Beziehungen

Auf den Hund gekommen

Frühmorgens um acht Uhr herrscht bereits dichtes Gedränge an der Kaffeebude auf dem Tel Aviver Ben-Gurion-Boulevard, Ecke Ben-Yehuda-Straße. Man will sich noch schnell einen Espresso oder Cappuccino bestellen, bevor es dann weiter zur Arbeit geht – oder zu der ersten Gassi-Runde mit dem Hund. Denn mindestens jeder Dritte, der sich dort seine Dosis Koffein abholt, hat einen Vierbeiner im Schlepptau, manche sogar gleich zwei oder drei.

Entsprechend munter und laut geht es dabei zu. Einige Hunde dösen entspannt in der Morgensonne, andere dagegen fetzen sich, bellen und knurren, weil sie ihre Artgenossen gerade ziemlich aufdringlich finden oder sich nicht riechen können. Andere springen sogar auf einen der Tische.

strand So wie an der Kaffeebude sieht es überall in Tel Aviv aus. Hunde jeglicher Größe und Rasse bevölkern die Straßen, Plätze und Parks. Am Strand gibt es sogar einen Abschnitt, der eigens für sie reserviert ist, in Höhe des Unabhängigkeitsparks. Rudelweise toben sie dort oder plantschen im Meer, eine Hundedusche ist ebenfalls vorhanden.

2016 feierte man sogar das »Kelaviv Festival«, ein Kunstwort aus »kelev«, hebräisch für »Hund«, und Tel Aviv, bei dem unter anderem glutenfreies Bio-Futter und Designer-Halsbänder angeboten wurden. Nicht nur deshalb hat man den Eindruck, dass die Bewohner der Küstenmetropole ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Vierbeinern haben.

In der Tat ist Tel Aviv in der Vergangenheit mehrfach zu einer der hundefreundlichsten Städte der Welt erklärt worden – zuletzt im Dezember 2022 im »Best Cities for Dogs«-Index des Versicherungsunternehmens Luko. Demnach kommen auf 1000 Bewohner 182,10 Hunde.

tiergeschäfte In keiner anderen Stadt gibt es im Verhältnis zu ihrer Größe so viele Tiergeschäfte, und überhaupt würde der beste Freund des Menschen dort optimale Verhältnisse vorfinden. Nur in San Francisco und Seattle wären Vierbeiner noch besser dran, hieß es darin. Auch greifen die Tel Aviver dafür tief in die Tasche, im Durchschnitt kostet sie ein Hund im Laufe seines Lebens satte 22.723 Dollar.

Ettie Horn kann das nur bestätigen. Die 58-jährige Lampendesignerin ist stolze Besitzerin von Milou, einer kleinen wie lebhaften weißen Promenadenmischung mit leichtem Überbiss. »Egal, ob Café oder Bar, ich kann meinen Hund überallhin mitbringen.« Vor vielen Geschäften oder Res­taurants finden sich zudem Wasserschalen, was Hundebesitzer wiederum zum Besuch einlädt.

Auch sind in Tel Aviv 16 Hotels gelistet, in denen vierbeinige Gäste explizit willkommen sind. »Woanders in Israel gibt es so etwas kaum.« Sie selbst ist vor neun Jahren auf den Hund gekommen. »Nach einem längeren Auslandsaufenthalt wollte ich unbedingt wieder einen haben.« Ihren Milou fand sie auf Facebook. Jemand hatte den Welpen zur Adoption angeboten. »Es war Liebe auf den ersten Blick.«

Seit 1996 hat sich die Zahl der Hunde in Tel Aviv mehr als verdreifacht.

