Rückkehr der Geiseln

Avigail ist frei!

Auch die dritte Gruppe Geiseln seit der Feuerpause ist in Israel angekommen. Nach 51 Tagen der Dunkelheit sind am Sonntagabend insgesamt 17 Menschen von der Hamas im Gazastreifen an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) übergeben worden: 14 israelische Frauen und Kinder sowie drei thailändische Staatsangehörige, die in Israel beschäftigt waren.

Dieses Mal aber führte der Weg nicht über den Grenzübergang Rafah und Ägypten, sondern über den nördlichen Gazastreifen und den Grenzübergang Khan Younis. Ein politischer Kommentator des öffentlich-rechtlichen Senders Kan erklärte, dass die Hamas noch immer Teile des nördlichen Gazastreifens kontrolliert.

Am Freitag wurde Avigail vier Jahre alt

Unter den Freigekommenen ist die kleine Avigail Idan, deren Eltern Roye und Smadar Idan von den Terroristen ermordet worden waren. Sie war zu Nachbarn geflohen und wurde mit ihnen zusammen verschleppt. Am Freitag war sie im Gazastreifen vier Jahre alt geworden. Als die Nachricht von ihrer Befreiung bekannt wurde, brachen die Mitglieder des Kibbuz Nir Oz, die derzeit in einem Hotel in Eilat wohnen, in Jubel aus. Alle Mitglieder des Kibbuz warten sehnsüchtig auf das kleine Mädchen – vor allem ihre beiden Geschwister Michael und Amalya und ihre Großeltern.

Auch US-Präsident Joe Biden äußerte sich auf einer spontan einberufenen Pressekonferenz und zeigte sich sehr bewegt, dass die kleine Avigail, deren Mutter amerikanische Staatsangehörige war, endlich freigekommen ist.

Auch die vier Mitglieder der Brodutch-Familie sind freigelassen: Hagar (39) mit ihren Kindern Ofri (10), Yuval (8) und Uriah (4), ebenso die Goldstein-Almog-Familie mit den Mitgliedern Chen (48), Agam (17), Gal (11) und Tal (8). Weitere enge Familienangehörige gibt es nicht mehr. Die Hamas-Mörder töteten den Vater Nadav und die älteste Tochter Yam. Die Schwestern Ela und Dafna Elyakim aus Nir Oz waren ebenfalls bei der dritten Übergabe dabei.

»Es könnte sein, dass die Pause um einen weiteren Tag oder zwei oder drei oder sogar mehrere Tage verlängert wird.«

nationaler US-Sicherheitsberater jake sullivan

Außerdem sind die Frauen Alma Avraham (84) und Aviva Adrienne Siegel (62) wieder in Freiheit. Siegels Ehemann, der Amerikaner Keith Siegel, wird noch in Gaza vermutet.

Der 25-jährige russisch-israelische Doppelstaatsbürger Roni Krivoi ist ebenfalls wieder nach Israel zurückgekehrt. Es hieß, der russische Präsident Wladimir Putin habe sich persönlich für seine Befreiung eingesetzt. Krivoi war als Tontechniker auf der Wüstenparty in der Nähe des Kibbuz Re’im tätig, als die Attacke der Hamas begann. Bei dem Massaker sind mehr als 350 Menschen – zum Teil auf bestialische Weise – von den Terroristen ermordet worden.

Krivoi ist das jüngste Kind einer russisch-israelischen Familie, die in Carmiel lebt. Er wurde in Israel geboren. Sein Bruder sagte über ihn, dass Roni »geistig und körperlich sehr stark ist«, die Art von Person, die jeden bei guter Laune halten könne.

Gesundheitszustand den Umständen entsprechend gut

Die freigelassenen Geiseln werden zunächst von der israelischen Armee in Empfang genommen, wo sie mit ihren Angehörigen telefonieren können und eine erste Mahlzeit erhalten. Anschließend werden sie kurz untersucht und dann entweder im Hubschrauber oder im Krankenwagen in Krankenhäuser im Zentrum des Landes gebracht.

Der Gesundheitszustand sei »den Umständen entsprechend gut«, hieß es aus den Krankenhäusern, allerdings wisse man nicht, wie es nach mehr als 50 Tagen in Gefangenschaft um die Psyche der Erwachsenen und Kinder bestellt ist.

Der nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, sagte, die USA arbeiteten daran, die viertägige Feuerpause zu verlängern, damit mehr als 50 Geiseln freigelassen werden könnten. »Es könnte sein, dass die Pause um einen weiteren Tag oder zwei oder drei Tage oder sogar mehr verlängert wird«, sagt Sullivan gegenüber dem Sender ABC. »Aber der Ball ist bei der Hamas, denn Israel hat erklärt, dass es bereit ist, für jeweils zehn Geiseln, die die Hamas freilässt, einen weiteren Kampftag zu unterbrechen.«

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Korruption

Bestechungsring in der Vorstadt

Umschläge voller Bargeld, Luxusuhren und teure Autos: Der Bürgermeister von Kfar Saba und seine Frau sollen Geschäftsleuten gegen Zahlungen lukrative Aufträge verschafft haben. 17 Verdächtige wurden festgenommen

von Sabine Brandes  12.10.2026

Gesellschaft

Herzog: Gewalt übersteigt Kapazitäten der Polizei

Israels Präsident nennt die Kriminalität in arabischen Gemeinden eine Katastrophe. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt bei nur zwölf Prozent

von Sabine Brandes  12.10.2026

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Vereitelter Terroranschlag

Flydubai-Passagiere wollen auf Hunderte Millionen klagen

Nach dem versuchten Anschlag an Bord des Fluges nach Tel Aviv bereiten Israelis Klagen gegen die Airline und möglicherweise mehrere Staaten vor

von Sabine Brandes  11.10.2026

Gesellschaft

Hamas-Massaker überschattet Israels Wahlkampf

Die meisten Israelis sehen den 7. Oktober als wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung. Umfragen zeigen, dass weder Netanjahus Lager noch die Opposition die Mehrheit erhält

von Sabine Brandes  11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026