Archäologie

Bitte liegen lassen

Sie waren nicht einmal Schatzjäger. Rein durch Zufall entdeckten fünf israelische Hobbytaucher vor der Küste Caesareas den größten Goldschatz, der jemals in Israel gefunden wurde. Fast 2000 Münzen aus der Zeit der Fatimiden vor rund 1000 Jahren glitzerten unberührt auf dem Meeresboden. Die Taucher übergaben ihren Fund ordnungsgemäß der israelischen Antikenbehörde (IAA) und erhielten dafür jede Menge Lob – allerdings nicht eine einzige Münze als Finderlohn.

Eitan Klein von der IAA erklärt, warum: »Alles, was hier auf dem Boden oder unter der Erde liegt, gehört dem Staat. Wer es einfach mitnimmt, bricht das Gesetz.« Klein ist Vizedirektor der Abteilung für die Vermeidung von Antiquitätenplünderungen in der Behörde.

Dinare Der antike Hafen im Nationalpark von Caesarea ist bekannt für seine verborgenen Schätze. Am Strand kann man neben Säulen aus römischer Zeit planschen, Überreste von Mosaiken, antikes Glas und andere wertvolle Altertümer bestaunen. Dennoch sind die Experten von dem Fund mit »unschätzbarem Wert« völlig überrascht. Kobi Scharvit, Leiter der maritimen Archäologieabteilung der IAA, ist fasziniert. Die Entdeckung einer solchen Vielzahl von Münzen, die einen enormen Wert im Altertum hatten, sei ein faszinierender und seltener Blick in das Leben der alten Zeit.

Bei den Münzen handelt es sich um verschieden große und dicke Dinare mit den Werten eins, halb und viertel. Sie bestehen aus purem Gold mit Prägungen der Fatimidenkalifen Al-Hakim und Al-Zahir. In einigen Geldstücken sind sogar Bissspuren zu sehen – eine Methode im Altertum, um zu prüfen, ob es sich um echte Goldmünzen handelt. Die Experten vermuten, dass es sich bei dem Schatz um die Ladung eines Schiffs gehandelt haben könne, das auf dem Weg nach Ägypten mit den Steuereinnahmen auf Grund gelaufen sei. Eine andere Theorie besagt, die Münzen gehörten einst zu einem großen Handelsschiff.

Plünderungen Die heftigen Winterstürme der vergangenen Wochen legten den Schatz frei, von dem die Taucher zunächst dachten, es handele sich um Spielgeld. Als sie sich jedoch sicher waren, dass er echt ist, nahmen sie eine Handvoll des mehr als sechs Kilogramm schweren Goldschatzes mit und berichtetem dem Leiter ihres Tauchklubs davon. Der verständigte sofort die IAA, und gemeinsam mit professionellen Schatzsuchern tauchten die Finder Zvika Feuer, Kobi Tweena, Avivit Fischler, Yoav Lavi und Yoel Miller noch einmal ab, um das Gold zu bergen. Der Zustand sei phänomenal, freute sich die IAA. Das alte Geld musste weder gereinigt noch konserviert werden. Einige der Münzen sähen aus, als kämen sie direkt aus der Prägewerkstatt.

Selbstverständlich müssen derart wertvolle Schätze vor Plünderung geschützt werden, betont Eitan Klein. Doch generell, mahnt er, sollten die Antiquitäten dort liegen gelassen werden, wo sie sind. »Denn das ist der Ort, an den sie gehören.«

Lizenz Jedes noch so kleine Stück sei Teil eines großen Puzzles, das die Archäologen benötigen, um das große Bild der Historie herzustellen, erklärt der Fachmann. »Nur so können wir lernen, wie die Menschen im Altertum gelebt haben. Werden Teile entfernt, kann das Bild verfälscht oder unvollständig werden.«

Doch wenn jemand ein Teil gefunden hat und es nicht zurücklassen will, bittet Klein, es direkt bei der israelischen Antikenbehörde abzugeben. Man könne persönlich vorbeikommen, anrufen oder über die Website sowie die Facebook-Seite der Behörde Kontakt aufnehmen. Jeder Fund werde dankend entgegengenommen.

Einfach in Israels Erde zu graben, ist übrigens nicht erlaubt. Auch das Mitführen eines Metalldetektors ist untersagt. Jeder, der archäologisch in Israel tätig sein will, benötigt eine Lizenz. Der Archäologie-Fachmann macht deutlich, dass auch nicht das kleinste Fundstück mit nach Hause genommen werden darf.

Allerdings gibt es eine legale Art, echte antike Artefakte zu erwerben. Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, das mit archäologischen Fundstücken Handel betreibt. In Übereinstimmung mit dem Gesetz wird dies von der IAA überwacht. Eitan Klein ist der verantwortliche Inspektor.

Export 70 registrierte Händler gibt es in Israel, die meisten in und um Jerusalem. Sie alle sind autorisiert, echte Altertümer anzubieten. Doch auch bei ihnen müsse man auf bestimmte Dinge achten, wie Klein erläutert: »Wichtig ist die Lizenz des Geschäftes aus dem laufenden Kalenderjahr. Nur das gewährleistet, dass ich alle paar Wochen vorbeischaue und persönlich die Waren inspiziere. Zweitens benötigt man eine Exporterlaubnis. Erst damit ist garantiert, dass es sich um echte Stücke handelt.«

Zwar gibt es in den offiziellen Geschäften auch Nachahmungen, doch die müssen als solche deklariert sein. »99 Prozent der lizensierten Händler wissen, was sie verkaufen. Wenn sie sagen, es ist eine römische Öllampe, dann wird es auch eine sein«, so der Inspektor. Wer dennoch unsicher ist, ob das erstandene archäologische Fundstück echt ist, kann es bei der Antikenbehörde in Jerusalem kostenlos überprüfen lassen.

»Wir wollen nicht, dass die Touristen mit ihren wertvollen Andenken aus dem Heiligen Land Überraschungen erleben«, versichert Klein, »sondern dass sie sich gern an ihren Besuch erinnern und an ihrem persönlichen Schatz erfreuen.«

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026

Regierungsbildung

Israels Oppositionschefs treffen sich zu Gesprächen

Avigdor Liberman soll sich mit Gadi Eisenkot getroffen haben, Yair Golan sprach mit der Gemeinsamen Liste. Der Likud schließt unterdessen eine Rotation im Amt des Ministerpräsidenten aus

 01.11.2026

Gadi Eisenkot spricht in der Wahlnacht vor Anhängern

Regierungsbildung in Israel

Eisenkot nennt vier Bedingungen für mögliche Koalitionspartner

Der Yashar-Chef will die neue Knesset-Mehrheit rasch nutzen und lädt jeden Abgeordneten zur Zusammenarbeit ein, der seine Grundsätze akzeptiert

 01.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Nahost

Opposition warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu

Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran stellt ein führender Oppositionspolitiker die politische Legitimation Netanjahus für eine neue militärische Auseinandersetzung infrage

 01.11.2026

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Keines der politischen Lager in Israel erreicht die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Nun liegt die Initiative bei Präsident Herzog. Wer erhält den ersten Auftrag zur Regierungsbildung?

 01.11.2026

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026