Die nationale Hundedatenbank des israelischen Landwirtschaftsministeriums bestätigt diesen Eindruck. 2019 zählte man offiziell 37.151 Hunde für Tel Aviv, inoffiziell mag es gewiss mehr geben. Auf Platz zwei mit 16.094 Hunden liegt Rischon LeZion, gefolgt von Haifa mit 15.321. Das viel größere Jerusalem dagegen ist Heimat von gerade einmal 13.258 Hunden, was vor allem damit zu erklären ist, dass weder die arabischen Bewohner noch orthodoxe Juden eine besondere Affinität zu Vierbeinern haben. Auch die beliebtesten Namen kennt die Datenbank, und zwar »Lula« für weibliche und »Louis« für männliche Hunde. Und die populärsten Hunderassen sind Shih Tzus, Pekinesen sowie deutsche Schäferhunde und Labradore.

judentum »In der israelischen Gesellschaft hat sich das Verhältnis zu Hunden tiefgreifend verändert«, schreibt dazu Anat Ben-Yonatan anlässlich des Internationalen Tag des Hundes, der jährlich am 26. August begangen wird. »Hunde gelten im Judentum als umstritten«, so die an der Universität Tel Aviv lehrende Soziologin und Anthropologin mit dem Forschungsschwerpunkt Mensch-Tier-Beziehungen.

»In der Bibel findet sich sogar eine wenig schmeichelhafte Erwähnung, als sie sich auf Isebels Körper stürzten. Der Einsatz von Hunden gegen Juden im Holocaust durch die Nazis verstärkte den zwiespältigen Status im kollektiven Gedächtnis.«

Doch das gilt nicht mehr. Dafür nennt Ben-Yonatan als Gründe westliche popkulturelle Einflüsse oder positive Darstellungen von Hunden in der neueren israelischen Literatur, beispielsweise »Dinka« aus David Grossmans Roman Wohin du mich führst. »Aber auch die Einwanderer aus der Sowjetunion, die ein umfangreiches Wissen über und eine tiefe Zuneigung zu Hunden mitbrachten, spielen eine Rolle.« Sogar unter den ultraorthodoxen Israelis würden sich mittlerweile welche finden, die einen Vierbeiner halten – Tendenz steigend.

Digi-Dog Seit 1996, so eine andere Statistik, hat sich die Zahl der Hunde in Tel Aviv mehr als verdreifacht. Und damit Frauchen oder Herrchen auch alles im Blick haben, hat die Stadt 2017 die App Digi-Dog ins Leben gerufen. Damit soll Hundebesitzern gezeigt werden, wo es neue Auslaufflächen gibt oder welche Aktivitäten rund um den Hund möglich sind.

Nur an dem Verhalten ihrer Vierbeiner müssen ihre Halter noch selbst arbeiten. Das zeigt das morgendliche Chaos an der Kaffeebude am Ben-Gurion-Boulevard, Ecke Ben-Yehuda-Straße. Aber gewiss gibt es bald ein Start-up, das auch dieses Problem in den Griff bekommt.

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Haifa

Vier Opfer eines iranischen Angriffs als Mitglieder einer Familie identifiziert

Die Eheleute Wladimir Gershovitz und Lena Ostrovsky Gershovitz, deren Sohn Dimitri sowie dessen Frau Lucille-Jane sind am Sonntag bei einem Raketeneinschlag in Haifa getötet worden. Die Anteilnahme im Land ist groß

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Bericht: Synagoge in Teheran bei israelischem Angriff beschädigt

Ein Luftangriff hat laut iranischen Angaben eine Synagoge in Teheran schwer beschädigt. Was bisher bekannt ist

 07.04.2026

Jerusalem

Nach Rassismus-Skandal: Netanjahu entlässt seinen Kabinettschef

Zvi Agmon soll sephardische Abgeordnete rassistisch beleidigt haben. Seinen Posten als Kabinettschef muss er nun räumen

 07.04.2026

Iran-Krieg

Angriffe auf Schienennetz? Israel warnt Iraner

US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit Angriffen auf Infrastruktur, die auch zivil genutzt wird. Israel spricht jetzt eine Warnung direkt an die Bevölkerung aus

 07.04.2026