Gazastreifen

Armee kämpft im Norden gegen letzte Hamas-Hochburg

Israelische Soldaten in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens Foto: Copyright (c) Flash 90 2023

Fast drei Monate nach Beginn des Kriegs gegen die Hamas setzt Israels Armee ihre intensivierten Angriffe im schwer zerbombten Gazastreifen fort und meldet Erfolge. Die Truppen hätten nun das Hauptquartier der islamistischen Hamas in Chan Junis im Süden des Gazastreifens gestürmt, gab der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Samstagabend bekannt. Darin habe sich auch die Geheimdienstzentrale der Terrororganisation befunden. Es seien in Gaza bereits »mehr als 8000 Terroristen eliminiert« worden, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Samstagabend nach Mitteilung seines Büros. Unabhängig konnten diese Angaben nicht geprüft werden.

Israels Armee: Kampf im Norden gegen letzte Hamas-Hochburg

Die Streitkräfte konzentrieren sich nach eigenen Angaben derzeit vornehmlich auf den Süden des Küstengebiets mit der Stadt Chan Junis sowie auf den mittleren Gazastreifen. Israel vermutet, dass sich in den unterirdischen Tunneln unter Chan Junis der Anführer der Hamas im Gazastreifen, Jihia Sinwar, versteckt hält. »Wir sind dabei, den Kampf gegen die Hamas zu intensivieren«, sagte Netanjahu. Im Norden ist Israels Armee nach eigenen Angaben derweil dabei, die vollständige Kontrolle über das Gebiet auszuüben. Dort konzentriere man sich nun auf die letzte noch verbliebene Hochburg der Hamas in der Stadt Gaza, das Viertel Tufah, erklärte Armeesprecher Hagari.

Israels Regierungschef lehnt Rücktritt ab

Nach einem Jahr im Amt steht Netanjahu jedoch auch innenpolitisch unter starkem Druck. In seiner eigenen Bevölkerung schlägt dem Regierungschef Misstrauen entgegen. Laut Umfragen will die Mehrheit der Israelis, dass er spätestens nach dem Ende des Gaza-Krieges zurücktritt. Einen Rücktritt lehnte Netanjahu am Samstag jedoch ab. »Das Einzige, wovon ich zurücktreten werde, ist die Hamas. Das ist es, womit ich zu tun habe«, sagte er der »Times of Israel« zufolge.

Viele Menschen werfen dem israelischen Regierungschef vor, bislang keine persönliche Verantwortung dafür eingeräumt zu haben, dass das Hamas-Massaker am 7. Oktober in Israel geschehen konnte. Es war mit 1200 Toten das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels. Rund 240 Menschen wurden nach Gaza verschleppt. Nach israelischen Informationen werden noch knapp 130 Geiseln dort festgehalten.

Israels Militär begann in Reaktion auf die schlimmstem Massaker an Juden seit dem Holocaust mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Das von den Terroristen der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza behauptet, dass bisher 21.672 Menschen getötet wurden. Es wird dabei nicht zwischen Zivilisten und Terroristen unterschieden. Die Zahl lässt sich nicht unabhängig prüfen. Fest steht, dass die Hamas ein Interesse daran hat, die Zahl der Toten in die Höhe zu treiben, um sie propagandistisch auszuschlachten. Vor allem aber verstecken sich die Terroristen in ihrem Kampf gegen israelische Soldaten zwischen palästinensischen Zivilisten.

Erneut Schusswechsel auch an Israels Grenze zum Libanon

Derweil hat die Armee am Samstag auch an Israels nördlicher Grenze zum Libanon einen groß angelegten Angriff auf Ziele der dortigen Hisbollah-Miliz beendet, wie der Sprecher sagte. Dabei seien drei »terroristische Zellen ausgeschaltet« worden. Die Armee werde auch weiter militärische Stellungen der Hisbollah im Südlibanon angreifen.

»Die südliche Region des Libanon wird nicht wieder zu dem werden, was sie einmal war«, sagte Hagari weiter. Im Laufe des Samstags seien mehrere Raketenabschüsse vom Libanon nach Israel festgestellt worden. 80 Prozent der Raketen der Hisbollah seien dabei auf libanesisches Gebiet gefallen. Auch dies ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der Hisbollah an der Grenze. Dabei gab es auf beiden Seiten Tote und Verletzte. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006. Die Hisbollah hat Verbindungen zur Hamas in Gaza, gilt aber als schlagkräftiger. Zudem gilt sie als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter von Israels Erzfeind Iran.

Wieder Raketenangriff der Huthis

Unterdessen hat Israels wichtigster Verbündeter im Süden des Roten Meeres nach eigenen Angaben erneut zwei Raketen der im Jemen basierten Huthi-Rebellen abgefangen. Die US-Marine habe auf einen Hilferuf eines dänischen Containerschiffs reagiert, das zuvor von einer Rakete getroffen worden war, teilte das zuständige Regionalkommando am Sonntagmorgen auf X mit. Das Schiff sei Berichten zufolge aber seetüchtig, es seien keine Verletzungen gemeldet worden.

Seit Ausbruch des Gaza-Kriegs greifen die Huthis immer wieder Schiffe im Roten Meer an, eine der für den Welthandel wichtigsten Schifffahrtsstrecken. Auch greifen sie Israel direkt mit Raketen an. dpa/ja

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