Nahost

An Tag 3 des Iran-Kriegs wird eine neue Front eröffnet

Nach einem Angriff am Montag steigt in Teheran eine enorme Rauchwolke auf. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Drei Tage nach Beginn ihrer Offensive gegen das iranische Regime sowie dessen Infrastruktur und Waffen haben Israel und die Vereinigten Staaten nach eigenen Angaben die Lufthoheit über weite Teile des westlichen Iran errungen. Während Kampfjets nahezu ungehindert operieren, verschiebt sich der Schwerpunkt der Angriffe zunehmend: Neben militärischer Infrastruktur rückt immer stärker das Machtzentrum des Regimes selbst in den Fokus.

Nach israelischen Militärangaben wurden seit Samstag rund 2500 Präzisionswaffen eingesetzt. Etwa 600 Ziele seien getroffen worden – darunter mehr als 150 ballistische Raketen, Dutzende Abschussrampen, über 200 Luftabwehrsysteme sowie rund 20 Einrichtungen oder Personen aus dem Führungskreis des iranischen Sicherheitsapparats. Die Zahlen lassen auf eine systematische Zerschlagung zentraler Verteidigungsstrukturen schließen.

Zu Beginn der Operation lag das Hauptaugenmerk darauf, Irans Fähigkeit zu Raketenangriffen einzudämmen. Inzwischen, so heißt es laut amerikanischen Medien aus Militärkreisen, gehe es darüber hinaus darum, den Herrschaftsapparat der Islamischen Republik zu schwächen. Ziel sei es, das Regime so stark unter Druck zu setzen, dass inneriranische Protestbewegungen neue Dynamik gewännen.

»Bis zum Ende«

Ein ranghoher Regierungsvertreter beschrieb demnach die Haltung des US-Präsidenten Donald Trump mit ungewöhnlicher Deutlichkeit: »Trump beabsichtigt, diesen Schritt bis zum Ende zu gehen. Er hat das Ziel bereits markiert. Er will das Regime ersetzen, und er hat nicht die Absicht, den Fuß vom Gas zu nehmen.«

Parallel zu den Luftangriffen auf Ziele in Israel und mehreren muslimischen Staaten bemüht sich die iranische Führung offenbar, zentrale Bestandteile ihres Atomprogramms zu sichern. Israelische Zeitungen zitieren »informierte Kreise«, die angaben, die iranischen Anlagen würden verstärkt, Ausrüstung verlagert und beschädigte Einrichtungen notdürftig stabilisiert. Satellitenbilder hatten bereits in den vergangenen Wochen umfangreiche Befestigungsarbeiten gezeigt.

Bemerkenswert ist, dass nukleare Einrichtungen in der aktuellen Phase bislang nicht direkt angegriffen wurden. Einige von ihnen waren bereits im Juni bei der damaligen Operation schwer beschädigt worden.

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Angriff auf Revolutionsgarden

Aktuelle Angriffe konzentrieren sich nach übereinstimmenden Berichten auf Einrichtungen der inneren Sicherheitskräfte in Teheran, darunter Notfallstützpunkte der Basij-Miliz sowie Standorte der Revolutionsgarden. Ziel ist es offenbar, die Fähigkeit des Regimes zur Kontrolle der eigenen Bevölkerung zu unterminieren. Gleichzeitig betont die israelische Armee, man sei auf ein Mehrfronten-Szenario vorbereitet. Rund 110.000 Reservisten haben die israelischen Streitkräfte (IDF) bislang einberufen.

Für zusätzliche Brisanz sorgt die religiös-politische Dimension des Konflikts. Nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei durch amerikanisch-israelische Angriffe gleich am ersten Tag des Krieges haben zwei einflussreiche schiitische Geistliche, darunter Naser Makarem Shirazi, Fatwas erlassen, die Muslime weltweit zur Vergeltung aufrufen. Die Erklärungen unterstreichen, dass der Konflikt längst über eine rein militärische Auseinandersetzung hinausgeht.

Derweil ist in Teheran ein Machtvakuum entstanden. Das nun kopflose Regime ist dabei, Nachfolger für bei den amerikanisch-israelischen Angriffen getötete Offizielle und Militärs zu bestimmen. Bereits am ersten Tag der Operationen waren neben Führer Ali Chamenei Verteidigungsminister Amir Nasirzadeh und Mohammed Pakpou, ein führender Kommandeur der Revolutionsgarden, getötet worden. Sardar Ebn al-Reza wurde heute zum amtierenden Verteidigungsminister des Iran ernannt, der unter US-Sanktionen stehende frühere Minister Ahmad Vahidi zum neuen Kommandeur der Garden.

