Gericht

Auslieferungsantrag unterschrieben

Die australischen Schwestern Nicole Meyer und Dassi Erlich (Mitte) bei einem Protest Foto: Flash90

Der israelische Justizminister Avi Nissenkorn hat den Auslieferungsantrag unterzeichnet. Damit kann Malka Leifer, die ehemalige Schuldirektorin der Mädchenschule Adass Israel in Melbourne, an Australien ausgeliefert werden. Gegen die Frau liegen 74 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs vor, darunter elf wegen Vergewaltigung.

DATUM Der Minister erklärte, es sei »Israels moralische Verantwortung«, sie auszuliefern. Ein Datum ist noch nicht festgesetzt. Am Tag vor der Bekanntgabe Nissenkorns hatte der Oberste Gerichtshof den Einspruch gegen das Verfahren abgelehnt. Es war die letzte Instanz. Die ultraorthodoxe Frau kämpft seit sechs Jahren gegen die Auslieferung.

»Es ist ein wundervoller Tag für die Gerechtigkeit.«

Aktivist Manny Waks

Mindestens ebenso lange haben ihre Opfer versucht, Gerechtigkeit zu erhalten. Manny Waks, ein Aktivist, der das Verfahren von Anfang an verfolgt hatte, tweetete im Anschluss an die Entscheidung: »Es ist ein wundervoller Tag für die Gerechtigkeit!«

Nachdem die ersten Vorwürfe 2008 ans Licht gekommen waren, konnte Leifer mithilfe von israelischen Charedim heimlich aus Australien zurück in ihre Heimat Israel fliehen. 2012 stellte Australien einen Auslieferungsantrag. Der Skandal hatte sogar die höchsten politischen Ebenen erreicht und zeitweilig für einen Eklat zwischen Jerusalem und Canberra gesorgt.

POLITIKER Auch ein israelischer Politiker ist in den Fall verwickelt: Der ehemalige Gesundheits- und jetzige Haus- und Bauminister Yaakov Litzman wird verdächtigt, Leifer geholfen zu haben, der Justiz zu entkommen. Er soll Psychiater dazu gedrängt haben, Gerichtsgutachten auszustellen, die ihre Auslieferung aus psychischen Gründen verhindern. Die Ermittlungsbehörden schlugen vor, die ultraorthodoxen Politiker anzuklagen. Bislang ist dies jedoch noch nicht geschehen.

Die Schwestern Dassi Erlich und Nicole Meyer haben seit Jahren darum gekämpft, die Auslieferung zu erreichen. Sie sind zwei von drei Schwestern, die Leifer vorwerfen, sie während ihrer Schulzeit sexuell missbraucht zu haben.

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026

Israel

Herzog zeichnet Milei mit Ehrenmedaille aus

Javier Milei erhält in Jerusalem die höchste zivile Auszeichnung des jüdischen Staates. Der argentinische Präsident stellte sich im Konflikt mit dem Iran klar an die Seite Israels und der USA

 20.04.2026

Jom Hasikaron

Schmerz und Erinnerung im Herzen der Stadt

Welche Zukunft hat der Gedenkort der Terroropfer und gefallenen Soldaten am zentralen Dizengoff-Platz in Tel Aviv?

von Sabine Brandes  20.04.2026

Waffenruhe

Präsident Aoun: Libanon verhandelt alleine mit Israel

Seit ein paar Tage gilt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eine Waffenruhe. Die Regierung in Beirut will dauerhafte Stabilität für den Mittelstaat erreichen

 20.04.2026

Nahost

Soldat schlägt auf Jesus-Statue ein. Israel kündigt harte Strafe an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke »aufs Schärfste«. Das israelische Militär kündigte »angemessene Maßnahmen« gegen alle Beteiligten an

 20.04.2026

Nahost

Iran richtet zwei Männer hin

Den Verurteilten wurde vorgeworfen, für den Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler sprechen jedoch davon, dass es sich um politische Gefangene gehandelt habe

 20.04.2026

Nord-Israel

Kiryat Schmona: Bewohner demonstrieren gegen Waffenruhe mit Hisbollah

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Sicherheitsinteressen des Nordens preiszugeben

 20.04.2026

Staatsbesuch

Milei sagt Israel Unterstützung zu – Direktflüge und Botschaftsumzug angekündigt

Neben der Politik kommt die Kultur nicht zu kurz: Für eine israelische Fernsehsendung zum morgigen Jom Haatzmaut singt der argentinische Präsident einen Song

 20.04.2026