Meinung

Baerbocks Bilanz

Außenministerin Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) am Grenzübergang zum Gazastreifen in Rafah (9. Januar 2024) Foto: picture alliance/dpa

Als Annalena Baerbock (Grüne) vor rund drei Jahren ihr Amt als neue Außenministerin antrat, waren die Reaktionen in der jüdischen Welt fast überschwänglich. Der Eindruck: Endlich eine Politikerin, die Klartext spricht. Endlich eine Politikerin, die den Mullahs in Teheran klarmacht, dass humanistisch-universelle Werte wichtiger als deutsche Handelsinteressen sind.

Und nicht zuletzt: Endlich eine Politikerin, die anders als ihre Amtsvorgänger Frank-Walter Steinmeier (SPD), Sigmar Gabriel (SPD) und Heiko Maas (Überraschung: ebenfalls SPD) nach Angriffen der Hamas auf Israel nicht reflexhaft Jerusalem vor der viel zitierten »Gewaltspirale« und »Eskalation« warnt, sondern das Selbstverteidigungsrecht des jüdischen Staates betont.

Ins Gegenteil verkehrt

Drei Jahre später die große Ernüchterung. Geblieben von den Vorschusslorbeeren ist: nichts. Die anfänglich überzeugende Nahost-Politik Baerbocks ist spätestens seit Dezember vergangenen Jahres erodiert und hat sich in ihr Gegenteil verkehrt. Nirgends war dies eindrücklicher zu beobachten als bei ihrem Besuch in Israel vergangene Woche. Kurz zuvor hatte die Hamas sechs israelische Geiseln kaltblütig ermordet.

Und Baerbock? Erwähnte pflichtschuldig bei der zentralen Pressekonferenz in einem kurzen Satz die Hamas – um dann ebenso wortreich wie emotional zur Generalabrechnung mit Israel anzusetzen.

Nach ihrem Statement musste man sich fragen: Ist die Regierung in Jerusalem für die Ermordung der Geiseln verantwortlich, zu der die Außenministerin lange keine Worte fand? Lässt wirklich Israel die Situation eskalieren? Existieren die Terrormiliz Hisbollah und ihre iranischen Förderer nicht mehr, die den Judenstaat auslöschen wollen? Und gab es nicht etliche Terror-Vorfälle in den Reihen der von Berlin hoch alimentierten UNRWA?

Lesen Sie auch

Allesamt Fragen, die für Baerbock offenbar keine Rolle spielen. Stattdessen viel implizite Täter-Opfer-Umkehr und wenig Verständnis für Israels berechtigte Sicherheitsinteressen. Hinter vorgehaltener Hand sagen es israe­lische Offizielle ganz offen: Auf solche selbst ernannten Freunde des jüdischen Staates kann Israel getrost verzichten.

Bat Yam

Hotspot am Meer

Einst im Schatten Tel Avivs, liegt die Küstenstadt heute schwer im Trend

von Sabine Brandes  04.01.2026

Venezuela

Netanjahu gratuliert Trump

Israels Regierungschef Netanjahu lobt den US-Angriff in Venezuela und hebt Trumps Vorgehen gegen Maduro als »historisch« hervor. Andere israelische Politiker ziehen Parallelen zum Iran

 04.01.2026

Tel Aviv

Venezuela-Angriff: Lapid verweist auf den Iran

Die amerikanische Kommandoaktion zur Festnahme des venezolanischen Autokraten Maduro wird auch in Israel aufmerksam verfolgt. Nun äußerte sich der Oppositionsführer

 03.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 03.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  02.01.2026

Libanon

Israel greift Hisbollah-Ziele an

Getroffen wurden unter anderem ein Waffenlager und ein Trainingsgelände der Terror-Miliz

 02.01.2026

Gazastreifen

Katz: Armee soll sich auf Kämpfe gegen Hamas vorbereiten

Die Terroristen der Hamas halten noch immer die Leiche von Ran Gvili in ihrer Gewalt und weigern sich, die Waffen niederzulegen

 02.01.2026

Israel

Sinkendes Bevölkerungswachstum in Israel

Die demografische Entwicklung in Israel ändert sich. Neueste Zahlen manifestieren den Trend der vergangenen Jahre

 01.01.2026

Israel

Hightech-Gründer und Philantrop: Morris Kahn ist tot

Er wollte Israel zum Mond bringen. Der israelische Unternehmer und Philanthrop Morris Kahn starb im Alter von 95 Jahren

 01.01.2026