Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Verliert an Wert: der Schekel Foto: Flash 90

Show
Vor 23.000 Fans zog Lady Gaga am Samstagabend eine Show ab, wie sie Tel Aviv selten gesehen hat. »ArtPop« bot alles, was sich ihre Fans gewünscht hatten: tanzbare Rhythmen, schrille Kostüme und ein Star, der sein Publikum auf Hebräisch mit »Ich liebe euch alle« begrüßte. Doch die provokative Sängerin hatte die Israelis ohnehin schon lange vor ihrem Auftritt auf ihrer Seite. Allein, dass sie ihr Konzert im Hajarkon-Park trotz Gaza-Krise nicht abgesagt hatte, brachte ihr Lobeshymnen ein. Denn die Konzertsaison im Sommer war dem Krieg zum Opfer gefallen: Neil Young, die Backstreet Boys, Lana Del Rey und viele andere hatten Rückzieher gemacht. Höhepunkt der Show war ein Überraschungsauftritt von Tony Bennett, mit dem Gaga für ihr neues Album das Duett »Cheek to Cheek« aufgenommen hatte. Das gab sie Hand in Hand mit dem Altstar vor einer verzückt wogenden Fan-Masse zum Besten.

Gesandte
Sie ist die erste Frau, die von Israel in ein arabisches Land entsandt wird. Am Wochenbeginn erklärte das Außenministerium, dass sieben von zwölf neuen Diplomaten Frauen sind. Darunter ist auch Einat Schlain, die in zehn Monaten ihren neuen Job in Jordanien antreten wird. Schlain war bereits am Anfang ihrer Karriere in Amman tätig, arbeitete später unter anderem in der israelischen Vertretung in den USA. Derzeit ist sie Leiterin der internationalen Abteilung des diplomatischen Forschungszentrums. Andere Botschafterinnen werden demnächst nach Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Belgien, Zypern und China entsandt.

Vertrag
Jerusalem und Minsk wollen die gegenseitigen Visa abschaffen. Obwohl Weißrussland von der internationalen Gemeinschaft mit Sanktionen belegt ist, will Israel die Verbindung zu dem ehemaligen Sowjetstaat stärken. Der israelische Botschafter in dem Land, Yosef Shagal, gab jetzt bekannt, dass zudem 700 Teilnehmer zur Limmud-Konferenz erwartet werden. Die EU erklärte im vergangenen Jahr, dass die finanziellen Sanktionen gegen Weißrussland weiterlaufen, da die Menschenrechte nach wie vor nicht geachtet werden, Gesetze und demokratische Prinzipien sich nicht verbessert hätten. Der israelische Botschafter jedoch meint, dass das Visaprogramm an die Verträge mit Russland und der Ukraine angelehnt sei, die langfristig den Tourismus, die Wirtschaft und die jüdische Kultur in diesen Ländern stärkten.

Schekel
Nach Jahren der Stärke verliert die israelische Währung im Moment an Wert. Während der Schekel im Juli gegenüber dem Dollar noch bei 3,47 stand, so liegt er nun bei 3,6. Finanzexperten gehen davon aus, dass er weiter fallen wird. Die Exporteure freut das. Denn seit langer Zeit stagnierten die Zahlen, weil der Schekel einfach zu stark war. Nun hoffen die Produzenten auf bessere Zeiten. Während der Militäroperation »Protective Edge« waren die Exporte um bis zu 17 Prozent zurückgegangen. Das staatliche Statistikamt erklärte jedoch, nicht nur der Krieg, sondern auch die schwachen Märkte in Europa und den USA seien Grund für den Rückgang gewesen.

Ausbildung
Israel liegt auf der Liste der gebildetsten Länder an vierter Stelle. 46,4 Prozent der Menschen haben hier einen Hochschulabschluss. Das fand das Online-Magazin »24/7 Wall Street« in einer neuen Studie heraus. Auf Platz eins liegt Russland mit einer Quote von 53,5 Prozent, gefolgt von Kanada (52,6) und Japan (46,6). Den fünften Rang haben die USA inne, wo 43,1 Prozent der Einwohner an Universitäten ausgebildet wurden. Gleichzeitig, so die Untersuchung, gebe Israel mit etwa 11.500 Dollar pro Kopf jährlich weniger für Studenten aus als die meisten anderen entwickelten Staaten. Auch sei der Verdienst der Lehrer im Vergleich der OECD-Länder sehr niedrig.

