie der Jüdischen Allgemeinen mitteilte. Der Brand konnte nach Informationen dieser Zeitung innerhalb weniger Minuten gelöscht werden. Verletzt wurde bei dem Brandanschlag niemand.

Der Täter warf mehrere mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Beutel gegen einen Nebeneingang der Synagoge und setzte diese in Brand.Foto: Sophie Künnecke

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte, 37-jährige Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein. Nach Angaben der Pressestelle im Polizeipräsidium Wuppertal habe »schlimmeres verhindert« werden können, da sich der Objektschutz dauerhaft vor Ort befinde. Aus demselben Grund habe der Täter so schnell festgenommen werden können.

Man gehe davon aus, dass der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter aus antisemitischen Gründen gehandelt habe, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Wuppertal. Der Mann sollte noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden und in Untersuchungshaft kommen. Baumert bestätigte, dass der Mann polizeibekannt ist. Der 37-Jährige sei wegen Bedrohung bereits vorbestraft.

Nach epd-Angaben von Freitagmorgen sucht die Polizei nach zwei jungen Frauen, die sich zur Zeit der Tat in der Nähe aufgehalten haben. Weitere mögliche Zeugen, die Hinweise auf den Tathergang geben können, wurden ebenfalls gebeten sich zu melden.

Mahnwachen in Wuppertal-Barmen

Wie der WDR berichtet, versammelten sich am Donnerstagabend rund 30 Menschen, darunter Vertreter vieler Parteien und Glaubensrichtungen, zu einer spontanen Mahnwache am Tatort. Solche Aktionen sind auch für heute Vormittag im Wuppertaler Stadtteil Barmen geplant.

Der WDR sprach auch mit Ruth Yael Tutzinger. Sie ist Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal. Die 95 -Jährige spürt einen erneut wachsenden Antisemitismus in der Stadt: »Bei mir melden sich natürlich die Bilder von damals. Ich war ja immerhin, als der Zweite Weltkrieg aus war, 13 Jahre alt. Also ich wusste schon, was Sache war.«

»Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit.«

Ruth Yael Tutzinger, Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde

In dem Interview kämpfte Ruth Yael Tutzinger mit den Tränen. Sie berichtet von einem immer größer werdenden Hass auf Juden. Es gäbe viele Anfeindungen von Menschen, die überhaupt keine Juden kennen würden. »Es gibt Holocaust-Überlebende, die Morddrohungen bekommen. Ich frage mich: Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit.«

In dem Gebäude befindet sich auch ein Café mit israelischen SpezialitätenFoto: Sophie Künnecke

Auch die Wuppertaler DITIB-Gemeinde äußerte sich in sozialen Medien solidarisch. »Wir dürfen nicht zulassen, dass Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus oder religiöse Feinseligkeit unsere Gesellschaft spalten«, heißt es auf Instagram. Die DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist der größte Islamverband in Deutschland und untersteht der direkten Kontrolle der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die wiederum von der Regierung unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gesteuert wird.

»Man kann nicht völlig überrascht sein, weil wir eine Menge von antisemitischen Taten haben in ganz Deutschland«, zitiert der WDR den SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh. »Aber dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos. Und auch wirklich wütend und fassungslos.« Auch Jochen Ott, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, bekundete seine Solidarität.

Thorsten Latzel, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, rief dazu auf, Hass und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. »Ich bin fassungslos und entsetzt angesichts des Brandanschlags«, schrieb Latzel am Donnerstagabend in einem Beitrag auf Instagram. Es dürfe nicht sein, dass jüdisches Leben und jüdische Einrichtungen in Deutschland nicht sicher seien. »Als Evangelische Kirche im Rheinland stehen wir fest an der Seite unserer jüdischen Geschwister«, betonte der Präses.

»Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben«: Zentralratspräsident Josef Schuster.

Zentralratspräsident Josef Schuster verurteilte den Angriff. »Erneut ist es in der Zeit der jüdischen Hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen. Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat«, so Schuster.

Der Zeitpunkt dieses Anschlags sei nicht zufällig gewählt. Er erinnere an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019. Im Juli 2014 wurde die Jüdische Gemeinde von Wuppertal schon einmal Opfer eines Brandanschlags. Damals warfen drei Palästinenser sechs Molotowcocktails auf die Synagoge der Gemeinde. Das Gericht verurteilte die Männer zu Bewährungsstrafen, konnte aber kein antisemitisches Motiv erkennen. Das Urteil wurde damals scharf kritisiert.

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Schuster betont, dass sich Jüdinnen und Juden von dem Anschlag nicht abhalten ließen, die anstehenden Feiertage zu begehen - appellierte zugleich aber auch an die Sicherheitsbehörden. »Es bleibt das Muster antisemitischer Gewalt, Feiertage auszuwählen, um Angst zu verbreiten und jüdisches Leben immer weiter aus der Öffentlichkeit zu verdrängen«, erklärte Schuster.

»In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. Alle Synagogen werden voll sein. Die Sicherheitsbehörden sind in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten. Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben.«

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Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland erklärte in einer Mitteilung: »Wer jüdisches Leben angreift, greift unsere Demokratie an. Jüdinnen und Juden müssen in Deutschland sicher leben und ihren Glauben sichtbar ausüben können, ohne Angst und ohne sich bedroht zu fühlen.«

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW) wurden 2025 insgesamt 1102 Vorfälle dokumentiert. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 940 Fälle registriert worden waren. ja/epd

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