Coronavirus

Auf dem Weg zum Impfstoff

Ein Bett auf der Quarantäne-Station im Tel-Hashomer Krankenhaus Foto: Flash 90

Israel ist optimistisch. In »wenigen Wochen« werde man einen Impfstoff gegen das Coronavirus (Covid-19) haben, das die Welt momentan in Atem hält, vermeldete das Migal Research Center in Galiläa vor einigen Tagen. Dort forscht man bereits seit vier Jahren an einem Serum gegen eine ähnliche Form des Virus, das bei Geflügel auftrete.

Die Arbeiten seien so gut wie abgeschlossen, erklärte das Institut Ende vergangener Woche und sprach von einem »Durchbruch«. Der Impfstoff müsse aber noch an Menschen getestet werden und eine Zulassung bekommen, sodass noch Monate vergehen werden, bis er einsatzbereit ist.

zulassungsverfahren Israels Wissenschaftsminister Ofir Akunis beglückwünschte die Forscher von Migal und wies seine Behörden an, das Zulassungsverfahren für das Mittel so schnell wie möglich durchzuführen. Bis Dienstag wurden in Israel zwölf Infektionen mit Covid-19 registriert. Darüber hinaus mussten sich mehr als 5000 Israelis in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben, da sie sich zuvor in Risikozonen in anderen Ländern aufgehalten hatten.

Auch in den USA hat Berichten zufolge ein Pharmakonzern einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Klinische Studien dazu sollen im April beginnen.

Der Erreger hat sich mittlerweile in allen deutschen Bundesländern mit Ausnahme Sachsen-Anhalts ausgebreitet. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählte am Mittwoch rund 200 nachgewiesene Infektionen.

patienten Ein auf das Virus zurückgehender Todesfall wurde in Deutschland bisher nicht erfasst. Viele Patienten seien inzwischen wieder gesund, so das RKI. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte für Mittwoch eine Regierungserklärung im Bundestag zum Krisenmanagement bei Sars-CoV-2 an. Zudem ist ein Treffen mit den Gesundheitsministern der Länder vorgesehen.

In Europa ist Italien am stärksten betroffen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht wies die Debatte um eine Einschränkung der Grundrechte wegen der Epidemie zurück. »Die Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus stoßen in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz«, sagte die SPD-Politikerin der »Rheinischen Post«. Die Menschen seien vernünftig und blieben in Quarantäne, wenn die Behörden das anordneten, sagte die Ministerin. »Deshalb sehe ich gegenwärtig keine Notwendigkeit, die Debatte zu führen, ob Grundrechte eingeschränkt werden müssen.«

In Europa ist Italien am stärksten betroffen. Rund drei Viertel der europaweit registrierten Infektionen traten dort auf; 52 Menschen sind in Italien bereits an der Erkrankung gestorben.

In China, wo das Virus im Dezember erstmals festgestellt worden war, stieg die Zahl der Toten bis Mittwoch auf fast 3000. Die Gesamtzahl der offiziell erfassten Ansteckungen in Festlandchina seit Beginn der Epidemie im Dezember kletterte auf mehr als 80.000. 50.000 konnten bereits wieder aus den Krankenhäusern entlassen werden. Experten gehen allerdings in China von einer hohen Dunkelziffer aus.

NEW YORK In Westchester County im Bundesstaat New York ist unterdessen der Vater eines Jeschiwa-Schülers positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Schulleitung entschied daraufhin, die Einrichtung vorübergehend zu schließen. Nach Medienberichten ist der Mann in einem kritischen Zustand. Auch seine Synagoge wurde auf Anraten der Behörden geschlossen.

Jüdische Einrichtungen riefen zu Gebeten für den Mann auf, dessen hebräischer Name als Eliezer Yitzhak ben Shifra angegeben wurde. Der 50-jährige Rechtsanwalt ist erst der zweite Infizierte im Staat New York. In einer Pressekonferenz sagte Gouverneur Andrew Cuomo, die weitere Ausbreitung des Virus sei »unvermeidlich«, man werde aber die notwendigen Vorkehrungen treffen.

EMPFEHLUNGEN Die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) gab am Mittwoch Empfehlungen zur Gesundheitsvorsorge bei religiösen Praktiken heraus. So sollten Menschen, die sich nicht wohlfühlten, daheim bleiben, auch wenn sie etwa in das Trauergebet Kaddisch eingebunden seien, heißt es. Auch raten die Rabbiner davon ab, gemeinschaftlich genutzte Gebetbücher oder die traditionellen Schriftkapseln an Türpfosten zu küssen. Zudem wird die Bedeutung des Händewaschens bei allen Gelegenheiten, die nach dem jüdischen Religionsgesetz, der Halacha, vorgeschrieben sind, unterstrichen.

Sollte sich die gesundheitliche Lage wegen der Corona-Ausbreitung verschlechtern, denkt die CER zudem über Empfehlungen von weiteren Maßnahmen nach, wie es ergänzend zu den Richtlinien hieß: »Wenn sich die Situation verschlechtert und Mitglieder der jüdischen Gemeinde hierzulande infiziert oder unter Quarantäne gestellt werden, sollten die Gemeinden ein Unterstützungssystem entwickeln, das die Betroffenen mit koscheren Lebensmitteln versorgt, ohne die Versorger zu gefährden.«  (mit KNA und dpa)

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