Neun Tote in Beit Schemesch

Noch sind nicht alle Raketenstellungen im Iran zerstört worden. Das dortige Militär schoss seit Samstag Hunderte Raketen in Richtung muslimischer Staaten, vorwiegend aber nach Israel ab. Da nicht alle Raketen abgefangen werden konnten, hatten zwei Einschläge erhebliche Folgen.

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Der schwerste iranische Angriff traf Beit Schemesch. Neun Menschen starben. Nach Angaben des Jerusalemer Polizeichefs Avshalom Peled hielten sich die meisten der Opfer in einem öffentlichen Schutzraum auf, als die ballistische Rakete einschlug. Peled erinnerte daran, dass bereits in der letzten Konfrontation mit Iran im Juni deutlich geworden sei, dass Schutzräume einem direkten Treffer durch eine schwere Rakete nicht standhalten könnten. Dennoch rief er die Bevölkerung auf, bei Alarm weiterhin Schutzräume aufzusuchen, da sie in den allermeisten Fällen vor Splittern und Druckwellen schützten.

Am Tag danach besuchte Staatspräsident Isaac Herzog die zerstörte Wohngegend. Neben einer Synagoge wurden Wohnblocks erheblich beschädigt. Herzog begab sich zum Einschlagsort und warnte auch die Verbündeten des Iran vor weiteren Angriffen auf Israel. Zudem appellierte er an die iranische Bevölkerung, die Chance für Veränderung zu nutzen.

Rakete trifft Beerscheba

Nur Stunden später schlug im Süden des Landes eine weitere Rakete ein. In Beerscheba wurden 19 Menschen verletzt, als ein Geschoss mehrere Wohnhäuser traf. Alle Verletzten kamen ins Soroka Medical Center. Ein Opfer erlitt schwere, die übrigen leichte Verletzungen. Während Rettungskräfte die Trümmer nach möglichen weiteren Opfern durchsuchten, hatten am Morgen landesweit Sirenen den Beginn des dritten Einsatztages der Operation »Roaring Lion« signalisiert.

Nach Militärangaben hat sich das Muster der iranischen Angriffe inzwischen verändert. Statt vereinzelter Abschüsse registriert die Armee koordinierte Salven mit neun bis 30 Raketen. Beobachter sprechen laut israelischen Zeitungen von einem Übergang von vereinzeltem »Tröpfeln« zu systematischen Angriffswellen, ähnlich wie im Krieg vom Juni 2025.

Nachdem die Hisbollah im Libanon in der vergangenen Nacht wieder dazu über ging, Israel von Norden her mit Raketen anzugreifen, worauf die IDF mit Angriffen reagierten, drohte Verteidigungsminister Israel Katz, Hisbollah-Chef Naim Qassem sei nun zum Ziel geworden. »Die Hisbollah wird einen hohen Preis für den Beschuss Israels zahlen«, so Katz.

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»Tiefen der Hölle«

Der Minister sagte, jeder, der dem Beispiel des ehemaligen iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei folge, »wird sich bald mit ihm in den Tiefen der Hölle wiederfinden, zusammen mit all jenen, die aus der Achse des Bösen ausgelöscht wurden.«

Seitdem die Hisbollah wie erwartet an der Seite Teherans in den Kampf gegen Israel eingriff, bombardierte Israel Terrorziele in südlichen Vororten Beiruts und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes, um sich zu schützen und um weitere Angriffe zu unterbinden. Dabei wurde auch der Chef des Geheimdienstes der Hisbollah, Hussein Makled, getötet.

Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die vom Iran unterstützte Terrororganisation Israel mit Raketen angreift.

Bei einem Lagebriefing an der Nordgrenze erklärte Generalstabschef Eyal Zamir am Montagnachmittag, die IDF würden die neue Kampagne im Libanon nicht beenden, bis die Bedrohung beseitigt sei. »Unsere Hauptanstrengung gilt Iran. Wir handeln mit Nachdruck und treffen das Terrorregime in beispielloser Zusammenarbeit mit dem US-Militär. Nachdem die Hisbollah das Feuer eröffnet hat, habe ich die Armee angewiesen, auch gegen sie mit aller Härte vorzugehen. Die IDF hat geplant und ist darauf vorbereitet, gleichzeitig in mehreren Arenen zu operieren.«

Derweil verbot die libanesische Regierung der Hisbollah, aus dem Libanon heraus Krieg zu führen. Ob sie dieses Verbot auch durchsetzen kann, ist zweifelhaft.

In Kuwait kam es indessen zu einem Vorfall, bei dem drei Flugzeuge der amerikanischen Air Force abstürzten. Die Besatzungen konnten sich mit Schleudersitzen retten. Wie sich herausstellte, waren die Maschinen versehentlich vom kuwaitischen Militär beschossen worden.

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