Siddur
Rechtzeitig zu den Hohen Feiertagen wird das älteste jüdische Gebetbuch, das jemals gefunden wurde, im Bible-Lands-Museum in Jerusalem ausgestellt. Das Werk stammt aus dem neunten Jahrhundert, ist somit rund 1200 Jahre alt. Es wird einen Monat lang in der »Buch der Bücher«-Ausstellung zu sehen sein. Der Siddur umfasst etwas mehr als 50 Seiten und ist in drei Abschnitte unterteilt. Darunter sind Teile des Morgengebetes und der Pessach-Haggada, allesamt auf Pergament in antikem Hebräisch mit babylonischen Vokalen geschrieben. Der Siddur verfügt sogar noch über seine originale Bindung.

Rettung
Fast sein ganzes Leben lang litt »M.« unter chronischem Nierenversagen. Der Zustand des 14-Jährigen aus Gaza wurde zudem durch eine Blutgerinnungsstörung verschlimmert. Vor acht Jahren erhielt er in Ägypten eine neue Niere, doch sein Körper stieß das Organ ab. M. ging es immer schlechter. Nun spendete ihm seine Schwester eine Niere, und der Junge wurde operiert – in Israel. Ein Ärzteteam im Rambam-Zentrum in Haifa arbeitete pausenlos daran, die Blutgerinnung unter Kontrolle zu bekommen. »Es war ein Albtraum«, erinnert sich Ran Steinberg, der Leiter der Kinderchirurgie. Doch die Improvisation mit einer künstlichen Verbindung zwischen den Venen des Blutkreislaufs und denen des Organs funktionierte schließlich. M. ist nach acht Monaten nach Hause zurückgekehrt. Als gesunder Junge.

Meinung

Gratulation!

Warum die Ehrung der ARD-Israelkorrespondentin Sophie von der Tann mit dem renommierten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis nicht nur grundfalsch, sondern auch aberwitzig ist

von Lorenz Beckhardt  30.11.2025

Jerusalem

Netanjahu bittet Israels Präsidenten um Begnadigung

US-Präsident Trump hat eine Begnadigung des wegen Korruption angeklagten Regierungschefs Netanjahu gefordert. Nun schreibt Netanjahu selbst ein Gnadengesuch. Israels Opposition übt scharfe Kritik

 30.11.2025

Meinung

Der Weg zum Frieden in Nahost führt über Riad

Donald Trump sieht in Saudi-Arabien zunehmend einen privilegierten Partner der USA. Die Israelis müssen gemäß dieser neuen Realität handeln, wenn sie ein Abkommen mit dem mächtigen Ölstaat schließen wollen

von Joshua Schultheis  29.11.2025 Aktualisiert

Portrait

Die Frau, die das Grauen dokumentieren will

Kurz nach dem 7. Oktober 2023 gründete die israelische Juristin Cochav Elkayam-Levy eine Organisation, die die Verbrechen der Hamas an Frauen und Familien dokumentiert. Unser Redakteur sprach mit ihr über ihre Arbeit und ihren Frust über die Vereinten Nationen

von Michael Thaidigsmann  29.11.2025

Jerusalem

Koalition stoppt Zusatzhilfen für freigelassene Geiseln

In der Knesset lehnt die Regierungsmehrheit hat einen Gesetzentwurf der Opposition ab, der Betroffenen eine sofortige finanzielle Unterstützung zusichern sollte

 29.11.2025

Nachrichten

Wetter, Geiselforum, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  29.11.2025

Nahost

Siedlergruppe dringt nach Syrien ein: IDF nimmt acht Personen fest 

Mehrere Menschen überqueren die Grenze. Medien zufolge wollen sie im Nachbarland eine Siedlung gründen. Es ist nicht ihr erster Versuch

 28.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Wirtschaft

Wenn Krembo zum Luxus wird

Die Lebenshaltungskosten steigen weiter. Mittlerweile befürchtet ein Drittel aller Israelis, sich bald nicht mehr ausreichend Lebensmittel leisten zu können

von Sabine Brandes  28.11.2025